Schönebeck nimmt eine Vorreiterrolle ein. Als eine der ersten Kommunen im Land wird es hier künftig einen ehrenamtlichen Inklusionsbeauftragten geben. Wer diese "Mammutaufgabe" übernehmen wird, steht indes noch in den Sternen.

Schönebeck l "Ich bin stolz, dass der Stadtrat und die Stadt gemeinsam den Inklusionsbeauftragten auf den Weg gebracht haben", sagt Frank Schiwek, Fraktionsvorsitzender der SPD. Denn damit folgen die anderen Fraktionen dem Anliegen der Sozialdemokraten, eine Anlaufstelle in der Elbestadt zu schaffen, die sich letztlich für alle Belange aller Menschen verantwortlich sieht.

Inklusion ist in aller Munde - meist beim Thema Schule und Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen. Doch das Wort Inklusion beinhaltet mehr. "Inklusion bedeutet nicht behindertengerecht", stellt Frank Schiwek im Stadtrat klar. "Es heißt Eingeschlossenheit von allen", sagt er. "Ja, der Begriff der Inklusion kommt aus der Behindertenbewegung", führt Schiwek weiter aus, der gleichzeitig ehrenamtlicher Geschäftsführer des Allgemeinen Behindertenverbandes in Sachsen-Anhalt ist. "Trotzdem ist es einseitig und falsch ihn mit `behindertengerecht` gleichzusetzen", sagt er.

Ehrenamt bietet Raum für Kreativität und Tatendrang

Seiner Meinung nach gilt: "Wenn Inklusion Eingeschlossenheit und Zugehörigkeit für alle heißt, dann sind Menschen, die mit Barrieren zu kämpfen haben neben den Menschen mit physischen, psychischen und kognitiven Handicaps aber auch andere Personengruppen gemeint."

Für ihn sind mit dem Begriff Inklusion Menschen gemeint, die von Hartz IV leben müssen; Aufstocker und Spitzenverdiener; arm und reich; Frauen, die es noch immer schwerer haben in Führungspositionen zu kommen; Mann und Frau; der Senior im Pflegeheim und das Kind in der Kindertagesstätte; alt und jung; Menschen, die ihre Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen mussten; Schwule und Lesben; Dicke und Dünne sowie Talente und Förderbedürftige.

Es gibt also viele Menschen, die letztlich von dem Begriff Inklusion betroffen sein können, oder besser gesagt davon partizipieren können. "Inklusion ist, wenn alle mitmachen dürfen, keiner mehr draußen bleibt, wenn Unterschiedlichkeit zum Ziel führt, wenn aus dem Nebeneinander ein Mit- einander wird, wenn Anderssein normal ist und wenn Ausnahmen zur Regel werden."

Diesem Anliegen der SPD können die Stadträte aller Fraktionen folgen. Deshalb haben sie in der Stadtratssitzung dafür votiert, dass in der neuen Hauptsatzung, die sich der Stadtrat geben soll, der Passus eingefügt wird, dass es künftig in der Stadt Schönebeck einen Inklusionsbeauftragten geben wird. Damit nehme Schönebeck eine Vorreiterrolle ein, sagt Frank Schiwek. Denn anderswo gebe es so etwas noch nicht.

Der weitere Werdegang sieht nun vor, dass die vom Stadtrat beschlossene Hauptsatzung zur Prüfung zur Kommunalaufsicht gegeben wird. "Dann kann die Stadt einen Ehrenamtlichen für diese Aufgabe berufen", sagt Frank Schiwek. Er hofft, dass sich ein Schönebecker für dieses Ehrenamt findet. Dass dann eine "Mammutaufgabe" auf den- oder diejenigen zukommt, diesem Umstand ist sich Frank Schiwek bewusst. Letztlich biete dieses Ehrenamt aber auch viel Raum für Kreativität und Tatendrang. In den Augen des Antragstellers braucht es für diese vielfältige Aufgabe "jemanden, der den Hut aufsetzt". Derjenige müsste nicht unbedingt Alleinkämpfer sein, nennt er eine Idee, die ihm im Kopf herumschwirrt. "Der Inklusionsbeauftragte könnte sich auch mehrere Mitstreiter suchen, so dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird", sagt er.

Er sieht den Beauftragten und seine möglichen Unterstützer als Ansprechpartner, zum Beispiel auch wenn es um Baumaßnahmen im Stadtgebiet geht. "Erst durch das Agieren des Behindertenverbandes haben wir es geschafft, auf dem Markt in der Innenstadt ein Leitsystem für Blinde zu installieren", sagt er. Nun, da der Markt in Bad Salzelmen saniert werden soll (Volksstimme berichtete), "könnte der Inklusionsbeauftragte bei der Planung mit einbezogen werden", nennt er ein Beispiel, dass nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern Senioren mit Rollator und Familien mit Kinderwagen sowie Inlinefahrer gleichermaßen betreffe.

Inklusion gilt für alle Belange aller Menschen

Wo der oder die Inklusionsbeauftragte sein Büro hat, das ist derweil offen. "Ich denke, wir haben einige Vereine in Schönebeck, die dafür Räumlichkeiten zur Verfügung stellen würden", sagt er und denkt, dass sich dieses Problem wohl mehr oder weniger von allein erledigen wird.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende betont mehrfach, dass er froh ist, dass der Stadtrat diesem Anliegen gefolgt ist. "Nun liegt es an uns allen, dieses Ehrenamt mit Leben zu füllen", sagt er.