Der Schönebecker Jörg Flacke sammelt und bemalt Zinnfiguren. Nicht einige wenige zieren die Wohnung - eher tausende. Und doch sind noch zahlreiche Plätzchen für die 30 Millimeter hohen Figuren frei, die er noch füllen will.

Schönebeck l Die Zinnfiguren füllen Regale und Schränke, ob im Flur, im Wohnzimmer oder im Hobbyraum. Und in normalgroße Regale passen sehr viele von den winzigen Figuren. Ein genauer Blick ist erforderlich, um all die Raffinessen zu erkennen: die gelockten Haare, den wallenden Rock, den mehrfarbigen Papagei auf dem Arm oder die scheinbar einzelnen Nadeln am Tannenbaum. Der Laie staunt ob so viel Detailtreue auf kleinster Fläche.

Das ist die Welt von Jörg Flacke. Der 50-jährige Schönebecker sammelt Zinnfiguren. Meist im Rohzustand. Fast alle bemalt er selbst. Und zwar nachdem er recherchiert hat, wie sie denn originalgetreu aussehen. Dafür wälzt er gern viele Bücher, beliest sich im Internet. Dann haucht er den Rohlingen Pinselstrich für Pinselstrich Leben ein. "Die Kunst ist, die flachen Figuren so zu bemalen, dass sie plastisch wirken. Das macht die Sache von Anfang bis Ende spannend", erklärt er.

Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Und er weiß, wovon er spricht. Denn auf diesem Gebiet ist er kein Neuling. Im Alter von zwölf Jahren hat er damit angefangen, Zinnfiguren zu bemalen und zu sammeln. Ein Hobby, mit dem sein Vater ihn "angesteckt" hat, erzählt er. Mehr zufällig. "Ich bin da so reingestolpert", sagt er schmunzelnd.

Sein Vater war Zeichenlehrer. Ein Talent, das er an Jörg Flacke weitergegeben hat, wie unschwer an der Gestaltung der Zinnfiguren zu erkennen ist. Ebenso eine ruhige Hand, die beim Bemalen von Minifiguren ein Muss ist. "Dazu kommt mein Geschichtsinteresse", sagt er. Vor allem begeistere er sich für das Altertum, und jetzt in der Winter- und Weihnachtszeit für Märchen. Und fest steht, betont er: "Es gibt nichts, was es nicht gibt."

Lange Zeit war Jörg Flacke Mitglied im Magdeburger Zinnfiguren-Freundeskreis. In Schönebeck ist er seines Wissens nach mit diesem Steckenpferd alleine. Ein Austausch ist somit schwierig.

Natürlich gibt es auch für dieses Hobby Sammel- börsen, zum Beispiel im Zinnfigurenmuseum Plassenburg bei Kulmbach. Dort ist er - wie es sich für einen echten Sammler gehört - schon oft gewesen, um sich Anregungen zu holen.

Gut 20 Stunden für eine 30-Millimeter-Figur

Am liebsten malt Jörg Flacke mit Ölfarben. "Viele sind auf Acryl umgestiegen, weil es schneller trocknet. Aber ich komme besser mit Ölfarbe zurecht, die läuft besser ineinander", erklärt er.

Figuren, die er noch bemalen will, gibt es noch viele. Das zeigt ein Blick in seinen Hobbyraum. Aber gibt es auch Figuren, die er noch nicht hat, aber gern haben würde wollen? Er nickt. "Trojanischer Krieg, die ganze Serie der Streitwagen", sagt er und merkt dazu augenzwinkernd an: "Da muss ich noch ein wenig sparen."

Übrigens: Jörg Flacke bemalt nicht nur Zinnfiguren. Er weiß auch, wie diese entstehen. Ab und zu stellt er auch flache oder plastische Figuren selbst her. Dazu werden die Formen erst in Schiefer- beziehungsweise Kautschukplatten eingearbeitet und diese zusammengelegt. Dann wird die Zinnlegierung reingegossen - für flache Figuren 60 Prozent Zinn, 30 Prozent Blei und 10 Prozent Fließmaterial wie Antimon und Wismut; für plastische Figuren wird mehr Blei als Zinn verwendet, da Zinn sich beim Abkühlen zusammenzieht und sich Löcher bilden würden.

Doch diesen Aufwand des Gießens betreibt der Schönebecker nur sehr selten. Denn seine Zeit ist auch im Bemalen schon sehr gut angelegt: Für eine Standardfigur mit einer Höhe von 30 Millimetern braucht er gut 20 Stunden. Es kann sich also freuen, wer eine von ihm geschenkt bekommt.

   

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