Ohne Deutschkenntnisse kommt man in Deutschland nicht wirklich weiter. Das ist ein Problem der Asylbewerber. Denn Sprachkurse sind für sie nicht wirklich vorgesehen. Darüber haben eine syrische und eine mazedonische Familie im Gespräch mit Justiz-Staatssekretär Thomas Wünsch gesprochen.

Schönebeck l Das Lächeln fällt Seryani Jasarov und seiner Frau Güleiliz Jasarova schwer. Die Sorgen um ihre Zukunft sind einfach zu groß. Das Ehepaar stammt aus Mazedonien. Seit einem halben Jahr leben die Eltern und ihre drei Kinder in Schönebecker. Sie gelten als Asylbewerber. Am Dienstag, 23. Dezember, haben sie einen wichtigen Termin. Einen Anhörungstermin. Dabei geht es darum, ob und wie lange die Familie noch in Deutschland bleiben darf. Denn: Mazedonien gilt nicht mehr als Kriegsland, und damit ist theoretisch für Mazedonier kein Grund gegeben, Asyl in Deutschland zu erhalten.

"Für die Familie ist das eine schwere Situation", sagt Juliane Liebig. Sie ist eigentlich für das Bundesprogramm Bildung und Teilhabe beim Verein Rückenwind zuständig. Doch durch den Kontakt zu den Schulen in der Region betrifft sie nun die Flüchtlingsproblematik.

Mazedonier möchte lernen und arbeiten

Denn für die Kinder von Asylbewerber besteht die Schulpflicht. "Doch ohne Deutschkenntnisse kommen die Kinder in den Schulen nicht weit", sagt Juliane Liebig. Deshalb wenden sich die Lehrer inzwischen an sie. "Doch ich kann auch nur begrenzt helfen", sagt sie. Denn Kinder von Asylbewerbern fallen durch das Raster bei dem Bildungsprogramm. "Deshalb versuche wir im wahrsten Sinne des Wortes Geld zusammenzukratzen für die Nachhilfe", berichtet sie. Das werde von den Kindern und Familien dankbar angenommen, berichtet sie weiter. "Hinter den Einzelnen steckt viel Leistungsbereitschaft", benennt sie gleichzeitig ihre Motivation, den Familien zu helfen. Durch dieses Engagement hat die Rückenwind-Mitarbeiterin Familie Jasarova aus Mazedonien kennengelernt. Eines der drei Kinder besucht die fünfte Klasse der Lerchenfeldschule, das zweite schulpflichtige Kind die 2. Klasse der Kollwitz-Grundschule. Nicht nur die Kleinen lernen hier. Auch die Eltern. "Eine Frau unterrichtet ehrenamtlich deutsch", berichtet sie. Einmal in der Woche gehen Güleiliz und Seryani zum Deutschunterricht. "Das ist zu wenig, ich möchte jeden Tag lernen"; sagt der Familienvater im gebrochenen deutsch. Er ist motiviert. Er will nicht nur herumsitzen und Däumchen drehen. Er möchte auch arbeiten gehen.

Doch das bleibt dem Mazedonier verweigert. Denn nach deutschem Recht dürfe ein Asylbewerber erst einer Arbeit nachgehen, wenn er sich mindesten 18 Monate hier aufhält. Bei Familie Jasarov sind es sechs Monate.

"Allein durch die Flucht aus ihrer Heimat hat die Familie 5000 Euro Schulden gemacht", berichtet Juliane Liebig. Diese Schulden wolle der Familienvater abbezahlen, dafür jedoch sei eine Arbeit notwendig. Eine schwierige Situation, bei der nicht nur Juliane Liebig und der betroffenen Familie die Hände gebunden sind.

Auch Thomas Wünsch, der um die Gesprächsrunde in den Räumen des Rückenwind-Vereins gebeten hat, muss erst einmal mit den Schultern zucken. Er ist der Justiz-Staatssekretär des Landes. Die Flüchtlingsproblematik beschäftigt ihn. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es gewisse Gegenbewegungen gibt. Er nennt Gruppierungen in dem sozialen Netzwerk Facebook als Beispiel.

Bei Rückenwind nun kommt er ins Gespräch mit zwei Asylbewerberfamilien. Neben den Mazedoniern sind auch Mohamad Alusch mit seiner Frau Zaloch Mustafa und ihre Kinder Hauzan und Hamrin bei diesem Termin. Sie stammen aus Syrien. Seit zwei Jahren schon leben sie in Schönebeck. Der deutschen Sprache sind sie nicht wirklich mächtig. Am Willen liege es nicht, macht Jana Dosdall deutlich. Sie ist die operative Geschäftsführerin des Vereins Rückenwind, bei dem die Schulsozialarbeiter zuhause sind. Eine solche Kollegin, die den 13-jährigen Hauzan von der Maxim-Gorki-Schule kennt, habe nur geschwärmt von dem Jungen. "Den geben wir nicht mehr her", zitiert Jana Dosdall ihre Kollegin.

Sohn sucht Ausbildung und Mama Unterricht

Damit bringt sie zum Ausdruck, dass sich der Junge versucht zu integrieren, lernbereit ist und bei seinen Mitschülern gut ankomme. Er spielt sogar Fußball beim Schönebecker Sportclub.

Von Abschottung kann hier nicht die Rede sein. Justiz-Staatssekretär Thomas Wünsch fragt derweil, was sich die Familie zu Weihnachten wünsche. Während sich die Mama den Besuch eines Deutschkurses erhofft, möchte der große Sohn, der 22-jährige Hamrin eine Ausbildung zum Mechaniker absolvieren. "In Syrien habe ich schon als Mechaniker gearbeitet", sagt er. Ein entsprechender Abschluss fehle ihm jedoch.

Das sind bescheidene Wünsche, die die am Gespräch Beteiligten beeindrucken. Auch wenn Thomas Wünsch diese Bedarfe nicht direkt erfüllen kann, so hat er doch etwas nicht Unpraktisches im Gepäck. "Bücher zum Deutschlernen, die mit vielen Bildern arbeiten und somit für Anfänger besonders praktisch sein sollen", erklärt er, was sich in den Geschenken versteckt.

Er ist sich mit der SPD-Landtagsabgeordneten Petra Grimm-Benne und Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) einig, dass es bei dem Thema Asylbewerber in Schönebeck, im Landkreis sowie im gesamten Land noch einiges zu tun gibt. Die drei sind vielleicht nicht die ersten Ansprechpartner, doch sehen sie sich in der Verantwortung.

So stellt sich in der Gesprächsrunde eindeutig dar, dass gerade die Deutschkurse von den Flüchtlingen gern angenommen werden, jedoch die Realisierung schwierig ist. "Wir brauchen mehr Ehrenamtliche, die hierbei helfen können", sagt Bert Knoblauch. Sollten sich Freiwillige finden, würde er gern den Kontakt weiter vermitteln.

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