Schönebeck l "Ich blicke positiv in die Zukunft", sagt Rainer Gelhaus. Das ist nachvollziehbar, schließlich ist der Schönebecker eine große Sorge los. Fünfmal ist sein Hotel Domicil in der Friedrichstraße bei Versteigungsterminen angeboten worden. Jetzt endlich steht fest: Das Haus bleibt im Besitz seiner Familie. "Meine Schwester und mein Schwager haben beim letzten Versteigerungstermin im Amtsgereicht ein Gebot angegeben", berichtet Gelhaus.

Hotel für 575.000 Euro verkauft

Es war das einzige. Inzwischen hat der Gläubiger dem Vorschlag zugestimmt, so dass die ein- bis viergeschossigen Hotel- und Geschäftsgebäude für 575000 Euro über den Tisch gingen. Angegeben waren das Haus mit einem Verkehrswert von 868000 Euro und das als Parkplatz genutzte Grundstück für 19800 Euro. Finanziert wird die Kaufsumme durch einen Kredit und "die restlichen Eigenmittel kratzen wir aus allen Ecken meiner Familie zusammen", sagt der Schönebecker. "Nun werde ich künftig als Mieter auftreten", erklärt Gelhaus. Vermieter sei letztlich seine Familie. Das heißt also, dass die Geschichte des Hotels Domicil weitergeht.

"Ich werde am Konzept nichts ändern", sagt der 41-Jährige, der das Haus 1999 in der Friedrichstraße bauen ließ. "Ich habe mir die ganzen Jahre schon Gedanken gemacht, was man ändern könnte, damit es besser läuft", sagt er. Das Problem ist nur: "In Schönebeck wird man als Hotelbetreiber wohl kaum eine höhere Auslastung als 40 Prozent erreichen", sagt Rainer Gelhaus. Das begründet er mit der eher strukturschwachen Region.

Jedoch kann er mit dieser Auslastung leben - jetzt unter den neuen Bedingungen. Denn die Kredite und damit verbunden die hohe Zinslast hat ihm noch vor Jahren das Genick gebrochen. "1999 war der Kreditmarkt ganz anders als heute", blickt der Schönebecker zurück. Soll heißen, heute stünde es um die Geldleihkonditionen besser. Hinzu komme, so Gelhaus, dass seine finanzielle Belastung nun geringer sei. "Damals betrugen die Baukosten rund zwei Millionen Euro", sagt er. Jetzt ist das Volumen geringer. "Das kann ich mit dem normalen Tagesgeschäft decken", sagt der Geschäftsführer.

Zuversichtlich ist er, weil er mit dem Hotel in den vergangen zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben konnte. Das lag daran, dass ein Insolvenzverwalter eingesetzt war und allein dadurch die monatlichen Raten für Gelhaus geringer ausfielen.

Nun soll es ähnlich mit dem Gästehaus weitergehen. Und Gelhaus hat einiges vor, wenn auch in kleinen Schritten. "Einige Investitionen in und am Haus musste ich aufgrund der schwierigen Situation aufschieben", gibt er zu. Je nachdem wie sich das Geschäft entwickeln werde, wolle er diese nun angehen. Wobei er klarstellt, dass es keine grundsätzlichen Umbauten in dem 62 Hotelzimmer zählenden Haus geben werde. Denn das würde den finanziellen Spielraum wiederum sprengen.

"Der Umbau zu einem Altersheim, wie es ein interessierter Bieter vorgesehen hatte, würde einen sechsstelligen Betrag kosten", sagt der 41-Jährige. Er will das Hotel weiter so betreiben wie bisher. Auch an seinen neun Mitarbeitern und den drei Auszubildenden will er festhalten.

"Aus diesen Beruf ziehe ich den Großteil meiner Lebensenergie."

An dieser Stelle betont Gelhaus zudem, dass er zwar den Kreditgebern von einst Geld schuldig geblieben war. Jedoch hätten Mitarbeiter und Lieferanten immer ihre Zuweisungen erhalten.

Der Schönebecker ist zufrieden. Gerade weil die Hängepartie um das Hotel vorbei ist. Aber auch, dass sein Wirken in der Branche sozusagen gesichert ist, freut ihn. "Schließlich ist es die Branche, in der ich gern bin", sagt Gelhaus, der gelernter Hotelier ist. Er übernimmt vorrangig die Spätschichten im Haus, "das passt zu meiner inneren Uhr". Letztlich bedeute ihm das Hotelgewerbe so viel, so dass er aus seinem beruflichen Tun seine "Lebensqualität zum großen Teil ziehe".