Eines der bundesweit größten Pflanzenölkraftwerke im Industriepark Calbe (IPC) läuft auf Sparflamme. Statt Pflanzenöl sorgen derzeit Holzhackschnitzel für die Wärmegewinnung. Die Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG) zog sich vor Jahren als größter Abnehmer zurück.

Calbe l Nur wenig Dampf ist an kalten Tagen über dem Biokraftwerk im IPC zu sehen. Das ließ aufmerksame Leser fragen, ob das Kraftwerk in Calbes Norden stillgelegt worden sei.

"Keineswegs", erklärt der Hamburger Jan Rave bei einem Pressegespräch. Der Kaufmann ist Geschäftsführer der Rave Beteiligungs mbH, die im Dezember 2005 das ehemalige Motor-Heizkraftwerk des Metallleichtbaukombinates (MLK) erwarb und innerhalb von sechs Monaten auf den Betrieb mit Pflanzenöl umrüstete. Das Biokraftwerk Calbe kann seitdem durch das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung mit unterschiedlichen Ölsorten wie Soja-, Palm-, Sonnenblumen- oder Rapsöl betrieben werden. Zwei Blockheizkraftwerksmodule (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von zusammen mehr als 10 Megawatt sind in der Lage, umweltfreundlichen Strom und Wärmeenergie zu produzieren. Zur Sicherung von Spitzenlasten in den Wintermonaten stehen zusätzlich zwei Heizkessel mit je 9 Megawatt und ein Kessel mit 4,5 Megawatt bereit. Lastkraftwagen liefern das Pflanzenöl an, das in einem 365 Kubikmeter fassenden Tank gelagert wird.

Doch das Kraftwerk wird derzeit mit angezogener Handbremse betrieben. Die großen Anlagen seien komplett funktionstüchtig aber abgeschaltet, erklärt Jan Rave bei einem Rundgang durch die großen Kraftwerkshallen. Derzeit sei es unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen und betriebswirtschaftlich nicht mehr rentabel, eine derart große Anlage mit Pflanzenöl zu betreiben. So sorgt nicht mehr Pflanzenöl als Biomasse für Wärme sondern Holzhackschnitzel. Sie werden in einem überdachten großen Berg neben dem Kraftwerk gelagert und automatisch einer Holzfeuerungsanlage im Inneren der Halle zugeführt. Über das verzweigte Leitungsnetz gelangt die Wärme beispielsweise zum benachbarten Stahlbau Calbe mbH und weiteren Gewerbeeinheiten.

Der größte Abnehmer von Biowärme war bis 2008 die Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG). Rund 1600 Wohnungen in der Neuen Wohnstadt erhielten über das Urbana-Unternehmen die Fernwärme aus dem IPC. Als viele Wohnungen inmitten eines strengen Winters und Preisverhandlungen plötzlich kalt blieben, entschied sich die Stadt und der damalige CWG-Geschäftsführer Hans-Holger Jürgens die Leitungen zum Pflanzenölkraftwerk zu kappen und die Wärmeversorgung innerhalb weniger Tage auf mobile Erdgasbrenner umzustellen. So ist es bis heute. "Da gibt es kein zurück mehr", sagt Geschäftsführerin Kornelia Eichel gegenüber der Volksstimme. Schließlich werde zudem - wie in der Kleinen und Großen Mühlenbreite - konsequent auf Erdwärmetechnologie gesetzt.

Jan Rave jedenfalls wirbt um eine bessere Auslastung der Anlage. "Alles ist vorhanden und ein Betrieb zudem sehr umweltfreundlich."

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