Schönebeck/Ranies l Sechs Grundschulen hält die Stadt Schönebeck vor. Bis dato ist mit dem Wohnort der Familie festgeschrieben, welche Schule das jeweilige Kind besucht. Jedoch unterscheiden sich die Bildungseinrichtungen in Ausstattung, Lehrkonzept sowie im Lehrerkollegium und Schülerzahl. Insofern fühlen sich manche Eltern unter Umständen in ihrer Entscheidung beeinträchtigt, da es momentan eben kein Wahlrecht gibt. Einzige Möglichkeit, das eigene Kind an einer anderen Grundschule unterrichten zu lassen, liegt in einer Ausnahmegenehmigung, die vom Landesschulamt erteilt werden muss. Also wäre es doch im Sinne der Schönebecker Familien, die sogenannten Grundschulbezirke aufzuheben und damit freies Grundschulwahlrecht zu schaffen. Mit dieser Überlegung tragen sich die Mitglieder des Kultur- und Schulausschusses. Sie baten in ihrer Sitzung am 2. Oktober die Stadtverwaltung, eine Öffnung der Schulbezirke zu prüfen. Das ist nun erfolgt.

"Sollten die Schülerzahlen nicht reichen, können wir das Loch stopfen?"

Eine entsprechende Informationsvorlage geht durch die Ausschüsse. So wurde sie auch am Dienstagabend im Ortschaftsrat Ranies besprochen. Demnach sieht Ortschaftsrat Stephan Wesche in der Öffnung der Schulbezirke eine Möglichkeit, den Grundschulstandort Plötzky zu sichern. "Falls die Schülerzahl einmal nicht mehr reichen sollte, könnte man so das Loch stopfen", nennt er seine Vermutung. Sicher lässt sich das so sehen - nicht zu vergessen ist aber auch der Fakt, dass Kinder des ehemaligen Schulbezirkes der Grundschule Plötzky mit der freien Wahl an eine andere Grundschule wechseln könnten. Doch weitere Diskussionen wirft das im Ortschaftsrat nicht auf.

Derweil informiert Petra Pöschke, die in der Schönebecker Stadtverwaltung für die Schulen in kommunaler Trägerschaft verantwortlich zeichnet, dass für die Stadtverwaltung ein Hauptargument gegen die freie Grundschulwahl zählt. Nämlich: Dass in den sechs Grundschulen "zum Teil unterschiedliche Sanierungsstände bestehen". Das habe zur Folge, dass die Schulen mit unterschiedlichen baulichen Voraussetzungen in den Wettbewerb gehen würden, schlussfolgert Petra Pöschke.

Deshalb schlägt sie vor, dass die Schulbezirke vorerst so bestehen bleiben. Die Idee sollte erst dann wieder auf den Tisch geholt werden, wenn sich alle Grundschulen auf dem gleichen Sanierungsstand befinden. Wann dieser Zeitpunkt erreicht sei, diese Information bleibt die Schulamtsleiterin schuldig. "Die Sanierung hängt von den städtischen finanziellen Mitteln ab", sagt sie.

Abhilfe könnten Förderprogramme des Landes bieten, führt sie aus und nennt das Investitionsprogramm Stark III, das zur Modernisierung und energetischen Sanierung von Kindertagesstätten und Schulen vom Land aufgelegt wurde. "Hierfür wurden durch die Stadt die Bedarfe für vier Grundschulen zur Teil- beziehungsweise Vollsanierung angemeldet", heißt es dazu in der Informationsvorlage. Welche Grundschulen das sind, darüber wird im Ranieser Ortschaftsrat nicht informiert. Nur so viel steht fest: Ob die Grundschulen dank des Förderprogramms saniert werden, weiß zum heutigen Zeitpunkt noch keiner.

"Eltern suchen sich sonst die baulich schönste Schule aus?"

Insofern können Auskünfte über etwaige Zeitpläne nicht gegeben werden. Ortschaftsrat Michael Nickel fragt die Öffnung der Schulbezirke betreffend noch einmal nach. "Das heißt, das sonst die Gefahr bestünde, dass sich die Eltern die baulich schönsten Grundschulen aussuchen?". Das kann Petra Pöschke nicht klar bejahen. Schließlich entscheiden sich die Eltern nach unterschiedlichen Gesichtspunkten, sagt sie und nennt das Schulkonzept als ein weiteres Auswahlkriterium. Nichtsdestotrotz hält sie daran fest, dass die Gleichberechtigung im Wettbewerb für die Stadtverwaltung ein wichtiger Gesichtspunkt sei. Des Weiteren betont sie in diesem Zusammenhang, dass alle sechs Grundschulen der Stadt Schönebeck Bestandsschutz haben.

Über welche Grundschulen verfügt die Stadt überhaupt? Das sind die Grundschule "Karl Liebknecht", "Dr. Tolberg", "Am Lerchenfeld", "Käthe Kollwitz", "Ludwig Schneider" und Plötzky. Sie sind bisher unterschiedlich ausgelastet. Das stellt sich wie folgt dar:

- "Karl Liebknecht": Platz für 260 Kinder, besucht von derzeit 234
- "Dr. Tolberg": Platz für 200, besucht von derzeit 90 Kindern
- "Am Lerchenfeld": Platz für 180 Kinder, besucht von derzeit 184 Kindern
- "Käthe Kollwitz": Platz für 180, besucht von derzeit 102 Kindern
- Plötzky: Platz für 100, besucht von derzeit 76 Kindern
- "Ludwig Schneider": Platz für 180, besucht von derzeit 169 Kindern

Die "Platzzahlen" basieren auf der Annahme, dass im allgemeinen Unterrichtsraum 18 bis 20 Mädchen und Jungen unterrichtet werden. "Keine unserer Grundschulen hat bis auf eine Ausnahme Kapazitätsprobleme", schätzt Petra Pöschke ein. Die besagte Ausnahme bildet die Grundschule "Am Lerchenfeld" mit 186 Kindern bei einer Kapazität von 180.

Ausführlich geht die Schulamtsleiterin in der Informationsvorlage des Weiteren auf die Vor- und Nachteile der Festlegung von Schulbezirken ein.

Vorteile:
- Schulbezirke sind ein gutes Steuerungselement.
- Die Kinder können wohnortnah und unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gemeinsam unterrichtet werden. Sie können mit Kindergartenfreunden in den Schulanfang zu starten.
- Die soziale Zusammensetzung an der Schule entspricht am ehesten der Struktur des Schulbezirks.
- Das Prinzip "Kurze Beine kurze Wege" wird gewahrt und die Schülerbeförderung durch den Salzlandkreis ist geklärt.

Nachteile:
- Es besteht kein Wahlrecht der Eltern zum Schulbesuch ihrer Kinder.
- Ausnahmegenehmigungen zum Besuch des Kindes an einer anderen Schule sind schwer planbar.

Zitat zum Abschluss dieses Themas von Ortsbürgermeister Rüdiger Kunze: "Die Nachteile einer Öffnung der Schulbezirke sind eindeutig mehr."