Die Ortschaft Biere in Bördeland hat drei neue Namen in ihrem Goldenen Buch stehen. Mit dieser Ehre ausgezeichnet wurden am Freitagabend Matthias Porzelle, Gerd Siebert und Hans-Jürgen Schulze.

Biere l Der Rahmen im Bürgerhaus war sehr festlich. Unzählige Menschen wuselten umher, bis kurz vor 19 Uhr Ortsbürgermeister Peter Buchwald schließlich vor die Leute trat und den feierlichen Abend eröffnete. "Die Eintragung in das Goldene Buch ist ein einmaliges Markenzeichen für Engagement und Einsatz", sagte Buchwald und fügte lobend hinzu: "Wenn es Menschen gibt, die hervorstechen, ja manchmal kleine Helden sind, dann müssen sie geehrt werden. Dafür haben wir diese Möglichkeit." Buchwald betonte auch, dass die Ortschaft "gewissenhaft" die Kandidaten auswähle. "Aus diesem Grunde hatten wir auch im vergangenen Jahr keine Eintragung", hob er hervor.

Schließlich spielte der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Biere, der Singekreis intonierte "Freude schöner Götterfunken" und dann war es soweit. Die Geehrten durften sich in das Goldene Buch eintragen.

Nur das getan, was man erwarten kann und muss

Zuerst wurde Superintendent Matthias Porzelle nach vorn gebeten. Heute ist er für den Kirchenkreis Egeln verantwortlich, doch davor wirkte er über ein Jahrzehnt in Biere. Begonnen hat seine Zeit kurz vor jenem Moment, von dem er selbst sagt, dass der "Atem der Welt still stand". Gemeint ist der 11. September. Nur wenige Tage vorher trat er seine Pfarrstelle in Biere an, und schon wurde er das erste Mal gefordert. Die Arbeit in der Gemeinde hat schließlich auch der Synode gefallen, sodass er Superintendent wurde. "Zum Leidwesen Bieres, aber zum Wohle der Kirche", wie man in Biere sagt. Porzelle selbst wollte von dieser Ehrung gar nicht in so hohen Tönen sprechen. "Ich habe doch nur das getan", meinte er in seiner Dankesrede, "was man von einem Pfarrer erwarten kann und muss." Beeindruckt zeigte sich der Theologe vor allem davon, dass ihn mit Helmut Bartlog ein Mann für die Eintragung in das Buch vorschlug, "von dem ich es nicht erwartet hätte". Er meinte damit die politische Gesinnung Bartlogs - er war für Die Linke im Ortschaftsrat Biere vertreten - die normal nicht für eine starke kirchliche Bindung steht. Unter dem Strich dürfte er aber eigentlich gar nicht dort stehen: "Meine Frau gehört in das Goldene Buch eingetragen und nicht ich."

Eine starke Frau spielt auch im Leben von Gerd Siebert eine große Rolle. Richtig ist eigentlich, dass es drei Frauen sind. "Ohne meine Mutter, meine Frau und meine Tochter, hätte ich nichts erreichen können", sagte Siebert. Der Musiker aus Leidenschaft gründete bereits früh in seinem Leben mehrere Bands und spielte lange im Lindenhof in Magdeburg. Seit der politischen Wende 1989/90 engagiert er sich für die "Crazy Girls", den Karnevalsverein und die Jugend in seinem Heimatort. "Seine Mädchen" tanzten auch am Freitag in extra für diesen feierlichen Rahmen neu angeschafften Kostümen.

Sichtlich gerührt saß er im Publikum, als Laudatorin Heike Kuzaj sein Leben würdigte. "Auch als 2010 bei ihm Krebs diagnostiziert wurde", erzählte Kuzaj, "war für ihn klar: `Ich werde kämpfen.`" Mit Tränen in den Augen nahm er schließlich den Blumenstrauß von Peter Buchwald entgegen und trug sich in das Goldene Buch ein. Die anwesenden Gäste würdigten Gerd Siebert mit einem langen Applaus.

Solches Engagement ist nicht selbstverständlich

Für sein Engagement geehrt wurde auch Hans-Jürgen Schulze. Der langjährige Wehrleiter in Biere - er amtiert seit 1991 - konnte gar nichts anderes werden als Feuerwehrmann. Denn bereits seine Mutter Elli und sein Vater Ernst sind in der Feuerwehr gewesen. "Ich bin dort hineingeboren wurden", gab er zu, "aber gezwungen hat mich niemand". Seit Jahrzehnten engagiert er sich für die Feuerwehr in Biere, Bördeland und über die Grenzen seiner Heimat hinaus. "Heute ist ein solches Engagement leider nicht mehr selbstverständlich", würdigte ihn Heike Kuzaj. Auch heute sei er - dem Rentenalter nahe - noch immer ein "wichtiger Ratgeber" für die Feuerwehr in Biere. In diesem Jahr wird er den aktiven Dienst verlassen. "Bis dahin will ich dem Nachwuchs noch den Weg ebnen", sagte er mit einem Lächeln im Gesicht. Und auch danach werde er sich noch weiterhin einbringen. "Wenn man eine Aufgabe begonnen hat, dann zieht man das auch durch."

Neben dem festlichen Abend bekamen alle Geehrten auch ein besonderes Geschenk von Tino Sorge überreicht. Sie dürfen einmal zwei Tage lang ihrem Wahlkreis-Bundestagsabgeordneten in Berlin über die Schulter schauen. "Damit sie auch einmal hinter die Kulissen blicken können", erklärte Sorge.

 

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