Wer hätte gedacht, was 1995 ganz bescheiden seinen Anfang nahm und sich heute zu einer Tradition im Dorf entwickelt hat. Die Rede ist von der Grünkohlwanderung, auch als Braunkohlwanderung bezeichnet, die aus der Taufe gehoben wurde, und die in diesem Jahr den 20. Geburtstag feiert.

Eggersdorf l Etwa 40 Wanderlustige machten sich vor 20 Jahren auf den Weg, vom Großmühlinger Schloss zum Landhotel "Zu den zwei Linden". Günther und Elisabeth Bergmeier und Heidi Wünsche erinnern sich noch gern daran, denn sie waren damals dabei. "Bei Schneeregen marschierten wir über einen aufgeweichten Feldweg, entlang den Bahngleisen, vorbei an den Schachtteichen, weiter in Richtung "Linde". Lindenwirtin Sieglinde Broz und ihr Ehemann Peter organisierten die erste Wanderung mit dem Ziel: "In unserer Region soll sich nach der Wende wieder mehr kulturelles Leben entfalten."

In früheren Zeiten war die "Linde" immer Anlaufpunkt für beliebte Tanzveranstaltungen gewesen. Besonders aus dem nahe gelegenen Salz-elmen und Schönebeck zog es viele hierher. Deshalb lag es auch nah, bald einen neuen Anlaufpunkt für die Grünkohlwanderung zu finden. Das war der nahegelegene Kurpark in Salzelmen. Besichtigungen im Kurparkbereich und in Salzelmen standen mit auf dem Programm der ersten Wanderungen. Sprunghaft wuchs die Zahl der Teilnehmer. Die Lindenwirtin konnte bald aus Platzmangel die stetig wachsende Zahl der Wanderlustigen nicht mehr aufnehmen. Der Eggersdorfer Heimatverein übernahm in den letzten Jahren die Organisation und konnte auch die Gaststätte "Zum Pferdestall" noch zusätzlich für das Vorhaben gewinnen.

Besucher freuen sich über 20 Jahre Erfolg

Seit 18 Jahren laufen nun die Wanderfreunde vom Bahnhof Salzelmen in Richtung Eggersdorf. Immer dabei gewesen die drei Familien Heinrich, Rosenberg und Probst aus Schönebeck. Sie erinnern sich noch gut daran, wie Lindenwirt Peter Broz, mit seinem mit Grünkohl geschmücktem Bollerwagen, die Wanderlustigen begleitete, Glühwein ausschenkte und kleine Fläschchen Hochprozentigen reichte. Das war für ihn eine aufwendige und schwere Arbeit. Immer mehr Getränke wurden benötigt, denn die vielen Wanderer hatten durstige Kehlen. Eine rettende Idee kam: Hartmut Sänger aus Salzelmen, leidenschaftlicher Sammler und Restaurator alter Trecker, war sofort bereit, den Glühweintransport mit einem seiner Oldtimer zu übernehmen und auf dem Hänger sogar noch Sitzgelegenheiten für Gehbehinderte anzubieten.

In diesem Jahr versammelten sich schon mehr als 240 Wanderlustige auf dem Parkplatz der Reha-Klinik. Ein neuer Besucherrekord war erreicht. Die Eggersdorfer Feldmark wurde durchwandert, ein kurzer Abstecher in die neu eingerichtete erweiterte Heimatstube gemacht, und weiter bewegte sich der Tross in Richtung der Lokalitäten des Dorfes, wo die prall gefüllten, dampfenden Grünkohlschüsseln für die hungrigen Wanderer schon bereit standen.

Unter den Teilnehmern auch Frau Naunapper aus Schönebeck, die mit 81 Jahren älteste Teilnehmerin, die nicht nur den Hinweg meisterte, sondern auch den Rückweg in ihren Heimatort lief. Die weiteste Anreise hatte wohl die Familie Limprich aus Oranienburg. Sie fand Platz in der Vereinsgaststätte des Sport- und Freizeitzentrums, die noch zusätzlich genutzt werden musste. Eine Absage aus Platzmangel erhielt kein Teilnehmer in diesem Jahr.

Natürlich gehört ja zu so einer Geburtstagsfeier auch eine besondere Überraschung und die ließen sich die Gastgeber einfallen. Die Wirtinnen der beiden Lokale, Sieglinde Broz und Beate Dübecke, sowie der Heimatverein "würzten" das diesjährige Jubiläums-Grünkohlessen noch zusätzlich mit kulturellen Beigaben. Eggersdorfs Humoristin Josefine Lemke und der Eickendorfer Alleinunterhalter Lothar Finke sorgten mit ihren Darbietungen nicht nur für Abwechslung, sondern auch für Stimmung. Nach einem kräftigen Essen soll man zwar ruhen, aber nicht in Eggersdorf, hier wurde anschließend an den Tischen gemeinsam gesungen.

Grünkohlessen stärkt nach dem Marsch

Lindenwirtin Sieglinde Broz und Heimatvereinsmitglied Joachim Renning, die zu Beginn die Gäste in Salzelmen empfangen haben und auch der Vorsitzende des Heimatvereins, Ronald Lindemann, der die Gäste in den einzelnen Lokalen begrüßte, zeigten sich sehr zufrieden mit dem Ablauf der "Zwanzigsten". Aber auch alle anderen Teilnehmer äußerten sich lobend über den Verlauf und natürlich über das hervorragende Grünkohlessen.

Aus einer Grußkarte an die Lindenwirtin und ihrem Ehemann war der Satz zu entnehmen: "Möge diese schöne Tradition noch über Jahre hinweg fortgeführt werden, das wünschen Elisabeth, Günter und Wanderfreunde." Dem ist auch nichts mehr hinzuzufügen.

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