In Calbe ist die organisierte Rassekaninchenzucht seit Jahren nicht mehr präsent. Doch nun setzt Norbert Haverland auf diesem Gebiet neue Maßstäbe. Der 50-Jährige will sich 2015 nach stetigen Erfolgen auf Landes- und Bundesebene einen Europatitel im französischen Metz holen. Die Vorbereitungen dafür sind schon angelaufen.

Calbe/Glöthe l Vorsichtig zeigt Norbert Haverland zwei ausgebleichte und etwas zerknitterte Zettel. Mit Calbenser Polizei-Verwaltungs-Stempel versehen sind die Schriftstücke datiert auf den 26. November 1906. Sie zeigen die Geburtsstunde eines Rassekaninchenzuchtvereins in Calbe mit damals 32 Mitgliedern, die sich einmal monatlich zu einer Sitzung zusammenfinden wollten. "Die Zettel habe ich quasi vom Müll mitgenommen", erzählt Haverland, der wie der letzte und mittlerweile verstorbene Vorsitzende ebenfalls in der Hohendorfer Straße wohnt.

"Wenn ich schon züchte, dann auch richtig und mit Ehrgeiz. Obwohl es ein Hobby ist, so möchte ich darin doch erfolgreich sein."

Wann sich der Calbenser Verein letztendlich auflöste, ist nicht bekannt. "Das muss schon vor der Wende gewesen sein", schätzt Haverland, der mit seinem Hobby wieder an diese Tradition der Saalestadt anknüpft - und das sehr erfolgreich.

Doch von vorn. Der Calbenser hatte schon seit dem Kindesalter mit dem Halten von Kaninchen seine Erfahrungen gesammelt, allerdings immer unter dem Aspekt, dass die flauschigen Tiere irgendwann im Topf und schließlich auf dem Esstisch landeten. Erst 2008 erfolgte der züchterische Knackpunkt als er die Landesausstellung in der Welslebener Reithalle besuchte. "Dort habe ich ich mir meine ersten Zuchttiere gekauft, einen Rammler und zwei Häsinnen", erinnert sich der Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofes.

Da er in Calbe keine Gleichgesinnten finden konnte, wandte er sich an den Rassekaninchenzuchtverein Glöthe G67. Bei Vorsitzendem Günter Lößner aus Üllnitz und Sohn Torsten fand er Unterstützung, schließlich ist die Aufnahme neuer Mitglieder in Zuchtvereinen heute zur Seltenheit geworden. Der kleine Verein zählt aktuell 18 Züchter und legt seine Vereinsschau im Dezember mit den Rassegeflügelzüchtern zusammen. "Die Altzüchter gaben mir wertvolle Tipps", sagt Haverland, der sich zudem ein großes Pensum an züchterischem Wissen über Fachbücher und -zeitschriften aneignete. Grundlage für die Rassekaninchenzucht sind strenge Standards des Dachverbandes, die unter anderem Gewicht, Körperbau sowie Kopf und Ohren betreffen.

Wie viele Züchter hat auch Norbert Haverland seine Spezialrasse als Steckenpferd gefunden. "Bei mir sind es die Roten Neuseeländer" schwärmt Haverland. Diese Rasse kam erst in den 1930er Jahren nach Deutschland und zwar nicht aus Neuseeland, wie der Name vermuten lässt, sondern aus Kalifornien, wo diese Kaninchen vermutlich unter Verwendung von Hasen- und Riesenkaninchen als Masttiere gezüchtet wurden. "Bei diesen Tieren kommt es vor allem darauf an, dass die Unterfarbe des Fells der kräftig roten Deckfarbe möglichst gleicht", sagt Haverland. Täglich verbringt der Züchter rund eine Stunde bei seinen Tieren. Neben Fütterung und Ausmisten kostet auch die sorgfältige Krallen- und Fellpflege der Tiere seine Zeit.

Schließlich ging alles Schlag auf Schlag. Schon ein Jahr nach Vereinsbeitritt holte der Familienvater den Titel des Vereinsmeisters und stellte bei der Landesschau in Bördeland das Siegertier aus. Norbert Haverland spornte dieser Erfolg weiter an. "Wenn ich schon züchte, dann auch richtig und mit Ehrgeiz", sagt Haverland, der in rund zwei Wochen seinen 51. Geburtstag feiert. Selbst wenn es ein Hobby sei, möchte er darin doch erfolgreich sein. Die bisherigen Resultate sprechen jedenfalls für sich: 2010 und 2011 folgten weitere Vereinsmeistertitel, Siegertiere auf Landesebene sowie gute Ergebnisse bei der Bundesschau in Erfurt. 2012 wurde er wieder zum Landesjungtier- und Landesmeister gekürt. 2013 und 2014: Erneuter Landesmeister. Bei der Europaschau in Leipzig, bei der 550 Rote Neuseeländer präsentiert wurden, landete Haverland nur einen Punkt hinter dem Europameister. "2015 soll es klappen", blickt Haverland voraus. Im kommenden November will er mit seinen Neuseeländern den Titel holen. Damit er sich gegen weitere Züchter aus Europa durchsetzen kann, steckt er schon jetzt mitten in den Vorbereitungen für seine Premiumtiere, mit denen er und sein Schwager ins mehr als 600 Kilometer entfernte französische Metz fahren möchten. "Dafür suche ich noch ein geeignetes Fahrzeug, um 16 Transportkisten unterzubringen", sagt Haverland und hofft auf einen Sponsor. Schön wäre es, wenn die Ehefrauen auch noch Platz finden würden. "Dann könnten wir sie mit einem kleinen Frankreich-Urlaub für ihre Entbehrungen mit unserer Züchterei versöhnen", sagt Haverland mit einem Augenzwinkern.

 

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