Das Thema schnelles Internet kursiert gerade durch Schönebeck. Die gesamte Stadt verfügt über eine Grundversorgung. Die reicht in der Regel für Ottonormalanwender - aber auch für Firmen? Die Volksstimme hat sich umgehört.

Schönebeck l Die Stadt Schönebeck ist in punkto Internetverbindung relativ gut versorgt. Überall liegt eine Grundversorgung an, das sind 2 Megabit pro Sekunde (Volksstimme berichtete). Für den normalen Anwender reicht diese Leistung in der Regel aus. Weiße Flecken, also eine nicht vorhandene Anbindung, sind nicht bekannt. Ostelbische Orte (mit Ausnahme von Grünewalde) sowie der Industriepark West verfügen sogar über schnelles Internet (50 und mehr Megabit). Der Industriepark West ist in einem Pilotprojekt mit dem für schnelles Internet letztlich notwendigen Glasfaserkabel versorgt worden. Erstaunlich war jedoch die Reaktion mehrerer Firmenchefs, die mit der Grundversorgung vollkommen zufrieden waren. Ist schnelles Internet also gar nicht notwendig? Kann sich die Stadt die für eine Glasfaser-Versorgung nowendigen zehn Millionen Euro zur Aufrüstung sparen? Die Volksstimme hat sich gestern unter den hiesigen Betrieben umgehört.

Janine Blitz, Lorenz Lackierungen, Stremsgraben:

"Bei uns soll bald ein Breitbandanschluss kommen. Die derzeitige Grundversorgung ist für uns zu langsam, da wir zum Beispiel den Versicherungen große Mengen an Bildern zusenden müssen."

Angelika Jäckel, ITB GmbH, Gewerbegebiet Barbyer Straße:

"Von der Telekom haben wir eine DSL-Sonderleitung bekommen, da die Grundversorgung bei den vielen Abnehmern im Gewerbegebiet sehr langsam ist. Einen schnellen Breitbandanschluss hätten wir sehr gerne, andere Unternehmen wie Weckenmann und G G beispielweise auch. Aber die Telekom weigert sich seit Jahren, da etwas zu machen. Der Grund sei wohl, dass es technisch nicht machbar ist."

Jens Kurth, modus vivendi, Magdeburger Straße:

"Wir sind bei 1 1 und haben eine 6000er-Leitung. Wir hätten gerne schnelleres Internet, aber wir sind bereits am technischen Maximum. Allerdings beziehen wir bald neue Büroräume, in denen ein schnellerer Anschluss möglich ist. Wir brauchen eine schnelle Verbindung, da wir große Dateien wie Bilder, Animationen und Angebote per E-Mail versenden."

Inge Görsch, Firma Weckenmann, Gewerbegebiet Barbyer Straße:

"Wir haben eine 2000er-Leitung, aber gerne hätten wir mehr, da wir viel mit Zeichnungen hantieren und diese per E-Mail verschicken. Die Stadt Schönebeck hat bereits eine Umfrage dazu gemacht und sich nach Fördermitteln erkundigt, aber offensichtlich können wir keine bekommen."

Frank Sieweck, EMS GmbH, Schönebeck und Brumby:

"Die EMS ist gut aufgestellt. Das Unternehmen verfügt über ein Haupt-Rechenzentrum in Magdeburg sowie ein gespiegeltes Rechenzentrum am Standort Staßfurt-Brumby. Entsprechend wurde zu dem Haupt-Rechenzentrum - eigenfinanziert durch die EMS - eine leistungsfähige Glasfaserverbindung geschaffen, über die alle Standorte, das sind Schönebeck, Stassfurt, Brumby und Zerbst, optimal angeschlossen und vernetzt sind hinsichtlich der Daten, der Telefonie und des Internets."

Kerstin Werner, IGZ Inno-Life, Badepark:

"Wir benötigen das Internet natürlich arbeitsmäßig, zum Versenden und Epfangen von E-Mails und Informationen, aber dafür ist es eindeutig zu langsam. Vor allem aber möchten die Mieter unseren Räumlichkeiten das Internet nutzen."

Peter Liensdorf, Formen- und Werkzeugbau GmbH, Gewerbepark Barbyer Straße:

"Wir brauchen schnelles Internet definitiv nicht. Wir verfügen über eine separate Leitung, um Daten geschützt zu verschicken. Eine Datenmenge von 30 MB bekomme ich problemlos durch. Gigabite brauchen wir nicht. Zudem rechne ich mit hohen Anschlusskosten. Mit ein paar Euro mehr im Monat ist es ja nicht getan."

Stephan Schmidt, BQI, Bertolt-Brecht-Straße:

"Das IGZ Inno-Life hat einen DSL-3000-Anschluss. Wir haben für schnelleres Internet bereits bei der Telekom und Vodafone angefragt. Wir warten noch immer auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie von der Stadt Schönebeck, ob ein Ausbau der Leitungen denn möglich ist. Es gab sogar mal eine Diskussion mit dem Ex-Oberbürgermeister Haase zu diesem Problem, bei der betroffene Unternehmer anwesend waren. Dabei rumgekommen ist leider nichts, wie man sieht."

Guido Lenz, Ameos-Klinikum Schönebeck, Köthener Straße:

"Auf jeden Fall wären wir mit Glasfaser besser bedient. Wir haben ja auch viel vor. Im Moment nutzen wir ein gemeinsames Ameos-Netzwerk, das über die Klinik in Halberstadt läuft. Aber es ist nicht nur für uns, sondern auch für die Region wichtig, welche Infrastruktur im Boden liegt. Glasfaser würde uns auf jeden Fall helfen bei der Übertragung unserer zum Teil resigen Datenmengen, etwa bei Radiologie-Bildern. Wenn das nur so tröpfelt, kann man das vergessen. Glasfaser wäre für uns der Startschuss für neue Projekte, die wir sonst nicht anfassen könnten."

Michael Feibig, Ambulanz Mobile, Gewerbegebiet Barbyer Straße:

"Nach meinem Geschmack kann es gar nicht schnell genug sein. Wir haben ja einige Arbeitsplätze, die am Internet hängen. In bestimmten Zeiten wird es immer langsamer. Wir müssen uns auch Videos ansehen können. Den Bedarf für sehe ich auf jeden Fall gegeben. Früher waren die Datenmengen insgesamt geringer. Die Webanwendungen sind heute viel intensiver."

Alexandra Pommeranz, E-Center Schönebeck, Stadionstraße:

"Alles super und gut. Die Qualität ist erstklassig. Der Anschluss läuft ja über unsere Zentrale in Minden."

Peter Martini, Bundesverband mittelständische Wirtschaft mit Sitz in Magdeburg:

"Es kommt auf die Firma an und darauf, wo sie sich befindet. Im ländlichen Raum fangen einige an zu schwitzen, für die das Internet ein Arbeitsmittel ist. Schnelles Internet ist die Zukunft, und der Nutzen ist höher als die Kosten. Immer mehr Geschäfte werden über das Internet abgewickelt oder angebahnt.

Zudem nimmt das Arbeiten von Zuhause aus zu, da braucht es ebenfalls verlässliche Internetverbindungen. Es mag sein, dass schnelles Internet noch nicht bei allen Firmen auf der Agenda auf Nummer 1 steht. Aber es wird kein Weg daran vorbeiführen."