Leer ausgegangen sind wieder einmal die Reiter des Schönebecker Sportclubs. Wiederholt haben sie einen Antrag bei der Stadt gestellt für die Nutzung der Bruno-Bürgel-Sporthalle in Salzelmen für das Training im Winter. Das Ansinnen wurde abgelehnt.

Schönebeck l Enttäuschung spricht aus den Worten von Andrea Arlt. Sie ist die Abteilungsleiterin Reiten beim Schönebecker Sportclub (SSC). Seit Jahren schon bemühen sich die Ehrenamtlichen um eine Kaltreithalle für die Wintermonate. Immer wieder haben sie einen Antrag bei der Stadt gestellt, dass sie die Bruno-Bürgel-Halle in Bad Salzelmen nutzen wollen. Doch jetzt landete wieder eine Absage im Briefkasten der Sportler.

"Ich will nicht meckern", sagt Andrea Arlt. Denn sie ist schon überaus zufrieden mit dem neuen Reitplatz in der Boeltzigstraße, den die SSC-Reiter im Frühjahr beziehen konnten. "Aber in den Wintermonaten ist der Platz leider nur bedingt nutzbar", erklärt sie, dass der Boden entweder gefroren ist oder "so durchnässt, dass die Kinder sogar mit den Stiefeln im Schlamm stecken bleiben". Als Alternative, da die Pferde nichtsdestotrotz täglich ausgeführt werden müssen, reiten die Sportler in der dunklen Jahreszeit auf den Straßen von Bad Salzelmen. Das wiederum sorgt für Unmut bei den Anwohnern, da folglich Pferdeäppel die Straßen säumen. "Wir können aber nicht hinter den Pferden herlaufen und die Überreste einsammeln oder nach dem Training noch einmal alle Straßen absuchen", sagt die Reittrainerin.

Deshalb wünscht sich die Abteilungsleiterin schon seit Jahren eine Reithalle. Dafür bietet sich jedoch in Schönebeck nur die Bruno-Bürgel-Halle an. "Alles andere wäre zu weit weg", sagt Andrea Arlt. Denn die Trainingspferde mit einem Anhänger verladen oder mit ihnen zur Halle reiten, ist sehr zeitaufwendig. "Deshalb müsste die Halle schon fußläufig für uns erreichbar sein", erklärt die Abteilungsleiterin die Krux.

In ihrer Abteilung trainieren 35 Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren. Hinzu kommen die "Großen". Täglich sind die Sportler bei ihren Pferden. "Manchmal findet das Training mit den Kleinen nur im Stall statt", sagt sie. Dann würden die Pferde gepflegt und kleinere Standübungen gemacht.

"Ich hatte so sehr gehofft, dass wir die Halle nutzen dürfen", sagt Andrea Arlt, die sich schon viele Ideen ausgemalt hat, wie die Halle beispielsweise gestaltet werden könnte. "Dabei hab ich unter anderem an Schulprojekte gedacht", sagt sie und nennt mögliche Anpflanzungen als weitere Möglichkeiten, um die Bruno-Bürgel-Halle, die derzeit recht runtergekommen aussieht, ansehnlicher zu machen.

"Die Nutzung der Halle wäre für uns das i-Tüpfelchen gewesen", sagt sie. Ein andere Idee wäre noch ein Anbau auf dem Reitplatz in der Boeltzigstraße. Das wäre zwar eine Alternative, aber "das ist zu teuer für uns", sagt sie. "So viele finanzielle Mittel haben wir nicht und allein aus Spenden können wir solch ein Bauprojekt ebenso nicht stemmen", macht sie deutlich, dass die Situation für die Sportler tatsächlich verzwickt ist.

Also haben die SSC-Reiter vorerst ausgeträumt? Geht es nach der Stadtverwaltung, dann ja. "Aus städtebaulicher Sicht werden andere Möglichkeiten geprüft", sagt der zuständige Dezernent Joachim Schulke im Kultur-, Schul- und Sportausschuss, wo das Thema kürzlich auf der Tagesordnung stand. Das stößt auf Unverständnis bei den Ausschussmitgliedern. "Die Vereine dürfen nicht beschnitten werden", macht Ina Bühring (Linke) ihren Standpunkt deutlich.

Daraufhin erklärt Schulke, dass sich die Situation der Reiter inzwischen verbessert habe und zwar durch das Zutun der Stadt. Damit meint er die Herrichtung des Reitplatzes in der Boeltzigstraße. Doch an dieser Stelle hört die Unterstützung der Stadt offensichtlich auf. Denn für die Bruno-Bürgel-Halle sieht die Stadt eine andere Zukunft. "Es gibt ein denkmalpflegerisches Zielkonzept für den gesamten Kurpark. Und dieses besagt, dass die Halle abgerissen werden muss", sagt Schulke im Ausschuss. Die freiwerdende Fläche solle dann als Grünfläche für den Kurpark dienen. Es gebe sogar einen Stadtratsbeschluss über den geplanten Abriss. Jedoch sei der bis heute noch nicht umgesetzt worden, weil der Stadt das Geld für den Abriss fehlt. Zwischenzeitlich wurde die Halle vom Solepark bis Ende 2013 als Lager genutzt. Jetzt steht sie leer.

Das bestätigt auf Nachfrage Soleparkleiterin Sibylle Schulz. Das Konzept, das ihrer Aussage nach aus dem Jahr 1996 stammt und zuletzt 2007 fortgeschrieben wurde, lege jegliche gestalterische Maßnahmen für den Kurpark fest. Das Areal, worauf sich die Bruno-Bürgel-Halle befindet, ist demnach für den Kurpark vorgesehen. Die Halle befindet sich in städtischer Hand. "Eigentlich hätte diese Halle auf dieser Fläche nie gebaut werden dürfen, wenn man nach dem denkmalpflegerischen Zielkonzept geht", betont Sibylle Schulz. Und sie fügt hinzu: "Bei der Planung für die Halle und dem Areal muss auch die Denkmalpflege einbezogen werden."

Und wenn die Reiter die Halle eben als eine Art Zwischenlösung zur Verfügung gestellt bekommen? Auch das wird im Sportausschuss thematisiert und von Joachim Schulke negiert. Schließlich müsse man die Sportler dann irgendwann, wenn ein Abriss oder eine andere Nutzung doch in die Tat umgesetzt wird, sozusagen vor die Tür setzen.

Die Mitglieder des Kultur-, Schul- und Sportausschusses wollen sich in der nächsten Sitzung erneut mit dem Thema befassen.