Seit gestern Vormittag darf die Landesstraße 63 zwischen Sachsendorf und Lödderitz wieder befahren werden. Verkehrsminister Thomas Webel, Landrat Markus Bauer und Barbys Bürgermeister Jens Strube durchschnitten das symbolische Band zur Freigabe der neuen Taube-Brücke.

Lödderitz-Rajoch l "Das reicht noch für einen Radweg", grinste Guido Soika, Chef der Straßenmeisterei Atzendorf. In den Händen hielt er ein drei Meter langes Stück jenes gelb-schwarzen Bandes, das zuvor zerschnitten worden war. Vermutlich hat Soika das knappe Budget für die Sanierung seiner Landesstraßen derart verinnerlicht, dass auch Einweihungsbänder recycelt werden ...

Doch Spaß beiseite. Denn wenig spaßig war es seit Sommer 2013 für alle Verkehrsteilnehmer, die einen Umweg über Groß Rosenburg nehmen mussten. Und freilich auch für die Anwohner des Ortes.

Hochwasserfolge

Nach einer Bauzeit von rund einem halben Jahr wurde der Ersatzneubau über die Taube im Zuge der Landesstraße 63 bei Rajoch für den Verkehr freigegeben. "Damit sind an einer weiteren Stelle unseres Landes die Folgen des Juni-Hochwassers vom vergangenen Jahr beseitigt", sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel. Das alte Bauwerk an dieser wichtigen Straßenverbindung im Bereich der Kreisgrenze zu Anhalt-Bitterfeld sei durch den Deichbruch an der Saalemündung bei Breitenhagen sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Kosten rund 360000 Euro

Nach Webels Worten waren die Schäden so schwerwiegend, dass die Brücke sofort für den Verkehr gesperrt werden musste und ein Ersatzneubau unumgänglich war.

Mehr als 360000 Euro hat die neue Taube-Brücke gekostet. Das Geld wurde zu hundert Prozent aus dem Hilfefonds für den Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt.

Das neue Bauwerk ist eine Einfeldbrücke aus Stahlbeton mit einer Stützweite von exakt 11,22 Metern. Die Fahrbahnen sind jeweils vier Meter breit. Die lichte Weite von genau zehn Metern gewährleistet künftig einen ausreichenden Hochwasserabfluss und trägt auch ökologischen Belangen besser Rechnung als das Vorgängerbauwerk aus dem Jahr 1910. Es war Mitte der 1990er Jahre saniert worden, wobei die lichte Weite von drei Metern allerdings nicht verändert wurde. Die Brücke erwies sich nach dem Deichbruch als Hindernis für die Wassermassen. Sie hatten die Widerlager derart unterspült, dass eine Reparatur nicht wirtschaftlich gewesen wäre.

Wie Uwe Langkammer, Chef der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, sagte, war die Brückenfertigstellung erst für Februar vorgesehen gewesen. Zuvor gab es sogar Meldungen, die vom Jahr 2016 sprachen.

Dass der Ersatzbau überhaupt "so schnell" fertig wurde, liege laut Langkammer nicht zuletzt an der guten Zuarbeit des Landesbetriebes für Hochwasserschutz. Dessen Strömungsberechnungen seien unerlässlich bei der Projekterarbeitung gewesen.

Spaß am Rande

Lödderitz` Ortsbürgermeister Michael Kromer sieht die Freigabe der Landesstraße mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Landesstraße 149 (von Breitenhagen kommend mündet sie südliche von Lödderitz in die L63) führt durch die Ortslage Lödderitz. In der Umleitungszeit war gestattet worden, dass die Fahrzeuge über die Deichbaustraße am nordwestlichen Ortsrand eher auf die L 63 dürfen. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. So rumpelt der Verkehr nun wieder durch Lödderitz, dessen Naturstein-Ortsdurchfahrt vom Hochwasser geschädigt wurde. Ein grundhafter Ausbau dieser Straße sei nicht in Sicht, hieß es beim Land.

Verkehrsminister Webel sorgte in seiner offenen Art für Schmunzeln, als er gestand, dass auch seine Ehefrau froh über die neue Taube-Brücke sei: "Die fährt hier lang, wenn sie alle sechs Wochen nach Aken will." Woraufhin Michael Kromer aus dem Hintergrund witzelte: "Jetzt weiß ich, warum die Brücke so schnell fertig geworden ist!"

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