Die Mitglieder des Industriemuseums Schönebeck wagen den Spagat. Sie wollen die damalige Wirtschaft der Stadt mit der heutigen Kunst verbinden. Erste Exponate des Schönebecker Künstlers Dario Malkowski sind inzwischen eingelagert beziehungsweise aufgestellt.

Schönebeck l Da ist den Mitgliedern des Schönebecker Industriemuseums ein Coup gelungen. Sie erhielten in Absprache mit dem Schönebecker Dario Malkowski Kunstwerke aus seinem Fundus und fast vergessene Werke aus dem öffentlichen Raum. Insgesamt sind es (vorerst) zwölf Skulpturen, die der Präsident des Industriemuseums, Georg Plenikowski, zum Teil an einem geheimen Ort sicher eingelagert oder schon aufgestellt hat. "Wir bereiten eine Sonderausstellung vor, bei der unter anderem Dario Malkowski eine wichtige Rolle spielen wird", berichtet Plenikowski der Volksstimme.

Zehn Exponate des Künstlers wurden dem Museum bereits übergeben. Zwei weitere rettete das Museum vor dem weiteren Verfall, denn nach dem Auszug eines Großteiles der Landkreis-Bediensteten aus dem Landratsamt am Cokturhof gerieten zwei Werke des 88-Jährigen Malkowskis fast in Vergessenheit: der Seeadler und die Bibergruppe.

Beide Teile wurden in den vergangenen Tagen mit Zustimmung des Landkreises abgebaut. Den Seeadler übernimmt Dario Malkowski nochmals in seine Atelier, um ihn aufzuarbeiten. Die Bibergruppe wurde bereits auf dem Gelände des Industriemuseums auf dem Außengelände aufgestellt. Den Abbau, den Transport und das Aufstellen haben die Mitarbeiter von Schapitz Grabmal übernommen - unentgeltlich. Inhaber Steinmetz- und Steinbildhauermeister Steffen Beran hat zu den Skulpturen eine besondere Verbindung. Er schuf nicht nur den Sockel der Werke, sondern stellte sie damals auch auf dem Gelände des Landrats-amtes auf. "Das war eine super Fügung, dass ausgerechnet Steffen Beran mit seiner Firma auch das Wissen hatte, wie die Skulpturen im Boden befestigt waren", freut sich Georg Plenikowski. Ruck, zuck waren die Teils verwitterten Steintiere aus dem Boden geholt und auf den Kleinlaster verladen.

Wann die schon jetzt sehr kostbaren Werke des Schönebecker Künstlers zu sehen sein werden, konnte Georg Plenikowski noch nicht sagen. Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Räume in der zweiten Etage neben der Industriehalle des Museums dafür herzurichten. Zwei Räume der Etage sind für Dario Malkowski reserviert. Nach ersten Schätzungen werden sich die Kosten der Sanierung und des Kaufs von Vitrinen auf rund 20000 Euro belaufen.

Befreundete Firmen und Unterstützer des Industriemuseums haben schon jetzt Leistungen im vierstelligen Bereich geschenkt. So die Salzelmener Heizungs- und Sanitärfirma von Jörg Lustinetz, die in der oberen Etage sozusagen von heute auf morgen Heizungen installierte und Rohre verlegte. Derzeit sind gerade Mitarbeiter des Unternenems Elektro-Service Schmidt in den Räumen. Zudem wurden von einer Firma, die ungenannt bleiben möchte, die Tapezierarbeiten erledigt. "Ohne diese Sponsorenleistungen wären wir aufgeschmissen", so Plenikowski, der sich jetzt vor allem über Geld freuen würde.

Vor allem auch noch aus einem anderen Grund: Neben der Malkowski-Ausstellung soll ein Raum für das sogenannte Siegelzimmer der Sparkasse hergerichtet werden. Sie hat Rechenmaschinen und andere Dinge zur Verfügung gestellt.

Warum nun ausgerechnet Kunst im Industriemuseum? "Warum nicht?", fragt Georg Plenikowski. Er könne sich als verbindendes Element vorstellen, dass die alte Figur "Maschinenarbeiter" des Markbrunnens im Museum aufgestellt werden wird. Damit würde der Bezug zwischen Industrie und Kultur geschaffen.