Rathaus und Experten untersuchen derzeit, ob es möglich ist, die Salzer Straße in Schönebeck wieder für den Zweirichtungsverkehr zu öffnen. Die Fahrbahn gibt das her, technische Voraussetzungen müssen aber erfüllt werden, was Geld kostet.

Schönebeck l Neu ist die Idee nicht und einen gewissen Charme hat sie ohnehin: Die Altstadt könnte auf einer der zentralen Achsen nicht nur schneller erreichbar sein, sondern man würde auch gut wieder in die Friedrichstraße zum zweiten Einkaufsschwerpunkt der Elbestadt zurückgelangen. Wenn nämlich die Salzer Straße nicht mehr wie bisher Einbahnstraße ist, sondern von allen Verkehrsteilnehmern in beide Richtungen befahrbar ist. Als Provisorium gab es diese Verkehrsführung bereits - die Salzer Straße war da Umleitung für die Tischlerstraße/Söker Straße, als hier unweit des alten Feuerwehrdepots der Kreisverkehr gebaut wurde.

Tempolimit für die Autofahrer

Geht es nach den Plänen der Stadtverwaltung und der Arbeitsgruppe Rad in Schönebeck, beraten von einem Expertenbüro, könnte es bald ernst werden mit der Idee. "Die Überlegungen zielen schon lange darauf hin, die Salzer Straße nicht nur verkehrlich zu beruhigen, sondern zunächst auch für Radfahrer in beide Richtungen passierbar zu machen", nennt Schönebecks Dezernent für Bauen und Verkehr, Guido Schmidt, die Ausgangssituation. Denn beim gegenwärtigen Istzustand entstehen besonders für die Radfahrer, die Richtung Friedrichstraße fahren wollen, weite Umwege. Im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt sei dieser Gedanke der Öffnung für die Radler festgezurrt worden.

Die Beruhigung, die der Ressortchef anspricht, meint nicht, dass kein Auto mehr in der Salzer Straße fahren darf. Im Gegenteil: In Gesprächen mit den ansässigen Händlern sei deutlich geworden, dass man diese Belebung wolle. "Aber mit neuen Geschwindigkeiten", sagt Guido Schmidt und deutet ein Tempolimit von 20 oder 30 Stundenkilometern an.

In ersten Gesprächen war zunächst angedacht, es lediglich Radfahrern möglich zu machen, entgegengesetzt zur Einbahnstraßenregelung die Straße zu befahren. Dazu sollte es nur noch eine einspurige Fahrbahn geben. Problem wäre aber, so der Dezernent, dass die Parktaschen auf der linken Seite in Richtung Salzturm von den Autofahrern schwerer zu erreichen wären, weil sie eine Radspur kreuzen müssten. Unfallgefahren vorprogrammiert!

Jetzt überlegt man den "großen Wurf", die Öffnung für den Straßenverkehr in beide Richtungen. Mit Simulationen habe man bereits getestet, wie sich Verkehrsströme ändern würden und könnten, erklärt Guido Schmidt. Zudem habe es Zählungen und Absprachen mit den übergeordneten Behörden und der Polizei gegeben.

Sensible Ampelschaltung erweitern

Vom baulichen Zustand lässt die Straße den Zweirichtungsverkehr zu und Guido Schmidt sagt auch, dass es nur wenige technische Veränderungen geben müsse.

Knackpunkt für die Ideen bleibt der Knotenpunkt, das Bahnbrückental mit seiner Doppelkreuzung Söker Straße/Köthener Straße/Bahnhofsstraße. "Die Ampelanlage am Bahnbrückental ist sensibel auf die verschiedenen aufeinander einströmenden Verkehre eingestellt", sagt Dezernent Guido Schmidt. Eine Umprogrammierung samt nötigen technischen Anlagen wie Schleifen in der Fahrbahn sei kostenintensiv und könne je nach Umfang bis zu 20 000 Euro kosten. "Um das anzugehen, brauchen wir noch mehr belastbare Daten." Die Stadt will weitere Prüfungen vornehmen. Das Ergebnis ist dann, dass die Verwaltung dem Bauausschuss und dem Stadtrat Möglichkeiten aufzeigt und eine Vorzugsvariante empfiehlt. Die politische Diskussion dazu könnte im Frühjahr starten. "Vorbehaltlich bereitstehender haushalterischer Mittel in diesem Jahr wollen wir in diesem Jahr auch die Veränderung vornehmen, wenn das so gewollt ist", nennt Guido Schmidt den möglichen Zeitplan.

Thoralf Winkler, Mitglied im Schönebecker Stadtrat und Initiator der Arbeitsgruppe Rad, freut sich über die Bewegung, die in das Salzer-Straßen-Projekt gekommen ist. "Sie ist eine wichtige Achse für Radfahrer, die aus Richtung Elbe in die Stadt und nach Bad Salzelmen wollen. Ich begrüße die Ideen, die Straße in beide Richtungen zu öffnen." Wichtig sei die große Variante auch, so Thoralf Winkler, weil man damit nicht nur einer Verkehrsteilnehmergruppe, den Radfahrern, sondern allen gleichermaßen gerecht würde.