Am Mittwoch bot sich für alle Interessierten die Möglichkeit, auf Schnupperkurs mit den Ausbildungsmöglichkeiten der Schönebecker Berufsschulen zu gehen. Die verschiedenen Fachbereiche bereiteten ein vielfältiges Programm für ihre Besucher vor.

Schönebeck l Die von Licht durchfluteten Gänge der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Schönebeck öffneten am Mittwoch ihre Türen. Zum Tag der offenen Tür konnten interessierte Schulklassen in die Unterrichtsräume der Einrichtung schauen und sich ein Bild von ihrer möglichen Zukunft machen.

Besonders präsent ist dabei der Fachbereich der Pädagogik. Die angehenden Erzieher und Pfleger zeigen in verschiedenen Workshops eine Vielzahl an Methoden, die sie in den vergangenen Jahren und Monaten erlernt haben. Eine Gruppe zeigt Lichtspiele mit ausgedachten Geschichten. Neugierigen Zuschauern wird hiermit gezeigt, wie sich die eigene Kreativität zur Förderung von Kindern einsetzen lässt und wieso sich eine Ausbildung zum Erzieher lohnt. Auch die weiteren Workshops zeigen, mit welchen Methodiken den Kindern das Lernen erleichtert werden soll. In Holzkästen voll feinem Sand werden mittels Magneten und anderen Werkzeugen einige Formen und Buchstaben eingezeichnet. Dadurch taugen die Kästen nicht nur als kleine Fußballfelder, sondern auch zur Schreibunterlage. "Damit lassen sich tolle Spiele spielen. Aber es soll den Kindern auch erleichtern, das Schreiben zu erlernen", erläutert Dirk Pütter (45). Er unterstützt als externer Schulungsleiter die Arbeitsgruppen der Berufsschule.

Auch die Kreativität im Lernalltag der Vorschüler soll gesteigert werden. Wie das aussehen soll, zeigt der Workshop des darstellenden Spiels, der gleichzeitig als Informationsveranstaltung genutzt wird. Hier beschreiben Lernende den bisherigen Werdegang ihrer Ausbildung und erklären interessierten Zuhörern den Ablauf ihrer Schulzeit, Prüfungen und Praktika. Anschließend erzählt die für die Klasse verantwortliche Lehrerin von sich selbst und ihrer Motivation für den Beruf. "Bei einem pädagogischen Beruf muss man voll dahinterstehen, ansonsten kann man es sein lassen. Ich kann andere nicht zum Glimmen bringen, wenn ich nicht selbst ein wenig Feuer habe", verkündet Heidelind Richter (53), die selbst seit Jahren an der BBS unterrichtet. "Den Wunsch, Lehrerin zu werden, hatte ich schon immer. In der DDR wurde ich dann an eine Berufsschule geschickt - obwohl das nie mein Wunsch war. Aber mittlerweile bin ich mit voller Kraft dabei und widme meine Freizeit ganz der Schule und den Schülern".

Die übrigen Workshops aus dem sozialen Fachbereich präsentieren vor allem kreatives Gestalten. Hier wird gezeigt, wie sich mittels Zeichnen, Basteln und Musik Jung und Alt zum Spielen animieren lassen. "Die musikalische Ausbildung ist auch ein wichtiger Teil zur Förderung von Kindern", erzählt Deutschlehrerin Andrea Pongratz (43), die die Volksstimme beim Tag der offenen Tür von Raum zu Raum führt.

Neben den erzieherischen Ausbildungen hat die BBS im Schönebecker Stadtteil Frohse eine breite Auswahl an technischen Berufswegen. Handwerklich affine Schüler haben hier die Möglichkeit, sich zum KFZ-Mechatroniker oder Binnenschiffer ausbilden zu lassen. "Die Berufsschule war bis 1994 noch eine reine Schule für Binnenschifffahrt", verrät Lehrerin Susan Westphal (44). "Erst ab dann hat die Schule ihr Profil um den pädagogischen Bereich erweitert."

Georg Alex (60) kennt die nautische Zeit der Schule noch gut. "Seit 1982 bin ich hier Ausbilder. Ich selbst bin acht Jahre lang zur See gefahren, also habe ich auch den entsprechenden Hintergrund", erzählt der einstige Seefahrer stolz. In seinem Kurs lernen interessierte Teilnehmer gerade, wie man die verschiedenen Seemannsknoten bindet.

Kompetenz und Engagement machen die Schule besonders

"Das Besondere an unserer Schule ist, dass wir sehr eng mit den Praktikumseinrichtungen unserer Schüler zusammenarbeiten", antwortet Susan Westphal auf die Frage, was die BBS in Schönebeck denn von anderen Berufsschulen unterscheide. "Außerdem bereiten wir viele Feierlichkeiten, Feste und Aufführungen für Kindereinrichtungen im Salzlandkreis vor."

Auch die Schüler finden ohne längeres Nachdenken viel Positives an ihrer Schule. Dem angehenden Erzieher Tim Reiche (21) fällt spontan die "sehr hohe Kompetenz der Lehrer" ein. "Man wird auch während der Praktikumszeit wirklich gut betreut. Auch das umfangreiche Spektrum an Unterrichtsfächern finde ich sehr beeindruckend." Das Zwischenmenschliche ist für die Auszubildenden auch ein wichtiger Aspekt des Lernalltags. "Durch die verschiedenen Altersgruppen und die Herkunft aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten gewinnt man viel Erfahrung." Das bestätigt auch Schülerin Kathleen Bahndorf (32): "Diese Unterschiede zwischen uns allen bereiteten am Anfang Schwierigkeiten, aber mittlerweile fühlen wir uns in der Klasse sehr wohl. Viele stehen noch ganz am Anfang des Berufslebens, andere - so wie ich - haben schon einige Jahre an Arbeitserfahrung. Die Schule ist sehr facettenreich." Bei insgesamt 879 Schülern ist das keine große Überraschung. "Aber die Unterschiede machen es aus."