Freitagabend wurden die Parkplätze knapp in Barbys Innenstadt. Die christliche Sekundarschule hatte zum Lichterfest in die St. Marienkirche eingeladen, wo der vergessene Brauch des "Luzienfestes" auflebte.

Barby l Das war schon ein großartiges Bild, wie man es in der ehrwürdigen St. Marienkirche lange nicht mehr gesehen hatte. Das gotische Gotteshaus war nur von einem Herrenhuterstern und zahllosen Kerzen erhellt. Überall zwischen dem Gestühl und darauf, vor der Weihnachtsbühne und auf dem Taufstein, leuchteten Kerzen. Sie steckten der Sicherheit wegen in Sandbehältern, mit Wasser gefüllte Gieskannen standen dezent verborgen in den Ecken.

Grund für diese feierliche Beleuchtung war das Lichterfest, zu dem die christliche Sekundarschule Großmühlingen/Barby in die Marienkirche einlud. Im Mittelpunkt der Aufführung stand die Geschichte um die frühchristlich geweihte Jungfrau und Märtyrerin St. Lucia.

Adventszeit werde dem Kommerz geopfert

In Anlehnung an das Schwedische Lucia-Fest, das Licht in die dunklen Tage des Winters bringen soll, trugen die Kinder weiße Gewänder und Kerzen in den Händen. Ein Mädchen, das die Lucia verkörperte, hatte (Elektro-)Kerzen auf dem Kopf, die in einen Kranz gesteckt waren.

Die Lucia-Verehrung geht zurück auf eine junge Frau aus Syrakus auf Sizilien, die wegen ihres christlichen Glaubens hingerichtet wurde und an einem 13. Dezember als Märtyrerin starb. Später heilig gesprochen, wurde sie noch Jahrhunderte danach in mehreren Ländern verehrt. Mit der Einführung des gregorianischen Kalenders und der damit verbundenen Verschiebung des Mittwinter- und Neujahrtermins gerieten das "Luzienfest" und sein Brauchtum in Deutschland weitgehend in Vergessenheit. Um so erfreulicher, dass die Sekundarschüler diesen alten Brauch wieder aufleben ließen.

Der Schein der Kerzen sollte auch die Macht der Finsternis brechen und das Sonnenlicht wieder zurückholen. Schließlich ist es nicht mehr lange hin, bis zur Wintersonnenwende am 22. Dezember.

Die Schüler sorgten nicht nur für stimmungsvollen Lichterschein, sondern auch für ein schönes Rahmenprogramm, bei dem der Schulchor eine wichtige Rolle spielte.

Wie Sekundar-Schulleiterin Ruth Pakendorf sagte, waren fast alle der knapp einhundert Fünf- bis Neuntklässler (so sie nicht infolge Krankheit fehlten) in das Programm eingebunden. Das reichte von der Hauptrolle im Adventsstück "St. Lucia" bis hin zu technischen Leistungen.

Zu Beginn beklagte Pfarrer Björn Teichert, dass in heutiger Zeit die Bedeutung des Advents immer mehr dem Kommerz der "Weihnachtszeit" geopfert werde. Advent ist die Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf die Ankunft von Christus. Die Christen bereiten sich auf das Geburtsfest Jesu vor und denken an die Wiederkunft Christi am Ende der Welt. Die Kirche bezeichnet den Advent daher als eine Zeit der Erwartung.

Das Lichterfest der Sekundarschule fand vor Jahren Heiligabend statt. Weil sich dieser Termin als ungünstig erwies, wurde dieses Schulfest vorverlegt und soll abwechselnd in Barby und Großmühlingen stattfinden. Weil die Mühlinger St. Petruskirche aber zu klein gewesen wäre, wich man in diesem Jahr in die Barbyer Marienkirche aus.

 

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