Zur Jahreshauptversammlung hatte die Ortswehr Pretzien am Freitag eingeladen. Es fehlt zwar weiterhin an eingeforderter Technik, Wehrleiter Michael Vorwerk lobt dennoch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

Pretzien l Für den Leiter der Ortswehr Pretzien, Michael Vorwerk, war es Freitagabend wieder einmal Zeit, um Bilanz zu ziehen. Unter dem Strich rechnete er ein ganzes Jahr ab. 2014, sagte er vor versammelter Mannschaft und mehreren Gästen, "war sehr ereignisreich aus der Sicht der Freiwilligen Feuerwehr Pretzien".

Insgesamt rückte die 31 aktive Kameraden zählende und rund um die Uhr einsatzfähige Wehr zu 18 Einsätzen aus, davon waren elf Brandeinsätze und sieben Einsätze zur technischen Hilfeleistung. Besonders in Erinnerung geblieben ist den ehrenamtlichen Helfern ein Unfall in Höhe der Alten Fähre am 26. Mai. Hier musste eine eingeklemmte Person aus ihrem Fahrzeug befreit werden. Es gab auch drei Fehl-alarme, die offenbar gezielt von einem inzwischen von der Polizei ermittelten jungen Mann ausgelöst wurden.

Michael Vorwerk hat eine recht lange Liste erarbeitet und alle wesentlichen Punkte zur materiellen Ausstattung aufgeführt. Nach fast einem Jahr Reparatur-Zeit konnte die Wehr einen Bootsmotor wieder in Empfang nehmen. Somit steht das Feuerwehrrettungsboot der Pretziener wieder für alle Einsätze bereit.

Wenn es darum geht, Einsatzkleidung in Spezialgrößen zu beschaffen, müssen sich die betreffenden Kameraden erfahrungsgemäß in Geduld üben. Bereits in der Jahreshauptversammlung 2014 ist das Problem angesprochen worden. Das brachte was: Der Feuerwehrförderverein Pretzien klemmte sich hinter die Beschaffung von zwei Hosen und konnte sie erfolgreich ordern. Fast zeitgleich trudelte eine von der Stadtverwaltung aufgegebene Bestellung ein. Zudem wurden noch fehlende Einsatzjacken (sehr kurze) und Einsatzhandschuhe mitgeliefert.

Unbürokratisch, wie Vorwerk sagt, konnte eine komplette Schaumbeladung für den TLF 16 geliefert werden. Das Einsatzfahrzeug war ohne Schaummittel an die Feuerwehr Pretzien überstellt worden. Zu den Neuanschaffungen gehört ebenso ein Überdruckbelüfter und ein Rettungszylinder RZ 1. Für Feuerwehrleute sind das unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände, um Einsätze wirkungsvoll zu fahren.

Richtig stolz ist der Wehrleiter auf seine vier Mitstreiter Matthias Ballerstedt, Dietrich Pfannschmidt, Frank Güllmeister und Nicky Stamm. "Ihnen gilt mein besonderer Dank. Sie haben in unendlich vielen Stunden ihrer Freizeit einen alten Anhänger mit DDR-Technik in einen Rüstanhänger verwandelt, der moderne, dem heutigen Stand der Technik entsprechende Gerätschaften enthält", erläuterte Vorwerk (dazu noch einmal mehr in einer kommenden Ausgabe).

Unter dem Punkt "Allgemeine Kritikpunkte" betonte der Chef der Pretziener Blauröcke: "Auch in diesem Jahr möchte ich mit Nachdruck verweisen, dass ein neues Tanklöschfahrzeug unabdingbar ist." Denn das alte Tanklöschfahrzeug (TLF), ein W 50 aus DDR-Produktion, Baujahr 1988, sei zwar noch einsatzbereit, aber dafür müsse es auch ausgiebig gepflegt werden, in Arbeitsstunden, die die Kameraden in ihrer Freizeit leisten. Doch jünger werde das Fahrzeug freilich nicht. Die Bremsanlage halte nicht mehr den erforderlichen Luftdruck im System. Folge: Es muss bei einem Alarm erst einmal zwei bis drei Minuten im Stand mit laufenden Motor in der Fahrzeughalle stehen, bevor sich die Bremsen lösen und es einsatzbereit ist. Hinzu komme jüngst noch ein anderes technisches Problem. "In einem Brandeinsatz, wo es unter Umständen auch um Gefahr für Leib und Leben geht, ist das kein hinnehmbarer Zustand", sagte Vorwerk. Sein ausdrücklicher Zusatz in Richtung Stadtverwaltung: "Daher geht nunmehr nochmals die Forderung heraus, wie geplant 2016 ein neues TLF zu beschaffen. Anzumerken ist noch, dass es zwingend ein Tanklöschfahrzeug mit mindestens 2500 Liter Wassertank, Allrad, Schaummittelvorrat, Lichtmast und Staffelkabine sein muss." Vorwerk warnte davor, aus Kostengründen von "diesen Minimalforderungen" abzuweichen. Bis zur geplanten Anschaffung in 2016 muss sich der alte W 50 also noch einige Male für den Einsatz warmlaufen.

Der Pretziener Probleme damit noch nicht genug. Vorwerk ist der Ansicht, dass die von ihm geleitete Wehr unbedingt auch einen Mannschaftstransportwagen braucht, da derzeit bei Einsätzen viele Kameraden mit ihren persönlichen Autos losfahren, da im Einsatzfahrzeug nur 15 Personen Platz finden. Zudem könne ein solcher MTW auch als Kommandowagen genutzt werden. Beim Hochwasser 2013 sei das Fehlen eines Kommandowagens als peinlicher Umstand in Erscheinung getreten: Bei der Stadt Gommern musste darum geworben werden, dem Einsatzleiter ein solches Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. Die Stadt Schönebeck halte, so Vorwerk, mit ihren acht Feuerwehren nur zwei solcher Fahrzeuge bereit, beide stehen in Schönebeck.

Insgesamt äußerte sich der Pretziener Wehrleiter aber sehr versöhnlich hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der Verwaltung. "`Geht nicht.` Das war immer mein Eindruck. Dieses Jahr muss man fairer Weise sagen: `Geht nicht - gibt`s nicht.` Nach einer Aussprache mit Oberbürgermeister Bert Knoblauch und Dezernent Joachim Schulke läuft jetzt alles sehr unproblematisch ab."