Zum zweiten Mal haben die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Schönebeck und der CDU-Stadtverband Schönebeck zu einem gemeinsamen Neujahrsempfang eingeladen. Ort der Veranstaltung war am Freitagabend der Dr.-Tolberg-Saal. Zu den Gästen gehörte unter anderem Landesinnenminister Holger Stahlknecht.

Schönebeck l Zwei Themen standen am Freitagabend beim Neujahrsempfang der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung und des CDU-Stadtverbandes Schönebeck im Mittelpunkt: der Wert der demokratischen Grundordnung sowie Chancen und Verantwortung, die mit der modernen Informationstechnik (IT) verbunden sind. Zum ersten Thema sprach Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU), zum zweiten Thema Dirk Bartens, beratender Ingenieur in der Schönebecker IT-Firma SBSK.

"Wir können uns glücklich schätzen, in einer demokratischen Grundordnung zu leben."

Holger Stahlknecht

Einen weiten Bogen spannt Holger Stahlknecht. Er bittet die Anwesenden, sich Schönebeck im Mittelalter vorzustellen, versehen mit einer Stadtmauer und Stadttoren. Was wäre geschehen, wenn die Tore fest verschlossen worden wären? Kein Handel mehr. Keine Kommunikation nach draußen. Keine Welterfahrung. "Unvorstellbar? Aber genau das war Realität im östlichen Teil Deutschlands", macht der Minister auf die Zeitspanne von 1961 bis 1989 aufmerksam. Stahlknecht ausdrücklich: "Die Freiheit haben die Menschen hier erkämpft - niemand in der alten Bundesrepublik. Wenn wir das Revue passieren lassen, können wir uns glücklich schätzen, in einer demokratischen Grundordnung zu leben." Es sei unangemessen zu hinterfragen, wieviel die deutsche Einheit gekostet habe. Es frage schließlich auch niemand, wie hoch der Preis war, den die Menschen in der ehemaligen DDR bezahlt haben.

"Ich denke, dass wir nach 25 Jahren sagen können, wir haben ein stabiles System, dass wir eine wirtschaftlich positive Entwicklung haben. Und dass wir für die Demokratie kämpfen müssen. Dabei stehen auch Sie als Unternehmer in der Pflicht. Und dass das richtig schwierig sein kann, sehen wir an Pegida und Magida."

Stahlknecht plädiert jedoch dafür, dass jeder seine Meinung, seine Sorgen äußern dürfe. "Das gilt auch für die, deren Meinung wir nicht teilen."

Zum Thema Asyl sagt der Ressortchef: "Für Menschen ohne Asylgrund gilt, was im Gesetz steht: Sie sind abzuschieben. Und das muss ich sagen können, ohne in die nationalistische Ecke geschoben zu werden." Sein Appell an alle Asylsuchenden: "Die, die zu uns kommen, haben unser Grundgesetz, unsere Kultur, unsere Sprache zu akzeptieren." Den Bogen schließt der Minister mit der Feststellung: "Unsere Kinder können frei aus dem Stadttor heraus gehen und in der Welt Erfahrungen sammeln."

"Ich sehe Chancen für Neuansiedlungen, für Zulieferer aus dem Salzlandkreis."

Dirk Bartens

Der IT-Experte Dirk Bartens prophezeit, dass die moderne Informationstechnologie den Alltag und das Leben auch weiterhin bestimmen und verändern werde. Es dürfe deshalb nicht beliebig mit Informationen umgegangen werden, was in Deutschland, laut Gesetzeslage, auch nicht der Fall sei.

Bartens stellt für den Altkreis Schönebeck zwei Pole gegenüber: Auf der einen Seite das modernste Rechenzentrum Europas in Biere. "Es ist komisch, aber es ist so. Ich wünsche mir, dass das noch mehr Leute wissen. Hier sehe ich Chansen für Neuansiedlungen, für Zulieferer aus dem Salzlandkreis."

Auf der anderen Seite: Schulen, die allenfalls durchschnittlich ausgestattet seien. Dabei gehe es nicht nur um die technische Ausstattung, sondern auch um die Medienkompetenz, wozu die Übernahme von Verantwortung gehöre: Verantwortung im Umgang mit Informationen. Diejenigen, die sich mit Daten und Datensicherheit auskennen, müssten absolut vertrauenswürdig sein.

Unübersehrbar sei, dass Schüler immer weniger Stärken auf naturwissenschaftlichem Gebiet hätten. "Die Voraussetzungen für die MINT-Fächer dürfen wir nicht verlieren", warnt Bartens. (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Anmerkung der Redaktion.)

Und ja, schnelles Internet sei eine Maßgabe der heutigen Zeit. Für alle. "Auch im ländlichen Raum müssen alle Meschen die gleichen Chancen haben, an Informationen zu kommen. Wir haben hier heute vier Vertreter aus dem Landtag im Raum, die dieses Thema mitnehmen müssen", sagt der 50-Jährige mit Blick auf die Landtagsabgeordneten Peter Rotter und Gunnar Schellenberger (CDU), Minister Holger Stahlknecht und den ebenfalls anwesendenLandtagspräsidenten Detlef Gürth (CDU).

Weiterhin im Publikum sitzen unter anderem der Bundestagsabgeordnete Tino Sorge, Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (beide CDU), Calbes Bürgermeister Sven Hause (parteilos), der Staßfurter Oberbürgermeister-Kandidat Christian Boos (CDU) sowie der Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse, Jens Hennicke.

Unternehmer werden auf das Projekt "Spielgeräte für Salineinsel" aufmerksam gemacht.

Für den musikalischen Rahmen sorgen die Sopranistin Yoora Lee-Hoff aus Dresden und Jerzy Bojanowski. Die Veranstaltung moderiert Gunnar Schellenberger. Der ruft die Anwesenden auf, für das von der CDU-Stadtratsfraktion angeschobene Projekt "Spielgeräte für die Salineinsel" zu spenden. Gleich nach dem Büfett.

 

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