Eine Schönebeckerin, die auszog, um die weite Welt zu entdecken: Inga Strauch ist in der Elbestadt aufgewachsen und lebt heute in Toronto. Doch die 31-Jährige vermisst ihre Heimat und möchte wieder zurückkehren.

Schönebeck/Toronto l Was haben Toronto - die bevölkerungsreichste Stadt Nahe der Ostküste Kanadas - und Schönebeck gemeinsam? Die Antwort ist einfach: Es ist Inga Strauch. Die 31-Jährige ist in Schönebeck geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen bis zum Abitur. Seit 2013 lebt sie in Kanada. Auch wenn sie im Land der vielen Möglichkeiten ihren Traummann gefunden hat, so vermisst sie ihre Heimat sehr. Aufgrund der Entfernung kehrt sie nur selten in die Elbestadt zurück.

"Dieses Weihnachten war ich seit zwei Jahren mal wieder in Schönebeck, um meine Familie zu sehen", berichtet sie und fügt hinzu: "Es war so großartig an den Platz meiner Kindheit zurückzukehren, die vertrauten Plätze zu sehen und auch die vielen Neuerungen." Deshalb war Inga Strauch mit ihrer Mama einen Tag lang durch die Stadt gefahren, um so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln.

"Mir fehlt oft auch die deutsche Effizienz und Sparsamkeit."

Nicht nur das. In ihrem heutigen Wohnort vermisst die junge Frau nämlich einiges aus Deutschland. "Bäckereien, wo man schönes frisches Brot, am liebsten Schwarzbrot, und mal ein Stück Kuchen kaufen kann, gibt es in Toronto nicht", sagt sie. Und: "Ich vermisse die schön knackigen deutschen Würstchen." Sollte ein Nordamerikaner Wurstaufschnitte in guter Qualität haben wollen, "muss man im Delikatessen-Regal im Supermarkt schauen. Das bezahlt man dann natürlich". Für inga Strauch steht fest: "In Deutschland haben wir es ganz schön gut." Das begründet sie damit, dass das Essen gut und dennoch günstig sei. "Mir fehlt oft auch die deutsche Effizienz und Sparsamkeit", führt die 31-Jährige weiter aus und nennt dabei den öffentlichen Nahverkehr sowie die Regulierung der Heizungstemperatur als Beispiele. "Und natürlich vermisse ich hier auch die Sicherheit des deutschen Sozialsystems", sagt Inga Strauch.

Sie selbst übt derzeit zwei Jobs aus. In Deutschland hat sie Medienbildung in Magdeburg studiert und war danach in Hamburg im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig. "Hier in Kanada habe ich es derzeit noch schwer, in diesen Beruf zurückzukehren, da ich bisher nur ein temporäres Arbeitsvisum habe", erklärt sie. Darum arbeitet sie momentan als Kindermädchen und Rezeptionistin. "Das Leben in Toronto ist teuer, darum brauche ich zwei Jobs."

Auch wenn das Leben in Toronto so anders ist als in Deutschland, so hat Inga Strauch einen wesentlichen Grund, dort zu bleiben. Es ist der Grund, weshalb sie sich überhaupt niedergelassen hat: ihr Lebenspartner. Eigentlich, so die 31-Jährige, hatte sie nie vor, nach Toronto zu ziehen.

Angefangen hat die Odyssee der gebürtigen Schönebeckerin mit einem Jahr, das sie in Australien unterwegs war. Anschließend - 2011 - wollte sie auch durch Toronto reisen, immer auf der Suche nach Arbeit, um gleichzeitig Land und Leute kennenzulernen. "Ich habe gleich am Anfang hier in Toronto meinen Freund kennengelernt und auch eine gute Arbeitsstelle bekommen, sodass ich das ganze Jahr in Toronto blieb." Dann aber lief ihr Visum ab, und sie musste das Land verlassen. Daraufhin reiste die junge Frau durch die USA, Südamerika und Neuseeland. Um der räumlichen Trennung vom Freund ein Ende zu setzen, "kam ich im August 2013 zurück nach Toronto".

Die Entscheidung fiel ihr leicht. Doch das Heimweh nach Schönebeck ist eben groß. "Bislang hat es sich so ergeben, dass ich alle zwei Jahre um die Weihnachtszeit nach Deutschland, und dann natürlich auch nach Schönebeck komme, um meine Familie zu sehen", sagt sie.

"Mein Freund spricht kein Deutsch. Daran müssen wir arbeiten."

Trotz allem: Die 31-Jährige möchte in nicht allzu ferner Zukunft wieder zurück nach Deutschland kommen. Ihr Plan: "Wenn ich einmal Kinder habe, möchte ich, dass sie in Deutschland aufwachsen." Allerdings, sagt sie mit einem Augenzwinkern: "Mein Freund spricht kein Deutsch. Daran müssen wir arbeiten."

Und dann würde die Wahl-Kanadierin sogar nach Schönebeck zurückkehren? Ausgeschlossen ist es nicht. "Ziemlich lange hatte ich das Gefühl, es geht mit Schönebeck nur noch bergab", blickt Inga Strauch zurück und zählt die Schließung des Kinos sowie des Heizkesselwerkes als maßgebliche Beispiele auf. Fast alle ihrer Schulkameraden sind wegen der Jobsuche woanders hingegangen.

Auf der anderen Seite, so Inga Strauch, habe sie sich bei ihrem Besuch dieses Weihnachten gefreut zu sehen, wie der Bahnhofsvorplatz gestaltet und wie die Salineinsel entwickelt wurde. "Schönebeck hat auch wirklich schöne Ecken zu bieten", fasst sie zusammen.