Schönebeck l Es ist noch dunkel, als Kerstin Lau am gestrigen Morgen ihren Ehemann zur Arbeit verabschieden will. "Das riecht hier irgendwo nach Qualm", sagt sie zu ihm. Im Hausflur des Wohnhauses in der Straße der Jugend 66 bemerkt das Paar kurz darauf das Blinken der Rauchmeldeanlage und handelt sofort. "Wir haben dann in den anderen Wohnungen geklingelt und die Feuerwehr gerufen", berichtet die Mieterin gegenüber der Volksstimme. Der Qualm drang aus der obersten Etage den Hausflur hinunter, der Brand war in einer Wohnung im fünften Stockwerk ausgebrochen, Flammen schlugen aus den Fenstern.

In der Rettungsleitstelle geht der Notruf um 5.43 Uhr ein, die Schönebecker Polizei wird zwei Minuten später über den Brand informiert, drei Streifenwagen sind wenig später vor Ort. Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Schönebeck evakuieren gegen 6 Uhr 16 Hausbewohner. Der 51-jährige Mieter, in dessen Wohnung das Feuer ausbrach, wird verletzt in Sicherheit gebracht.

In seiner Zwei-Raum-Wohnung ist im Wohnbereich kurze Zeit später nicht mehr viel vom Inventar zu erkennen. Alles ist verrußt und teilweise verkohlt, nur das Schlafzimmer haben die Flammen verschont. Der nach einer ersten Untersuchung als schwer verletzt eingeschätzte Mieter wird in die Spezialklinik "Bergmanns-trost" in Halle/Saale gebracht und vorerst dort medizinisch behandelt. Die anderen Mieter werden nach der Evakuierung zeitweise in der nahegelegenen Maxim-Gorki-Schule untergebracht, können gegen 9 Uhr jedoch wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Der betroffene Plattenbau in der Straße der Jugend gehört der Städtischen Wohnungsbau GmbH (SWB). Dirk Michaelis, Leiter des Mieterservice der SWB, befindet sich im Bereitschaftsdienst, als ihn der Notruf erreicht. "Die Rauchwarnanlage hat gut funktioniert", sagt Michaelis am Vormittag gegenüber dieser Zeitung. Durch einen Abzug habe der Rauch entweichen können. Demgemäß ist an den Wänden im Hausflur kaum etwas vom Brand zu sehen. Nur die an die Wohnung grenzende Hauswand ist fünf Stunden nach dem Brand noch spürbar warm.

Blasen und Risse an den Wänden deuten auf die Vorfälle am frühen Morgen hin. Ein Statiker sei schon hiergewesen, so Michaelis. "Die Wände sind nicht einsturzgefährdet", kann er beruhigen. Ein Glück sei es zudem gewesen, dass die angrenzende Wohnung momentan nicht vermietet ist. Mieterin Alexandra Baikova schildert, dass der verletzte Mieter auf der Treppe gesessen habe, als sie mit ihren Kindern das Haus verlassen musste. "Nicht ansprechbar" ist der Mann gewesen, sagt sie.

Zur Brandursache konnten gestern zu Redaktionsschluss noch keine Angaben gemacht werden. "Der Brandursachen-ermittler kann erst mit seiner Arbeit beginnen, wenn alles abgekühlt ist", erklärt der Sprecher des Polizeireviers Salzlandkreis in Bernburg, Polizeioberkommissar Robert Richter, auf Nachfrage. Der Sachschaden wird auf 40000 Euro geschätzt.

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