Die Samba- und Karnevalshochburg Brasilien ist beim Karneval in Biere in diesem Jahr Vorbild. Cheforganisatorin Josefine Radmer hat den Programmablauf schon seit einem Jahr vor Augen.

Biere l Die Karnevals-Saison kann für Josefine Radmer nicht früh genug beginnen. "Direkt nach dem letzten Auftritt 2014 habe ich schon angefangen, mir Gedanken über das nächste Jahr zu machen", verkündet eine gut gelaunte Vortänzerin. Sie ist die Hauptverantwortliche für das Programm des Karneval-Clubs Biere. Die heiße Phase der Vorbereitung beginnt dort meistens schon im Oktober mit der Auswahl der Kostüme - die meisten davon sind handgenäht. Einige hat sie aber auch zu nächtlicher Stunde bei E-Bay aus China und Thailand ersteigert. Die Vielzahl der ausgefallenen Outfits sei anders gar nicht zu bezahlen, sagt Radmer.

Vier teils hektische Monate sind seit Oktober vergangen. Heute kann Radmer behaupten, dass sie dank ihrer perfekten Planung alles unter Kon-trolle hat. Die Kostüme passen, das Programm steht auch. Die "Crazy Girls" sind sowieso gut vorbereitet. Längst ist die Tanzgruppe durch zahlreiche Auftritte weit über Bieres Ortsgrenzen hinaus bekannt. Routiniert sind sie. Auch der Chef-Choreografin Radmer merkt man an, dass sie seit Kindes-tagen mit dem närrischen Treiben zu tun hat. Vor 20 Jahren wurde sie mit dem Karnevals-Virus infiziert. Ihre Großmutter Lisa war eines der Gründungsmitglieder, Vater Gerd Siebert ist der Präsident des Vereins. Radmer arbeitet hauptberuflich als Bankangestellte, nebenbei stemmt sie seit acht Jahren die Planung der Abläufe. "Wenn die Leute vom Programm begeistert sind, ist das Bestätigung und Lohn genug", sagt Radmer ganz ohne Eigenlob. Von selbst versteht sich, dass sie jederzeit vom Erfahrungsschatz der karnevalsbegeisterten Familie profitieren darf. "Ramba, Samba und Olé, feiern mit dem KCB" heißt das Programm in der diesjährigen Auflage. Nach dem traditionellen Gardetanz wird es diesmal noch bunter als gewohnt. Es geht auf eine imaginäre Reise nach Brasilien, das Land, in dem Karnevalsfestivitäten immer noch etwas pompöser und farbenfreudiger als im Rest der Welt ausfallen, in dem Sambaschulen ganzjährig Choreografien proben und auch mal der eine oder andere Po schönheitschirurgisch so umgebaut wird, dass er auf demFestwagen besonders gut zur Geltung kommt. Solche Täuschungsmanöver stehen bei den "Crazy Girls" nicht zur Debatte. Die Kostüme sind Blickfang genug. Blaue Perücken, grüne Shorts und blaue Corsagen - die brasilianischen Landesfarben finden sich in jeder Faser der Outfits wieder. Beim Anblick der modernen Choreografien vergisst man beinahe die lange Tradition des Karnevals in Biere. 1972 hatte der heutige Ehrenpräsident Klaus Gabriel den Club ins Leben gerufen. Der 84-Jährige ist auch heute noch dabei - er näht bei Bedarf Kostüme.

Zum Programm: Die einzelnen Tanzgruppen bewerben sich vor dem Elferrat mit einem Musiktitel. Der Rat entscheidet dann, ob die Gruppe ein symbolisches Flugticket erhält und mit dem Flieger gen Südamerika starten darf. Gerd Siebert und Heinz Zickner führen durchs Programm - und fungieren später als Piloten der Karnevalisten-Maschine. Von Helene Fischers Hit "Atemlos" untermalt, startet die Maschine schlussendlich in den Abendhimmel.

Die Veranstaltung dauert in diesem Jahr zwei Stunden. Am Ende ist das Flugzeug an der Copacabana gelandet. Zu diesem Zeitpunkt hat Josefine Radmer schon längst das nächste Karnevals-Programm im Kopf.

Die Termine: 7./14. Februar (20 Uhr), 15. Februar (15 Uhr). Der Einlass erfolgt jeweils eine Stunde vorher, Restkarten sind noch erhältlich.