In der Barbyer Schloßstraße dürften Sonntagabend die Parkplätze knapp werden. Im Rautenkranz spielt die US-Band Molly Hatchet. Das Vorprogramm bestreiten die Deutschrocker von Van Wolfen.

Barby l "Es ist wirklich ein absoluter Konzerthöhepunkt, wenn am 21. Dezember ab 19 Uhr `Molly Hatchet` spielen werden", sagt Frank Bläsing vom Barbyer Rautenkranz voraus. Wobei der Veranstalter schon für viele "besondere Höhepunkte" in den vergangenen Jahren sorgte. Der "Kranz" hat sich im Land einen Namen gemacht. Die meisten Fans reisen auch von weither an, wie beispielsweise ein Norweger zum jüngsten Konzert der Jazz-Rockband "Colosseum".

Nur elf Konzerte in ganz Europa

Seitdem liest sich Bläsings Gästebuch wie ein Who´s Who der Pop-Geschichte und das in Klein-Barby: Nach solchen Größen wie Canned Heat, Melanie ("Ruby Tuesday"), Slade, Nazareth, Manfred Man´s Earthband, Ten Years After, Roger Chapman, M3 White Snake oder Wishbone Ash kommen nun die US-Südstaaten-Rocker von Molly Hatchet. "Sie werden in Europa nur ganze elf Konzerte geben und wir veranstalten davon eines", freut sich Bläsing, der sich heute nicht mehr großartig um Bandauftritte kümmern muss. Der "Kulttempel Kranz" hat sich in der Szene herum gesprochen, auch in der internationalen.

Molly Hatchet wird dem Durchschnitts-Rockkonsumenten vielleicht nicht allzuviel sagen. Wer sich aber Aufnahmen anhört oder Videos der Band anschaut, wird um die Bausubstanz des alteherwürdigen Gasthauses fürchten, das schon stand, als kein Geringerer wie Geheimrat von Goethe das benachbarte Schloss besuchte.

Besonders der Achtminuten-Titel "The Journey" der dickbäuchigen Cowboys aus dem Album "Devil`s Canyon" mit seinen grandiosen Tempi-Wechseln entwickelt solchen Druck, das die Wände wackeln und die Glöckchen der Weihnachtsdeko von selbst bimmeln werden.

Gerne mal beim Auftritt auf dem Stuhl sitzend ...

Wegen ihrer Bekanntheit und dem Ruf hart zu arbeiten, rau zu spielen und dem exzessiven Leben auf Tour wurde die Band in den 80er Jahren schnell mit Größen wie Aerosmith oder den Rolling Stones verglichen. Die Band spielte damals im Durchschnitt 250 Live-Konzerte pro Jahr.

Nachdem sie 25 Jahre Musik hinter sich gelassen haben, setzt Molly Hatchet diese Tradition fort, als eine Band und eine Einheit, die ihrem Stil treu bleibt. Laut Veranstalter ist es eine Band, die immer noch "hart arbeitet, hart spielt, exzessiv lebt". Was aber auch seine Spuren hinterlässt. Dave Hlubek (63), zweiter Leadgitarrist der Band, verbringt gerne mal seinen Konzert-Auftritt auf einem Stuhl sitzend.

Sex, Drugs und Rock `n` Roll lassen grüßen ...

Wenn das Konzert am Sonntag um 19 Uhr beginnt, wird die Deutschrock-Band Van Wolfen den Support übernehmen. Über sie steht geschrieben: Sänger Micky Wolf hat im Laufe der Zeit reichlich Hornhaut auf seiner Gitarristen-Musikerseele angesammelt, was nicht zu überhören ist - verrauchte Stimme, fette Gitarren, erdige Texte...

Man darf also gespannt sein.

Und noch was: Wenn am Sonntag ein riesiges Bus-Ungetüm in der Schloßstraße steht, ist das ein sogenannter Nightliner. Die exzessiven Herren von Molly Hatchet bevorzugen komfortables Reisen: Fernseher, Internetzugang, Bordküche, Betten, Dusche und WC möchten zwischen den Auftritten in aller Welt schon sein ...

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