Zu Heiligabend gehört für viele Menschen der Besuch der Kirche und die Verkündung der Weihnachtsbotschaft. Der Pfarrer ist an diesem Tag besonders gefordert. Dazu sprach Volksstimme-Redakteurin Heike Heinrich mit Thomas Lütgert, Pfarrer aus Großmühlingen.

Volksstimme: Großmühlingen, Kleinmühlingen, Eickendorf, Zens: Vier Christvespern im Stundentakt am Heiligabend. Dazu Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen. Ganz schön viel Arbeit...

Thomas Lütgert: Ich betrachte es nicht als eine Arbeit, sondern als eine Berufung, etwas von der Liebe weiterzugeben, welche ich empfangen habe. Ich gehöre nicht zu denen, die durch ein besonderes Ereignis zum Glauben gekommen sind. Durch das Vorleben meiner Eltern, die mir ganz viel Liebe geschenkt haben, war es für mich klar, diesen Glauben musst du weitergeben. Als dann meine Eltern, ich war gerade 20 Jahre, kurz hintereinander verstarben, konnte ich ihnen nur noch am Sterbebett dieses versprechen.

Warum war es Ihnen so wichtig, an Heiligabend selbst vor Ort zu sein? Was zeichnet denn die Kirchgemeinden aus?

Ich möchte meine Gemeinden nicht alleine lassen. Sie haben mich in all den Jahren meines Dienstes getragen und manchmal auch ertragen. Sie sind mir alle ans Herz gewachsen, und wenn Sie wollen, ist es ein Dankeschön an sie alle.

Gibt es in Ihrem Bereich auch Kirchgemeinden, die selbst die Christvesper gestaltet haben?

Ich habe es bisher nur einmal erlebt, als ich einen Tag vor Weihnachten aus dem Krankenhaus gekommen bin. Es tat gut zu spüren, sie lassen dich nicht im Stich. Sonst werden auch Lesungen mitgestaltet, und in Zens habe ich auch einen tollen Orgelspieler.

Bei diesem Marathon am Heiligabend: Ist da bei Ihnen überhaupt besinnliche Stimmung aufgekommen?

Ich weiß nicht, ob es unbedingt um eine besinnliche Stimmung geht. Mir persönlich geht es darum zu spüren, Gott ist auch heute wieder für dich geboren, gleich, mit welchen Ecken und Kanten du behaftet bist. Er hat auch dich lieb.

Wie sah Ihr persönlicher Heiligabend dann nach den Christvespern aus?

Meine Frau wartete schon mit einem guten Essen, das habe ich genossen. Ich war abends um 19.30 Uhr auch schon ziemlich hungrig. Bei Wein und Gebäck, Musik und Triominosspiel klang der Abend aus.

Und nun mal ganz persönlich: Was gab es geschenkt? Ist der Weihnachtsbraten gelungen? Gibt es ein besonderes Ritual im Hause Lütgert?

Um nicht zum x-mal das gleiche Deo zu bekommen, haben wir für uns das Schenken gelassen. Mein größtes Geschenk sind die Enkelkinder. Das große Enkelkind (1 Jahr) hat mir den ersten Versuch eines Bildes geschenkt. Als ich einen Tag vor Heiligabend mit meiner Tochter, seit kurzer Zeit Zwillingsmutter, telefonierte, hielt sie den Hörer neben eines der Kleinen und meinte: "Er sagt Opa". Natürlich war es "nur" ein zufriedenes Brabbeln. Dennoch Tränen standen mir vor Freude schon in den Augen.

Eines der großen Geschenke sind und bleiben die vier Predigtstätten, die nun wieder einladend sind. Danke allen, die daran mitgewirkt haben.

Ein besonderes Ritual gibt es bei uns nicht. Dies erledigt sich schon durch die vielen Christvespern. Natürlich, als die Kinder noch im Haus waren, wurde nach den Gottesdiensten erst einmal gegessen, bevor dann die Bescherung begann.

Heute gehen wir es etwas ruhiger an.

Der Festtagsbraten zu den beiden Feiertagen ist meiner Frau gut gelungen. Wenn ich sage, es wäre zu schade, um ihn wegzuwerfen, dann weiß sie, es hat alles toll geschmeckt.

Erinnern Sie sich, dass irgendetwas mal nicht so wie geplant lief oder an ein ganz besonderes Weihnachten im positiven Sinne?

Es war der Weihnachtsgottesdienst 1995. An jenem Weihnachten, als wieder ein Dach auf der Großmühlinger Kirche war, aber es noch keine Fenster gab. Bei minus 16 Grad Celsius hatten wir einen Gottesdienst mit voller Kirche und einem Krippenspiel. Viele haben gestanden, da es noch keine Bänke gab. Beim Krippenspiel Engel mit dicken Zipfelmützen. Es war toll. Meine Hände waren kalt und konnten das Liederbuch kaum noch halten. Einige Kerzen haben sich vor lauter Kälte gebogen.

Jetzt steht der Jahreswechsel an. Wo halten Sie wann Gottesdienste ab?

Ich werde nicht vor Ort sein, sondern bei unserer Tochter in Pfaffenhofen. Einen Gottesdienst zum Jahreswechsel haben wir am 28. Dezember um 10 Uhr in Eickendorf geplant für alle aus dem Kirchspiel.

Wenn Sie drei Wünschen für 2015 frei hätten - welche wären das?

Mein größter Wunsch ist, dass wir uns noch mehr für den Frieden in aller Welt einsetzen und unseren Kindern damit eine sichere Zukunft bieten können. Der zweite Wunsch ist Gesundheit, dass ich noch lange Dienst tun kann und Menschen neben mir habe, die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen. Eines der wichtigsten Wünsche ist und bleibt meine Frau. Sie steht immer hinter meiner Arbeit. Sie sagt zwar immer: "Erst kommt Kirche, dann noch einmal Kirche und noch einmal, dann erst kommt auch mal die Familie." Ein bisschen hat sie natürlich Recht!

Und noch einen Wunsch habe ich: Dass man mir verzeihen möge, wenn Dinge mal nicht so geklappt haben.