Nach der jüngsten Statistik zählt der Ortsteil Barby nur noch 3859, die gesamte Einheitsgemeinde 8678 Einwohner. Trotzdem kann die Stadt Barby den Bedarf an Wohnbauland nicht decken. 2011 stimmte der Ortschaftsrat einer "weiterführenden Untersuchung" zu, die potenzielle Bauland-Flächen im Stadtgebiet unter die Lupe nehmen sollte. Was ist daraus geworden?

Barby l Bereits 2010 legte das Bauamt eine Liste mit möglichen Wohnbauflächen vor. Doch das lang anhaltende Drängewasser zwang damals dazu, die bisherigen Untersuchungen erneut auf den Prüfstand zu stellen. Fazit: Fast alle ausgewiesenen Standorte waren überflutet. Wie Uschi Käsebier vom Bauamt unterstrich, seien "alle Flächen auf der `grünen Wiese` ausnahmslos betroffen gewesen". Mittlerweile würde das auch durch Satellitenfotos dokumentiert, die der Landesbetrieb für Hochwasserschutz zur Verfügung stellte.

Nach den Erfahrungen der jüngsten Dränge- und Hochwasserereignisse würde man zum Beispiel Barbys größtes Eigenheimgebiet "Spittelbreite" nicht wieder zur Bebauung frei geben. Wer dort einen Keller besitzt, hat auch ein Wasserproblem. Der steigende Colphus bringt die Anlieger am Westrand zunehmend in Bedrängnis. "Alte Barbyer" wunderten sich Anfang der 1990er Jahre sowieso, dass die Wiese zwischen Magdeburger Tor und Gribehner Weg als Eigenheimgebiet erschlossen wurde. Sie war in den Jahrzehnten zuvor immer mal wieder teilüberflutet.

Bauwillige Bürger mussten in den vergangenen Jahren immer wieder weg geschickt werden, da keine entsprechenden Flächen zur Verfügung standen.

Daraufhin verstärkte das Bauamt die Suche nach potenziellen Wohngebieten und Einzelstandorten. Ins Auge gefasst wurden Areale zwischen Gnadauer Straße und Colphuser Damm sowie die "Große Wiese", die hinter der Karl-Liebknecht-Straße/Wilhelmsweg liegt. "Ich weiß nicht, ob es stadtplanerisch zu verantworten ist, diese Gebiete zu bebauen", zweifelte die stellvertretende Bauamtsleiterin Uschi Käsebier bereits vor vier Jahren an. Denn hier stieg das Drängewasser besonders 2010/11. Abgesehen davon, dass Bauflecke aufgeschüttet werden könnten, um in den drängewassersicheren Bereich zu gelangen, gab die Stadtplanerin noch einen anderen Aspekt zu bedenken: "In den vergangenen hundert Jahren wurden viele Flächen bebaut, auf denen sich das Wasser heute nicht mehr ausdehnen kann. Wir würden jetzt dasselbe tun." Auch Bauamtsleiter Holger Goldschmidt stellt die provokante Frage: "Auf der einen Seite sollen heute Überflutungspolder geschaffen werden, auf der anderen wollen wir Boden versiegeln und Bauflächen aufschütten?"

"Die Hoch- und Drängewasserflächen wurden von uns genau dokumentiert", sagte Uschi Käsebier mit dem lakonischen Hinweis, dass "der Mensch vergesslich ist und gern Dinge von der Festplatte des Gehirns löscht".

"Von hohen Grundwasserständen primär nicht betroffene Standorte befinden sich ausschließlich innerhalb der geschlossenen Ortslage", so die Frau vom Bauamt. Außer dem Fabrikhof nannte sie die Breite Straße 46/48 und Breite 39/ Ecke Brücktorstraße. Letztere zwei Flächen befinden sich allerdings in Privateigentum.

Jegliche Untersuchungsabsichten, wie die von 2011, spülte im übertragenen Sinne die Katastrophenflut 2013 weg. Damals offenbarte sich wie nie zuvor, welche Barbyer Flächen wassergefährdet sind und welche nicht. Darunter sogar Straßenzüge wie die Bebel-, Friedrich- oder Gethsemanestraße, die von unseren Vorfahren angelegt wurden, denen man mehr Respekt vor den Naturgewalten nachsagt, als uns.

Infolge des hohen Schuldenberges ist die Stadt derzeit sowieso nicht in der Lage, ein Eigenheimgebiet zu erschließen, wofür sich beispielsweise die Nordwest-Seite des Colphuser Damms anbieten würde. "Es ist schwierig, eine Stadt nach außen zu entwickeln", gab Holger Goldschmidt zu bedenken.

Der Stadt Barby bleibt deshalb heute weiter nichts übrig, als auf innerstädtische Flächen sowie die Eigenheimgebiete von Pömmelte und Zuchau zu verweisen. Dort sei noch Platz.

Bilder