Der Rassegeflügelzuchtverein Biere/Welsleben hat am Wochenende seine offene Vereinsschau mit 310 ausgestellten Tieren durchgeführt. Dabei wurden auch die Vereinsmeister gekürt. Die Aufstallung wegen der Vogelgrippe schränkt die Züchter ein.

Biere l Wer der einfachen Weisheit Glauben schenkt, große Hühner legten große Eier, fehlt! Im Gegenteil. Walter Kauer vom Biere/Welsleber Verein hat mit Perlhühnern stattliche Exemplare in der Zucht. "Die Eier sind mit 5 Gramm sogar eher unscheinbar", sagt der Tierfreund, der mit seinen Gefiederten jetzt Zuchtmeister geworden ist. Dennoch haben es die Eier in sich. "Probleme bekommt man, wenn man es gekocht aufklopfen will", so Walter Kauer. Mit dem Frühstückslöffel komme man da nicht weit. Der Züchter hat sich einen kleinen Spielzeughammer aus DDR-Zeiten aufgehoben, um an das köstliche Innere zu kommen. "Dass die Eier so stabil sind, hat vielleicht damit zu tun, dass Perlhühner sie irgendwo ablegen." Im Nest suche man häufig umsonst. Fast ein bisschen wie ein Versteckspiel sei es, wenn der Züchter auf Eiersuche gehe, ein bisschen Ostern jeden Tag. Eine Herausforderung, der er sich stellt. "Man merkt, in den Perlhühnern ist `wilde Natur` drin", beschreibt er seine Zucht. Die Tiere kämen als Wildhühner aus Nordafrika und seien sehr "bewegungsfreudig". Genau das aber sei es gewesen, was ihm gefallen habe, als er vor fünf Jahren begann, die Perlhühner zu ziehen, und dass die Hühner fleischertragreich seien.

Bei der offenen Vereinsschau am Wochenende in Biere waren sie zumindest bei den Preisrichtern so lange so still, dass es für eine gute Bewertung gereicht hat. Denn mit seinen Perlhühnern ist Walter Kauer einer der Vereinsmeister geworden. Er freut sich darüber, aber ungewöhnlich sei der Titel nicht, mehrfach habe er mit seinen Tieren bei Vereinsschauen vorn gelegen.

"Das ist der Schnitt bei den Ergebnissen, wie wir ihn aus den Vorjahren kennen."

Denn seit 43 Jahren ist er Mitglied in der Gruppe. Mit 15 Jahren ist er über einen Freund dazu gekommen. Losgelassen haben ihn die Tiere nicht mehr. "Meine Eltern hatten nur Legehühner, mit der Zucht hatte keiner was zu tun."

Den Anfang machten Ostfriesische Möwen. Seit zehn Jahren beschäftigt sich Walter Kauer zusätzlich auch mit der Hühnerrasse Araucana. Als er das erzählt, kommt er wieder auf die Eier zu sprechen. "Meine Nachbarn haben immer Eier geholt und staunten nicht schlecht, als die der Araucanas kamen. Denn sie sind grün!" Neugier treibe ihn bei der Zucht an, auch dabei, verschiedene Rassen zu ziehen. Alles sei ein "großes Hobby", das ihn erfülle, fasst es Walter Kauer zusammen. "Man erfreut sich an der Entwicklung der Tiere: Das fängt beim Brüten an, dann schaut man und beobachtet, wie die Küken aufwachsen. Das nimmt ein immer wieder gefangen, auch wenn man mal das Gefühl hat, alles überfordere einen."

Der Verein besteht seit 43 Jahren, bis auf zwei Mal zu DDR-Zeiten sind die eigenen Schauen durchgeführt worden. Sie präsentieren jeweils das Ergebnis des Zuchtjahrs. Vorsitzender Klaus-Dieter Günther zeigt sich mit dem Abgelaufenen zufrieden. "Viele unserer Mitglieder sind bei Kreis-, Landes- und Sonderschauen sehr erfolgreich gewesen." Bei der Vereinsschau habe es sieben Mal die Note "Vorzüglich" und 15 Mal die Note "Hervorragend" gegeben. "Das ist der Schnitt, wie wir ihn auch aus den Vorjahren kennen", schätzt der Vorsitzende zufrieden ein.

Dass es zu diesen Ergebnissen kommt, war besonders in diesem Jahr gar nicht so selbstverständlich. Denn die Züchter nervt die Aufstallungspflicht nach Vogelgrippefällen sicherlich genauso wie ihre Tiere. Dass in den Schauen etwas passiere, sei auszuschließen, so Klaus-Dieter Günther. Alle Gefiederten, die gezeigt werden, müssten Impfnachweise haben: Hühner zwei Schluckimpfungen im Jahr, Taube eine Spritze. Für Wassergeflügel gab es jetzt Sonderregelungen. Aber auch alles kein Problem, wenn man richtig züchte. Ohnehin, so der Vorsitzende, stehe man mit dem zuständigen Veterinäramt im Landkreis im Austausch. Es gebe immer aktuelle Informationen zum Thema.

"Ausstellung ist Treffpunkt, um ins Gespräch zu kommen."

Doch die Tiere sind seit sechs Wochen im Stall und das gehe nicht spurlos an ihnen vorüber. "Das Aussehen verändert sich, Federenden zerschleißen. Die Schönheitsmerkmale leiden darunter", nennt der Vorsitzende ein Beispiel. Weil die Tiere nicht im Freien liefen, seien sie unruhiger. Die Züchter hoffen, dass die Regelungen bald gelockert werden.

Sie sind aber auch froh, dass es nicht wie in Mecklenburg-Vorpommern zu einem zeitweiligen Ausstellungsverbot gekommen ist. Denn so bleibt die stattliche Schaubilanz für Biere/Welsleben konstant. Und man kommt zusammen. "So eine Ausstellung ist auch immer ein guter Treffpunkt, um miteinander ins Gespräch zu kommen, zu fachsimpeln und sich Anregungen zu holen", sagt Klaus-Dieter Günther.