Die Einzelhändler am Markt beklagen deutliche Einbußen, seitdem die Nicolaistraße in Richtung Marktplatz gesperrt ist. Raus kommen Autofahrer, aber nicht rein. Die Händler wollen es viel lieber umgekehrt.

Schönebeck l Große Runde im Großen Sitzungssaal. Die Stadtverwaltung hatte gestern kurzfristig die am Markt ansässigen Einzelhändler zu einer Unterredung eingeladen. Thema der Diskussion waren die Auswirkungen der verkehrlichen Einschränkungen am Schönebecker Markt (Volksstimme berichtete). Hier lässt die Städtische Wohnungsbau (SWB) GmbH ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Das Problem aus Sicht der Gewerbetreibenden: Die Nicolaistraße ist in Richtung Markt gesperrt, Kraftverkehr kann die Stelle nur in Richtung Scholl-Straße passieren. So besuchen weniger Kunden diesen Innenstadtbereich als sonst üblich. Die Händler sprechen von deutlichen Umsatzeinbußen, einige geben an, ihr Geschäft aufgeben zu müssen, wenn sich die Situation nicht verbessert.

Oberbürgermeister Bert Knoblauch betont zu Beginn des Gespräches, dass die Verkehrsregelung "kein Schnellschuss" war, sondern eine durchdachte Abwägung bezüglich der geplanten Baumaßnahmen in der Scholl-Straße. Diese Arbeiten sollten im Oktober beginnen, mussten aber aufgrund des Widerspruchs einer Firma nach der Vergabe zurückgestellt werden. Jetzt wird erst im Frühjahr begonnen - und auch der Marktplatz wird dann neu gestaltet.

Silvia Franke, Sachgebietsleiterin Straßenwesen, legt ausführlich dar, weshalb die Einbahnstraßenregelung so getroffen wurde, wie sie jetzt besteht. Die verkehrsrechtliche Anordnung biete die größtmögliche Sicherheit an der Baustelle. Eine umgekehrte Regelung (Verkehr rein, statt raus) würde in Stoßzeiten zu Rückstaus in der Scholl-, der Tischler- und der Elbenauer Straße führen.

Das Argument, die Regelung so lange zu verändern, bis die Bauarbeiten in der Geschwister-Scholl-Straße beginnen, findet bei den Verwaltungsmitarbeitern keine Gegenliebe. "Wir können solche Regelungen nicht ständig ummodeln", sagt Silvia Franke. Sie hebt hervor, dass ihr Fachamt entsprechend der geltenden Vorschriften gehandelt habe. Die Regelung sei mit der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises und der Polizei abgestimmt.

Konditor Wolfgang Jacob möchte die wenig flexible Handhabung nicht akzeptieren. "Wenn denn in der Scholl-Straße und am Markt gebaut wird, müssen wir uns damit abfinden. Aber bis dahin muss doch eine Zwischenlösung möglich sein."

Der Unternehmer Peter Volz stellt grundsätzlich klar: "Es ist positiv, dass sich für die Stadt etwas bewegt. Dafür können wir der SWB dankbar sein." Jedoch würden sich seine Kollegen und er nicht aus Langeweile an den OB wenden. "Wir haben wirkliche Nöte. Das Empfinden, dass wir hier alle in einem Boot sitzen, besteht noch immer nicht. Es gibt auch zwischen den Vorschriften Möglichkeiten, die wir nutzen können", will er auf eine erweiterte, kreative Handlungsebene aufmerksam machen, Aktionen der Händler etwa, im Verbund mit der Stadt.

Im Namen des Schönebecker Wirtschaftsrates sagt der Chef der Firma Ambulanz Mobile, Hans-Jürgen Schwarz: "Es gibt immer einen Spielraum. Wir brauchen Lösungen an dieser Stelle." Unterm Strich gehe es um "Schadensbegrenzung". Gegenseitig Vorwürfe zu diskutieren, bringe nichts.

Alle denkbaren Varianten werden noch einmal zusammengefasst:

- kurzfristige Umkehrung: wird ausgeschlossen

- Baustellenampel: hätte verkehrstechnisch noch schlimmere Auswirkungen

- Bevorberechtigung (rot - weiß Pfeile Gegenverkehr hat Vorfahrt): Sichtverhältnisse ungenügend

Aus der Runde der Gewerbetreibenden kommt der Vorschlag, die Brückenrampe in Höhe der Grabenstraße wieder zu öffnen, sodass der Verkehr aus Grünewalde kommend in Richtung Markt fahren kann.

Die Verwaltung sagt zu, die Idee zu prüfen. Zudem soll die Ausschilderung aus Richtung Gommern verbessert werden.