In Kleinmühlinges Kirche St. Salvator klingt es wieder richtig gut. Die Orgel aus dem Jahr 1897 ist gereinigt und gestimmt.

Kleinmühlingen l "Nein, das kann kein Scherz sein", hat sich Helga Sebon gedacht. Ausgerechnet am 1. April des vergangenen Jahres flatterte ein langersehnter Brief bei der Vorsitzenden des Kleinmühlinger Kirchbauvereins ein. Die Bestätigung, dass die VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken in Norddeutschland das Orgelprojekt in der Salvator-Kirche mit 10 000 Euro finanziell unterstützt, weitere 1000 Euro von der Volksbank Magdeburg dazukommen - so wie es die Förderkriterien des Kreditunternehmens vorsehen. Alle Mühe mit dem Schreiben von Anträgen, mit dem Erklären des Vorhabens, mit dem Darlegen von Finanzierungskonzepten hatte sich gelohnt. "Das ist viel Geld und das hat uns einen großen Schritt vorangebracht", sagt Helga Sebon glücklich. Dass die Orgel jetzt, nicht einmal ein Jahr später, zum Dreikönigstag erklinge, sei wie ein großes Weihnachtsgeschenk, meint die Vereinschefin.

Großen Anteil daran hat Matthias Müller. Der Musiker und Orgelbauer kennt das Instrument in St. Salvator von Konzertern innerhalb des von ihm initiierten Rühlmann-Festivals, das den Erbauer der Kleinmühlinger Orgel jährlich mit verschiedenen Veranstaltungen in vielen Kirchen würdigt. "Wir machen dabei vor allem auf Orgeln aufmerksam, an denen dringend etwas gemacht werden muss", sagt Matthias Müller. Kunstfertig konnte er dem Instrument Töne entlocken, auch wenn vieles im Argen lag. Dem Experten war klar: Hier schlummert eine Königin im Dornröschenschlaf. "Die Orgel war verschmutzt und in vielen Teilen nicht mehr funktionsfähig." Dazu kamen Schäden durch unsachgemäße Behandlung und verschiedene Eingriffe durch Orgelbauer an Pfeifen und Windversorgung, um den Klang des Instrumentes zu verändern. Das alles schadete der Orgel mehr und mehr, ließ die insgesamt 13 als Register bezeichneten Klangfarben zusehends verstummen.

Zusammen mit Jennifer Arians hat Matthias Müller die Reinigung und Reparatur in Angriff genommen. Leute aus der Gemeinde haben dabei viel geholfen, vor allem bei den körperlich schweren Aufgaben. Die Arbeiten waren technisch aufwendig und auch sonst: Wilhelm Rühlmann hat 1897 seine Orgel in das Gehäuse des Vorgängerinstrumentes gebaut. "Da ist wenig Platz drin, wenn alle Pfeifen stehen. Mit großen Schuhen bekommt man Probleme und muss laufen wie Charlie Chaplin", scherzt Matthias Müller.

Drei Monate hat alles gedauert und alle Bereiche der Orgel waren einbezogen. So wurden alle 700 Pfeifen - 150 Gramm bis 65 Kilogramm schwer - ausgebaut, gereinigt, bei Beschädigungen ergänzt, Veränderungen rückgängig gemacht, gestimmt.

Auch die Technik erfuhr eine Aufarbeitung. Von der Taste wird bei der pneumatisch gesteuerten Orgel durch Bleikondukte Wind zu den Pfeifenventilen geschickt. Dieses komplizierte System ist jetzt wieder dicht. Kein Zischen mehr. Am Spieltisch wurden die Tasten der Manuale und das Pedal gängig gemacht.

Schließlich wurde das hölzerne Gehäuse sauber gemacht und mit Schutzschichten versehen. Auf den Mittelturm des Prospekts, der Orgelschauseite, kam die dreieckige Bekrönung samt Spruch "Soli Deo Gloria" (Allein Gott die Ehre) zurück, die bis dato hinter der Orgel ihr Dasein fristete.

Das alles ist - zum Teil - Geschichte. "Rühlmann-Orgeln haben wunderbare Einzelstimmen, diese Register kann man wieder gut hören", sagt Matthias Müller. Das Instrument sei eine klassische Dorforgel im besten Sinn. Als Interpret überzeugte er bei der Wiedereinweihung am Dreikönigstag die zahlreichen Zuhörer mit weihnachtlicher Orgelmusik aus Deutschland, Amerika oder Frankreich auch klanglich.

Offen bleiben noch Arbeiten an einigen Holzpfeifen und die Erneuerung eines Quintzimbel-Registers als helle Klang-krone der Orgel. Der Kirchbauverein freut sich daher über weitere finanzielle Hilfe. Helga Sebon ist unter der Rufnummer (0392291) 74 89 70 zu erreichen und Pfarrer Thomas Lütgert unter (039297) 2 03 05.

   

Bilder