Eine besondere Partnerschaft baut das Schönebecker Gymnasium zu einer Schule in Frankreich auf: Im Mittelpunkt sollen nicht nur Schüleraustausche stehen, sondern die Arbeit an gemeinsamen Projekten. Die Geschichtsleute suchen nun die Unterstützung der Bürger.

Schönebeck l Es ist ein kleiner Schatz. Archivmitarbeiter und Historiker würden beide Hände über den Kopf zusammenschlagen, ob des Glücksfalls. Der Schülerin einer französische Schule fielen vor Jahren die Aufzeichnungen ihres Großvaters in die Hände: Tagebücher, Fotos, Ausweise und vieles andere mehr. Der Mann war Soldat und kämpfte in mehreren Kriegen in Europa und Nordafrika.

Die französischen Jugendlichen machten den Fund öffentlich. Sie schrieben Teile der sehr emotionalen Erlebnisse des Mannes in verständlicher Form ab und waren begeistert. Der Opa der Schülerin kämpfte im Ersten Weltkrieg zwischen Paris und den Vogesen, auch im Zweiten Weltkrieg war der Mann im Einsatz.

Im Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium dachten zu dieser Zeit Schüler und Lehrer schon lange über eine Partnerschaft zu einer Schule in Frankreich nach. Doch das gestaltete sich schwierig: "Viele westdeutsche Schulen haben bereits Kontakte. Deshalb ist es schwer gewesen, überhaupt eine `freie Schule` zu finden", berichtet Schulleiter Ulrich Plaga.

Doch wie der Zufall es wollte, war Französischlehrerin Antje Wieduwilt Gast einer Veranstaltung der sachsen-anhaltischen Partnerregion Centre (liegt südlich von Paris). "Es gab eine Präsentation, und wir kamen mit den anwesenden Franzosen ins Gespräch", so Antje Wieduwilt. Sie und die Gäste einer Schule aus Frankreich verstanden sich schnell, der Kontakt war geknüpft.

Projekte im Mittelpunkt

Nach anfänglichen Besuchen und Kontakten per Mail und mit Päckchen haben sich beide Seiten nun entschlossen, die Partnerschaft auf breiter Ebene auszubauen. "Das wollen wir nicht nur mit profanen Schüleraustauschen machen", kündigt der Leiter des Gymnasiums an, das bereits Schulkontakte nach Schweden und Russland pflegt. Diesmal aber sollten einzelne Projekte in den Mittelpunkt gerückt und die Sprache am Ende Mittel zum Zweck werden. Und genau das ist das Neue an dem Projekt.

So haben sich bereits einige Lehrer mit Schülern aus Schönebeck nicht nur bereiterklärt mitzumachen, sondern auch Kontakte mit ihren Kollegen in der Partnerschule in Centre aufgenommen. Themen für Fächer und Unterrichtsbereiche in Literatur, Biologie und Chemie, Sport, Kunst, Geografie sowie Geschichte sollen übergreifend und eigenständig erarbeitet werden. "Wir suchen nach gemeinsamen Schnittmengen", macht Ulrich Plaga deutlich. So sollen Materialien entstehen, die in beiden Ländern gleichermaßen verwendet werden können, Ausstellungen und andere Dinge.

Nun die Brücke schlagen

Ganz konkret sucht die Geschichtsgruppe nun Hilfe bei den Schönebeckern, denn es soll die Brücke zu den gefundenen Tagebüchern des Großvaters aus Frankreich geschlagen werden. Die französischen Schüler sind mit der Aufarbeitung schon sehr weit und würden sich nun über eine Zuarbeit aus deutscher Sicht sehr freuen (Orte und Kontakte sind im Infokasten oben links genannt).

"Wenn wir diese wirklich sehr persönlichen Erinnerungen eines Teilnehmers beider Weltkriege mit Dokumenten von Menschen aus unserer Region ergänzen könnten, wäre das wirklich ein ganz besonderes Projekt", hofft Schulleiter Ulrich Plaga.