In sozialen Netzwerken liest man immer häufiger Warnungen vor mit Gift, Nadeln oder Rasierklingen versetzten Hundeködern. Die Empörung schlägt große Wellen. Jetzt wurde auch in Schönebeck ein Hund Opfer eines Giftköders.

Schönebeck l Es ist noch keine zwei Wochen her, dass Dackel Elvis eingeschläfert werden musste, nachdem er mit Rasierklingen präparierte Fleischköder gefressen hatte. Der Fall aus Magdeburg sorgte für großes Aufsehen. Die Tierschutzorganisation PETA Deutschland e. V. rief für die Ergreifung der Täter sogar eine Belohnung von 500 Euro aus. Wie sich jetzt herausstellt, war Elvis kein Einzelfall. Fast täglich gibt es neue Meldungen im Internet. Nun hat es auch in Schönebeck den ersten Hund erwischt.

"Wir haben eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegen", bestätigt der Leiter des Revierkommissariats Schönebeck, Steve Szegedi. Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch, den 3. Dezember in der Warschauer Straße. Ein 41-Jähriger war morgens mit seinem Dackelmischling Gassi gegangen. Plötzlich erbrach der Hund Blut. Wie sich herausstellte, hatte das Tier einen Köder mit Rattengift gefressen. Zwar konnte der Hund dank der Geistesgegenwart seines Herrchens gerettet werden. Dennoch sind viele Tierfreunde alarmiert.

Die Köder stellen auch eine Gefährdung für Kinder dar

Stadtfeld, Prager Straße oder der AWG See Plötzky - die sozialen Netzwerke sind voll von Warnungen vor gefährlichen Hundeködern, das bestätigt auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins Salzlandkreis, Christine Strempel: "In den letzten zwei bis drei Wochen haben die Vorfälle extrem zugenommen", berichtet die Schönebeckerin, die selbst drei Hunde besitzt. "Auch in Haldensleben, Wolmirstedt, Gommern und Pretzien ist immer wieder von Köderfun- den zu hören. Man könnte meinen, da hätte sich eine Gruppe von Tierhassern zusammengetan."

Strempel empfiehlt besonders dort, wo viele Menschen mit ihren Hunden spazieren gehen, wie der Salineinsel oder den Elbwiesen, wachsam zu sein. Da die Köder oft in Wiesen versteckt sind, stellen sie genauso für andere Tiere eine Gefährdung dar und nicht zuletzt auch für kleine Kinder.

"Viele Halter überlegen mittlerweile, ob sie ihren Hunden Maulkörbe aufsetzen sollen", erzählt Strempels Tochter Jessica. "Man kann die Hunde ja schließlich nicht vom Schnüffeln abhalten. Die Besitzer müssen einfach noch aufmerksamer sein. Dennoch besteht immer ein Restrisiko: Bin ich schnell genug? Am Ende kann jede Sekunde ausschlaggebend sein. Daher sollte man bei seinem Haustier auf die kleinsten Verhaltensauffälligkeiten achten."

Darüber hinaus versucht der Tierschutzverein präventiv Hundehalter via Facebook und die eigene Webseite zu warnen. "Wenn wir einen Hinweis bekommen, stellen wir ihn sofort online", erzählt Christine Strempel. "Es gibt bei Facebook bereits eine Gruppe, `Aktion - sichere Hundewiese`, wo sämtliche Gegenden in Schönebeck, an denen Köder gefunden wurden, markiert sind." Das Problem: Ältere Menschen, die nicht im Internet unterwegs sind, bekommen diese Warnungen nicht mit.

Die Polizei nimmt die Hinweise sehr ernst.

Viel mehr tun kann Strempel allerdings auch nicht. "Warnen ist schön und gut, am besten sollten die Betroffenen aber gleich selbst Anzeige erstatten. Diese Typen wird man eh nie auf frischer Tat ertappen."

Ähnlich sieht es der Sprecher des Polizeireviers Salzlandkreis in Bernburg, Marco Kopitz: "Wir nehmen die Hinweise sehr ernst, speziell aus dem Raum Schönebeck gibt es in letzter Zeit gehäuft Meldungen." Angefangen habe es vor ein paar Wochen mit einer Anfrage der Medien wegen eines Warnschilds in einem Jagdgebiet im Gebiet Plötzky/Gommern.

Mittlerweile wurden sogar die beiden regionalen Bereichsbeamtinnen (RBB) auf den Fall angesetzt, um den Hinweisen nachzugehen. "Nachdem wir bei Hundehaltern in Schönebeck nachgehakt und die einschlägigen Orte abgesucht haben, müssen wir jedoch konstatieren, dass sich die Meldungen bislang nicht bestätigt haben. Wir haben nichts Konkretes gefunden."

Dennoch werde man an dem Fall dranbleiben und die genannten Ecken weiter stichprobenartig unter die Lupe nehmen. Kopitz ruft daher dazu auf, umgehend die Polizei zu informieren, sobald man etwas Verdächtiges entdecke oder die mutmaßlichen Köder am besten gleich selbst einzutüten und im nächsten Revier vorbeizubringen.

Es reiche nicht aus, Warnungen in soziale Netzwerke zu stellen. "Wir haben leider nicht die Zeit, das Internet nach Hinweisen zu durchsuchen. Daher sollten die Leute lieber direkt zu uns kommen und den Fall zur Anzeige bringen, damit es zur Strafverfolgung kommen kann. Man sollte so etwas nicht als Kleinigkeit abtun. Die Bürger können die RBBs jederzeit ansprechen. Wir sind dankbar für jeden Hinweis." Nur so würden letztlich die Chancen steigen, die Täter zu ermitteln.