Calbe l Geplant war eine rund 500 Millionen Euro teure Anlage, die mit einem hohen Wirkunsgrad von 57 Prozent aus dem Verbrennen von Erdgas elektrischen Stom und Wärme produzieren sollte. Nach langer Verzögerung eines möglichen Baustarts hat der Energieversorgungskonzern GDF Suez den Bau eines großen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerkes nun endgültig zu den Akten gelegt. Darüber hat Bürgermeister Sven Hause den Hauptausschuss am Donnerstagabend informiert.

Ein Rückblick: GDF Suez hatte seit 2008 in Calbe einen Standort in Nähe der Calbenser Kläranlage und an der Tornitzer Gemarkungsgrenze im Auge. Bei der Standortwahl setzte sich die Saalestadt vor drei Jahren schließlich gegen eine bayrische Kommune und Staßfurt durch. Bescheide der Genehmigungsbehörden zum Bau fielen positiv aus.

Doch dann drückte der weltweit agierende Energiegigant plötzlich auf die Bremse, schob den anvisierten Baustart zeitlich immer weiter nach hinten. Ende 2013 hielt sich der Energieversorger noch die theoretische Möglichkeit eines Baustarts offen, ließ allerdings schon deutliche Bedenken durchblicken. Der Grund: Der von der Bundesregierung forcierte Ausbau erneuerbarer Energien.

"Seit unseren ersten Planungen haben sich die Rahmenbedingungen für den Betrieb von Gaskraftwerken erheblich verändert", sagt Unternehmenssprecherin Alexa Schröder gegenüber der Volksstimme und weist auf die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung hin, die die Entwicklung erneuerbarer Energien auf Kosten konventioneller Kraftwerke favorisiere. Zudem habe Gas europaweit seine Vorteile mit der Verbilligung der Kohle bei der Stromerzeugung verloren. "Es ist nicht mehr absehbar, dass Gaskraftwerke in Zukunft rentabel betrieben werden können. Daher werden wir das Projekt nicht weiter verfolgen", stellt Schröder klar. "Unser Unternehmen wird sich nun vorrangig auf den Ausbau von Onshore-Windanlagen konzentrieren."

Bürgermeister Sven Hause bedauert die Entscheidung, kann aber die Beweggründe des Unternehmens aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehen. "Niemand investiert in dieser Größenordnung in eine unrentable Anlage", meint das Stadtoberhaupt.

"Sehr bedauerlich", meint auch Ehrenratsvorsitzender Georg Hamm, von Anfang an ein Befürworter des Kraftwerkprojektes. "Unsere Unternehmen hätten vor allem während der mehrjährigen Bauzeit und nach der Inbetriebnahme profitiert, die Stadt vom Verweilen zahlreicher Arbeitskräfte." Viele Tornitzer atmen hingegen auf. Durch das Kraftwerk quasi vor der Haustür fürchteten sie Lärm- und Luftbelastungen und teilten damit die Sorgen von Naturschützern.