Zum vierten Mal hat die Ortsgruppe Schönebeck des Naturschutzbundes (Nabu) die Zählaktion "Stunde der Wintervögel" veranstaltet.

Schönebeck l Ein Kohlmeisenpärchen ist zuerst Gast am reichlich gedeckten Tisch: Die kleinen Gefiederten flattern munter um das Vogelhäuschen in der Schönebecker Nachtigallenoase. Wenige Sekunden fliegen sie hinein, schnappen sich Sonnenblumenkerne und ehe man sich versieht, sind sie weg. Das dauert gerade lang genug, um die Meisen zählen zu können. Insgesamt fünf werden es noch an diesem Tag.

Wenige Meter entfernt sitzt Henry Jabin im kleinen Turm der Oase und schaut gebannt durch das Fernglas. Der junge Mann bildet das komplette Gegenteil von den Vogelflüchtigkeiten. Henry ist beharrlich, bewegt sich kaum, um die Tiere zu verschrecken, hat viel Geduld. Er ist es auch, der zuerst die beiden Ringeltauben sieht, die alsbald als Nächte die Futterplätze in der Oase bevölkern. "Ich habe in den letzten beiden Tagen schon zu Hause gezählt", berichtet Henry stolz. Neben ihm bemerkt man, dass der Schüler einen richtigen Blick für die Gefiederten hat, immer liegt er richtig mit seinen Einschätzungen der Vogelarten. "Ich interessiere mich sehr für die Natur, für die Tierwelt", sagt Henry. Die Vogelzählerei nimmt Henry deshalb sehr ernst. "Man sieht die Tiere und man lernt auch gleich noch etwas über ihr Verhalten."

Für Michael Wunschik, den Chef der Schönebecker Nabu-Gruppe, ist dieser Gedanke wichtig: alle können mitmachen bei der sich über drei Tage erstreckenden Aktion. Es gebe Standvögel, die das ganze Jahr über hier blieben und Gastvögel, die aus noch kälteren Regionen kommen. "Aber die Arten sind nicht so exotisch, als dass man sie nicht erkennen könnte", begegnet Michael Wunschik der anfänglichen Skepsis der Zähler. Zur Sicherheit ist ein Plakat mit Zeichnungen der Tiere im Turm der Nachtigallenoase aufgehängt. Auch wenn es keine Garantie auf hundertprozentige Genauigkeit gibt, besonders bei den Meldungen, die viele aus dem heimischen Garten machen, die Zählung ist wichtig. "Weil viele zählen, sind die Ergebnisse belastbar und wir kommen so schleichenden Veränderungen in der Vogelwelt auf die Spur - das betrifft die häufig vorkommenden Sperlinge genauso wie anderen Arten. Für uns als Nabu ergeben sich daraus Grundlinien von nötigen Schutzmaßnahmen."

 

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