Eine knapp vier mal zehn Meter große Modellbahnanlage gibt es derzeit in der Liebknecht-Schule zu besichtigen. Der Eisenbahn-Club Schönebeck präsentiert sie noch bis zum Sonntag.

Schönebeck l Wenn der ABV an der Türe klingelt... Dann, ja dann muss irgendwer an der Uhr gedreht haben. Denn ABV stand zu DDR-Zeiten für das Wort Abschnittsbevollmächtigter und beschrieb einen Polizisten, der als direkter Ansprechpartner für die Bürger eingesetzt war. Ähnlich also den nach der jüngsten Polizeistrukturreform ins Alltagsleben gerufenen Regionalbereichsbeamten heute. Denen ist es freilich herzlich egal, wer wo zu Besuch ist. So ein ABV hingegen wachte mit Argusaugen über Westbesuche. Der Klassenfeind aus der BRD hatte sich erstens bei der Polizei registrieren zu lassen und musste sich zudem ins Hausbuch eintragen.

Szenen wie diese sind in der Modelleisenbahnausstellung angedeutet, die derzeit in der zweiten Etage der Grundschule "Karl Liebknecht" (Pestalozzistraße) zu bestaunen ist. "Wir wollen unseren Besuchern mit kleinen Geschichten etwas mehr bieten und nicht nur die Züge fahren lassen", erklärt Gisbert Schultze vom Eisenbahn-Club Schönebeck.

Insgesamt ist die knapp vier mal zehn Meter große Modellbahnanlage wie ein Blick in die Vergangenheit. Eingefangen ist die Zeit der 1970er und 1980er Jahre, als es noch Deutsche Reichsbahn und Deutsche Bundesbahn gab. Statt hochmoderner ICE mit ihren zuweilen ausfallenden Klimaanlagen fahren hier noch Dampfloks und stämmige, in der Sowjetunion oder Rumänien gebaute Dieselloks über die Gleise, die im Volksmund gerne Taiga-Trommel (wegen der lauten Motorengeräusche) oder U-Boot (wegen der runden Fenster) genannt wurden.

"Wir haben eine Anlage im Maßstab 1 zu 87 aufgebaut", so Schultze. "Die Modelle sind also 87 mal kleiner als das Original." Im Laufe der Jahre verändere sich die Anlage immer wieder, weiß er aus Erfahrung und ist sich sicher: "Eine fertige Modellbahn gibt es nicht."

Viereinhalb Tage haben Schultze und seine Mitstreiter vom Eisenbahn-Club gebraucht, um die Anlage in die zweite Etage der Schule zu bugsieren und hier aufzubauen. Wer sie sich anschauen will, hat noch bis Sonntag Gelegenheit dazu.

Eines der jüngsten Vereinsmitglieder ist der 16-jährige Eric Dübner, der unabhängig von der großen seine eigene Anlage präsentiert. Auf der ist dann aber doch ein ICE unterwegs. Der Schüler der Maxim-Gorki-Schule kam über seinen Großvater Wilfried Dübner zur Leidenschaft Modelleisenbahn. Freilich ist das ein teures Hobby. Die Präsente zu den Festtagen fallen entsprechend aus: hier eine Lok, da ein Satz Waggons. "Da kriegst du dann auch mal eine Kirche geschenkt", erklärt der Schüler, wie er nach und nach zu seiner Eisenbahnlandschaft gekommen ist. Aber Lokführer will er dann doch nicht werden. "Das ist nicht der leichteste Job", meint Eric Dübner. Und wie finden seine Freunde diese Passion? "Die wissen nicht, was sie dazu sagen sollen und sitzen eher vor der Playstation."

Den Eisenbahn-Club Schönebeck e.V. gibt es quasi seit 30 Jahren, er ging nach der Wende aus einer Arbeitsgemeinschaft hervor.

Die Ausstellung ist bis Freitag täglich von 16 bis 18 Uhr, am Sonnabend von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr und am Sonntag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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