Präventionsideen aus der Stadt, die 2013 bei der Flut auszustehen hatte: Neuartige mobile und stationäre Anlagen zum Hochwasserschutz hat die Schönebecker Firma Flut-Schutz entwickelt. Die Patente sind angemeldet.

Schönebeck l Die Elbehochwasser haben in Schönebeck vielleicht auch etwas Gutes angerichtet: Sie haben die Köpfe in der Führungsetage des Aluminiumwerks Schönebeck rauchen lassen. Entstanden ist eine neue Firma, "Flut-Schutz" besteht seit Mai 2014 mit mehreren innovativen Ideen.

"Wir haben Systeme für den mobilen und stationären Flutschutz sowie Systeme für den Objektschutz entwickelt, welche privat, gewerblich und kommunal eingesetzt werden können", sagt Mathias Groß, Geschäftsführer von Flut-Schutz. Zweimal, 2002 und 2013, war das Unternehmen in der Industriestraße selbst vom Hochwasser betroffen. "Da haben wir uns die Frage gestellt: Welche Produkte können wir entwickeln, um uns zu schützen und anderen zu helfen?"

Geburtshelfer für das Projekt war das Aluminiumwerk Schönebeck, welches seit 2000 ohnehin schon Zeichnungsprofile für verschiedene Branchenbereiche konstruiert und fertigt - vom Fenster- bis zum Fahrzeugbau. "Da lag es nahe, auch Teile für Hochwasserschutzwände herzustellen", sagt Groß. Aus den Ideen und Prototypen ist inzwischen eine Serienproduktion geworden, auch unterschiedlichste Kundenwünsche blieben nicht unerfüllt.

Ganz neu, und nach Aussagen von Flut-Schutz auf dem Markt so nicht zu finden, ist die Idee des stationären Hochwasserschutzes aus Aluminiumprofilen. Anlagen also, die dauerhaft stehen. Die Kombination macht`s! - könnte das Motto sein. Denn die Schönebecker Firma verbindet hier den Hochwasserschutz mit Zaunbau und Sichtschutzelementen. Mathias Groß erklärt: "Auf speziell dafür ausgelegte und mit Stahlbeton angelegte Fundamente werden Pfosten montiert." Der Kunde könnte dann wählen, ob er zwischen diese Pfosten Dammbalken einlegen will oder aus optischen Gründen erst einmal Zaun oder Sichtschutzelemente montieren möchte. Wichtig ist, dass im Hochwasserfall diese Zaunfelder, Zier-, Gitterelemente oder Sichtelemente durch Aluminiumdammbalken ersetzt werden können, die wie eine Wand wirken. Also durchaus auch etwas für das eigene Grundstück oder für den Garten. Diese Idee will sich Flut-Schutz europaweit patentieren lassen.

Ähnlich funktioniert der mobile Hochwasserschutz, nur dass hier alle Teile montier- und einlagerbar sind. In beiden Fällen können so bis zu zwei Meter hohe Wände entstehen, 2,50 Meter breit, das entspricht auch den Abmessungen handelsüblicher Zaunsysteme. Statiker haben dies geprüft und dafür bereits grünes Licht gegeben.

Neu ist auch, und hier wollen die Elbestädter wiederum ein weiteres Patent erreichen, dass in den stationären Systemen alle Dichtungen verdeckt sind. Die Form der Aluminiumprofile, die als Wandelemente dienen, macht das möglich. Denn zwischen ihnen, in einer Art Schiene, steckt ein strapazierfähiges Dichtungsmaterial aus Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (EPDM) und Moosgummi. "Weil die Dichtungen verdeckt montiert sind, bleiben sie auch weniger anfällig für Treibgut oder Chemikalien im Hochwasser beziehungsweise bei stationären Systemen kaum anfällig gegen UV-Strahlung", erklärt Firmenchef Mathias Groß. Am Ende sei die Entwicklung noch lange nicht. Flut-Schutz arbeitet mit der Hochschule Magdeburg zusammen, um die Systeme noch weiter zu optimieren. Zudem ist auf dem eigenen Firmengelände ein Versuchsstand aufgebaut, ein Wasserbassin aus den Aluminiumwänden.

"Wir wollen hier vor allem jetzt im Winter testen, wie sich der Frost auf die Teile auswirkt", sagt Mathias Groß. Der Versuchsstand dient als Langzeittest, in dem realen Einsatzbedingungen simuliert werden können, denn die Qualitätsprüfung hat für uns oberste Priorität, so Mathias Groß.

Bisher hat Flut-Schutz noch keine große Werbung gemacht. Doch die Kunden interessieren sich für die Produkte. Aus 23 Ländern ist die Homepage aufgerufen worden, erste Systeme sind verkauft. "Eine gute Entwicklung", meint Mathias Groß. Und vielleicht kommt den Leuten bei der nächsten Flut sofort wieder der Gedanke an Schönebeck. Aber nicht wegen des Deichbruchs im Elbe-Saale-Winkel oder der kaputten Schutzwand in der Altstadt, sondern wegen gut funktionierender Flut-Prävention.

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