Es ist 15 Tonnen schwer, drei Meter hoch und ruht auf einem 1,20 Meter tiefen Fundament. Unterstützt von freiwilligen Helfern errichtete Oskar-Heinz Werner ein symbolträchtiges Denkmal am Fährweg. Das "Ei der Einheit" wurde vor acht Jahren feierlich eingeweiht. Die Volksstimme-Serie "Was ist geworden aus..." erinnert daran.

Calbe l Was hat es gerade - genau 25 Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Grenze - nicht alles für Jubliläumsveranstaltungen gegeben. Auch Oskar-Heinz Werner hätte eigentlich eine Flagge auf seinem eigenen Wende-Denkmal gehisst, doch an vergangenen Jahrestagen rissen sie Unbekannte herunter.

Doch von vorn: Im Jahr 2006 wollte Oskar-Heinz Werner mit etwas Nachhaltigem an die Deutsche Wiedervereinigung erinnern und krempelte mit freiwilligen Helfern wie Dieter Fahrholz, Uwe Schmelzer, Horst Kober und anderen die Ärmel hoch. Entstanden ist ein steinerner Koloss direkt am Fährweg, an dem sich seit seiner Entstehung die Gemüter reiben. Während die einen den Denkmal-Eigenbau aus Natursteinen albern finden, befürworten andere ausdrücklich diese eigenwillige Art der Erinnerung.

Wichtige Jahreszahlen deutscher Geschichte

Der 77-Jährige legte beim Entwurf jede Menge Symbolik in seine Skulptur. An ihr abzulesen sind drei markante deutsche Jahreszahlen: Das Fundament des Eis weist die Jahreszahl 1919 aus und wird somit symbolisch von der Weimarer Republik getragen. In der Mitte klafft ein senkrechter Schlitz, der die Teilung Deutschlands darstellt. An seinem Anfang steht 1945, am oberen Ende 1990. Im Schlitz sind hunderte von Ost- und Westpfennigen eingelassen. "Im Inneren ist eine Kette erkennbar", die den Zusammenhalt trotz der langen Teilung zeigen soll", erklärt Werner. Und heute? Das "Einheits-Ei" "steht unter einem Walnussbaum, der mit der Europäischen Union gleichgesetzt ist, um in der Symbolwelt von Oskar-Heinz Werner zu bleiben. "Ab und an fällt eine Nuss herunter, die es für Deutschland zu knacken gilt", meint der Calbenser.

Was wird aus "Bärenbolle" auf dem Wartenberg?

Auch jenseits aller Finanznot der Saalestadt hat sich der pensionierte Architekt stets für die Verschönerung seiner Heimatstadt eingesetzt. Damit reiht er sich ein in die Riege der Mitglieder des Verschönerungsvereins der Kaiserzeit und deren Nachfolgern von heute, die mit dem Storchplatz und dem neugestalteten Schiffsanleger etwas Sichtbares für die Allgemeinheit schufen.

Neben dem Denkmal-Ei errichtete Werner ebenfalls das benachbarte Eulenspiegel-Denkmal, baute einen Mini-Bismarckturm, den Miniaturnachbau der längst verschwundenen Hohendorfer Kirche und ist nicht zuletzt Schöpfer der stählernen "Bärenbolle" auf dem Wartenberg. Letzteres Stahlskelett in Zwiebelform war bis zum kürzlichen Tod von Braunbärin Jette ein unverwechselbarer Teil ihres Freigeheges, an dem sich damals zahlreiche Firmen mit Sach- und Materialleistungen beteiligten. Nun steht die Frage im Raum, was aus dem ungenutzten Bärenzwinger samt "Bärenbolle" in Zukunft wird. Als ehemaliger Stadtrat sieht Oskar-Heinz Werner die Stadt für eine geeignete Nachnutzung des Zwingers für andere Tiere in der Pflicht.

Um das Einheits-Ei macht sich Oskar-Heinz Werner hingegen keine Sorgen. "Das wird sicherlich noch eine ganze Weile an die deutsche Wiedervereinigung erinnern", ist der Calbenser überzeugt.

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