Das Freibad in Schönebeck bleibt in diesem Jahr aufgrund der leeren Stadtkasse wahrscheinlich geschlossen. Viele Bürger äußern ihr Unverständnis. Stadtrat Reinhard Banse fordert ein umsichtiges Vorgehen.

Schönebeck l Nach der Ankündigung der Stadtverwaltung, im Sommer das Freibad an der Barbarastraße geschlossen zu lassen, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus.

Weil das Rathaus derzeit aufgrund der Haushaltslage keine Möglichkeit sieht, dringende Reparaturmaßnahmen finanzieren zu können, will das Fachamt dem Stadtrat einen Beschluss vorlegen, wonach das Bad geschlossen bleiben soll. Damit solle verhindert werden, dass Badegäste zu Schaden kämen. Das hat die Kämmerei im Finanzausschuss bestätigt (Volksstimme berichtete). Rund 160 000 Euro wären nötig, hieß es, um die Reparaturen ausführen zu können. In ersten Reaktionen aus den Fraktionen war zu hören, dass die Räte die Schließung nicht einfach so hinnehmen wollen und von der Stadt Alternativvorschläge erwarten.

Chlorgasanlage defekt

Bisher gab es aus dem Rathaus keine konkreten Informationen zu den Schäden. Jetzt hat sich aber Stadtrat Reinhard Banse (FDP/Rettet die Altstadt) gemeldet und um umsichtige Entscheidungen seitens Ämtern und Politik geworben. Denn die Sicherheit der Badegäste müsse vorgehen. Er sagt: "2014 gab es im Freibad bereits einen Unfall, der durch die defekte Chlorgasanlage verursacht wurde. Ein Kind musste deshalb sogar in das Krankenhaus eingeliefert werden." Bei der anschließenden Klärung dieses Unfalls habe man festgestellt, dass die Durchströmung des Spaß-Beckens (Nichtschwimmerbecken) nicht mehr gewährleistet sei, so der Kommunalpolitiker. Fest stehe damit, dass durch die nicht funktionsgerechte Chlorgasanlage im Freibad Probleme auftreten können und diese Anlage deshalb unbedingt erneuert werden müsse. "Das Becken muss dazu aufgestemmt werden, um neue Rohre für die Durchströmung zu verlegen. Hinzu kommt, dass im großen Becken das Mauerwerk ebenfalls dringend eine Sanierung benötigt, da ständig neues Wasser in dieses Becken gepumpt werden muss", fasst Reinhard Banse zusammen. Offensichtlich sei, dass die 160 000 Euro nicht ausreichen werden.

In seiner Fraktion werde das Thema kontrovers diskutiert und viele Mitglieder wollen bei der geplanten Schließung nicht mitgehen. Der Fraktionschef selbst hat aber eine andere Meinung. "Ich will mich den Realitäten nicht verschließen und der zeitweiligen Schließung unseres Freibades die Zustimmung erteilen", sagt Reinhard Banse und kündigt damit seine Linie an, wenn die Stadtverwaltung ihren Beschluss in den Rat einbringt.

Bürger fordern: An Kinder denken!

Nach Rathaus-Angaben soll das spätestens bei einer Sondersitzung des Rates im Februar passieren. Emotionaler reagieren die Schönebecker darauf, dass in den Sommerferien die Becken in der Barbarastraße leer bleiben sollen. "Ich bin empört, das ist eine Schande für Schönebeck", sagt Viola Sambill. Unsere Leserin erinnert daran, dass man sich Kurstadt nenne, Sportstadt und auf eine große Wassersporttradition blicke. Wenn das Bad jetzt in so einem schlechten Zustand sei, habe man es all die Jahre stiefmütterlich behandelt. "Es wird ein neuer Marktplatz gebaut - da hätte man die Bevölkerung lieber fragen sollen, wofür man das Geld einsetzen soll." Dass nicht genügend öffentliche Gelder für ein Bad da seien, will Viola Sambill nicht glauben. "Nienburg an der Saale macht es vor. Die Stadt ist viel kleiner als Schönebeck und hat ein wunderschönes Freibad."

Auch Achim Goertz hat die Nachricht über die Badschließung in der Volksstimme geschockt. "Das ist für mich ein großer Skandal", sagt er am Redaktionstelefon. "Was folgt? Im nächsten Jahr die Schwimmhalle und ein Jahr später dann das Solequell?", fragt der Schönebecker. Das "reiche Deutschland" schaffe sich selbst ab, wenn es immer an Freizeiteinrichtungen spare. "Mit tut es vor allem leid für die Kinder, die im Sommer gerne dort baden sind." Das sei allemal sicherer als an den Seen in der Umgebung, wo es keine Rettungsschwimmer oder eine Aufsicht gebe. Politik und Verwaltung müssten sich nicht wundern, so Achim Goertz, dass Bürger wegen ihrer Verdrossenheit auf die Straße gingen. "Die Stadträte haben einer Erhöhung ihrer Entschädigungen zugestimmt. Jetzt stehen sie gemeinsam mit dem Oberbürgermeister in der Pflicht, sich hier um eine Lösung zu kümmern, die nicht auf dem Rücken der Freibadnutzer, der Kinder und Jugendlichen ausgetragen wird."

Appell für Solidarität

An die Solidarität aller appelliert Gabriela Gebhardt. "Andere Spendenaktionen haben es vorgemacht, vielleicht sind viele Schönebecker bereit, etwas für das Freibad zu geben", sagt sie. Wenn jeder auch nur zwei Euro spende, hätte man eine Basis, auf die man aufbauen könne.

"Das Bad muss offen bleiben", fordert Ingrid Richter. Sie ist regelmäßige Nutzerin der Freizeiteinrichtung. Wie viele andere Leser hat sie auch einen Tipp, um die Einnahmesituation zu verbessern, um das Bad zukunftsgerecht aufzustellen: "Vielleicht sollte man nicht nur in den Sommerferien öffnen, sondern eher." Oft sei es schon ab Mai sehr warm. Zudem würde die schulfreie Zeit in diesem Jahr erst sehr spät beginnen.