Die Kulturszene der Stadt Schönebeck hat einen bedeutenden Künstler und sympathischen Menschen verloren. Am Abend des 23. Januar starb der Maler und Bildhauer Eberhard Frank nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren. Ein Nachruf.

Schönebeck l Das Arbeitszimmer von Eberhard Frank in seinem Haus am Schönebecker Markt trug seine Bezeichnung zurecht. Hier sah es nach Arbeit aus, nach viel Arbeit, angehäuft in den Jahrzehnten. Jede Menge Pinsel, Farben, Leinwände und Bilder fanden sich in dem kleinen Raum mit Blick auf den Hinterhof. Sogar ein Selbstportrait von Werner Tübke hielt Eberhard Frank hier in Ehren. Es zeigt den jugendlichen Tübke, ernst dreinblickend. Das Bild war einst ein Geschenk an die Familie Frank.

Nein, in eine Liga mit dem großen Tübke wollte sich Eberhard Frank auf gar keinen Fall stellen lassen. Er lächelte und wehrte die indirekt gestellte Frage mit einer Handbewegung ab. Er suchte Zeit seines Lebens nach künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, aber auch nach Antworten auf die großen Lebensfragen. Gerne tief schürfend, gerne philosophisch. Am 23. Januar ist Eberhard Frank nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Am 23. März wäre der Maler und Bildhauer 80 geworden.

"Farbe bestimmte sein Leben."

Dorothea von Pock

"Farbe bestimmte sein Leben." Das ist die erste Assoziation, die Dorothea von Pock mit dem Künstler herstellt. Die Nachricht von seinem Tod macht die ehemalige Kulturbeauftragte im einstigen Landkreis Schönebeck betroffen. "Farbe bestimmte sein Leben, wie das seiner Vorfahren", ergänzt die engagierte Frau, die Kontakt zu vielen Schönebecker Künstlern hält. Weiter beschreibt sie Eberhard Frank gegenüber der Volksstimme mit folgenden Worten: "Er war hochsensibel, bescheiden, sympathisch, mit einem Schuss Besessenheit. Er wollte nie große Worte machen, ließ lieber seine Arbeiten für sich sprechen. Seine Hände redeten stets mit, malten lebhaft auch ohne Pinsel."

Der Freundes- und Bekanntenkreis um Eberhard Frank habe ihn erlebt als ewig Lernenden, Suchenden mit einem häufig trockenen, herzerfrischenden Humor. Zu seinem Lebenswerk schätzt Dorothea von Pock ein, dass neben Darstellungen von Landschaften in Öl, Aquarell oder als Grafik seine kraftvollen Aktzeichnungen, seine eigene Vision vom weiblichen Körper, einen interessanten Schaffensraum einnehmen.

Weiter sagt sie: "In den Jahren seiner künstlerischen Arbeit ging er mehr und mehr den Weg zur abstrakten Malerei. Dabei ließ er die Entwürfe gern reifen. Das konnte Tage, aber auch Jahre dauern."

Von Eberhard Frank geschaffene Kleinplastiken aus Metall entstanden seit den 1960er Jahren, anfangs nebenbei, da ihm die Malerei zunächst wichtiger erschien. "Die witzigen, teilweise skurrilen Körperformen, entdeckt im Alltag, zeigen die heitere Seite unseres verehrten Künstlers. Inzwischen sind sie aus seinem umfangreichen Schaffen nicht mehr wegzudenken", rundet die ausgewiesene Förderin der schönsten Künste das Bild des am 23. März 1935 in Magdeburg geborenen Eberhard Frank ab.

Frank ist übrigens der figürliche Schöpfer des Schönebecker Rathauspreises, der erst kürzlich wieder vergeben worden ist. Er stellt die Elbe als Frauenfigur im Ensemble des Marktbrunnens dar. "Dieser Preis wird mit dazu beitragen, dass wir unseren Künstler Eberhard Frank noch recht lange in Erinnerung behalten", meint Dorothea von Pock.

"Sein Tod berührt mich sehr."

Hans Both

Zu den Wegbegleitern Franks gehört auch der Calbenser Maler Hans Both. Als junge Männer besuchten die beiden den Zirkel bildender Künstler im ehemaligen Traktorenwerk, ein damals gängiges Gremium. Im ehemaligen Bezirk Magdeburg gehörten Both und Frank zur Förderklasse Volkskunst, insgesamt zählte die Gruppe zwölf Personen. Hans Both hat den Verstorbenen als "gewissenhaften und ruhigen Menschen" wahrgenommen, der seine Arbeit, seinen Ausdruck also aus dem eigenen Empfinden heraus suchte. "Sein Tod berührt mich sehr", sagt Hans Both. Gemeinsam mit Eberhard Frank hat er nicht nur die künstlerische Passion, der gebürtige Ostpreuße ist ebenfalls Jahrgang 1935, geboren am 16. April. Zum 80. Geburtstag der beiden sollte es im Frühling eine Doppelausstellung im Stadtwerkehaus geben. Ist die nun in Frage gestellt?

Antwort weiß Dorothea von Pock: "Wir werden daran festhalten."

Noch ganz unter dem emotionalen Eindruck des unerwarteten Ablebens steht Franks Schwester, Eva Punken. Auf Bitte der Volksstimme erinnert sie sich an die gemeinsame Kinder- und Jugendzeit mit ihrem vier Jahre älteren Bruder. "Wir lebten in einer wunderbaren Familie. Trotz der schweren Nachkriegszeit hatten wir eine glückliche Kindheit. Das hat uns geprägt", hebt sie hervor und ergänzt: "Alle kannten ihn als freundlichen Menschen, als gerechtigkeitsliebend." Die Beisetzung, so Eva Punken, soll am 9. Februar auf dem Westfriedhof sein.

Im Schönebecker Rathaus spricht Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz von einer "traurigen Nachricht, die uns erreicht hat". In einer Mitteilung lässt er verlauten: "Eberhard Franks Großeltern und Eltern besaßen hier eine Malerfirma. Als Schüler besuchte der Künstler unter anderem die legendäre Fachschule für angewandte Kunst in Magdeburg und nahm in der Folge an zahlreichen Ausstellungen teil. Seine Werke erfreuten an vielen Orten das Auge des Betrachters und bereicherten das Antlitz von Räumen und Gebäuden der Elbestadt und ihr kulturelles Leben. Ein Beispiel sind die kunstvoll gestalteten Verse des Altarraumes der St.-Jakobi-Kirche. Eberhard Frank war jahrelanges Vorstandsmitglied des Kultur- und Heimatvereins, welcher insgesamt elf große Ausstellungen ausrichtete, viele davon in Kultureinrichtungen im Altkreis Schönebeck, aber auch auswärts. Auch in Kassel und Garbsen wurden die Werke ausgestellt."

Auch Oberbürgermeister Bert Knoblauch drückt auf diesem Wege seine Trauer und sein tief empfundenes Mitgefühl gegenüber den Angehörigen des Künstlers aus. Hans-Peter Wannewitz im Namen des Oberbürgermeisters: "Eberhard Frank bleibt auch für ihn unvergessen und findet seinen würdigen Platz in der verdienstvollen Reihe großer Schönebecker Künstler. Sein Schaffen wird die Stadt immer in Ehren halten."