Ein schöne, alte Tradition scheint wieder aufzuleben: Zu besonderen Anlässen werden Bäume gepflanzt. Kürzlich verzichtete eine Barbyerin auf Geschenke zu ihrem 90. Geburtstag und ließ eine Eiche pflanzen.

Barby l Wenn Hildegard Birk, (*18.1.1925, geborene Gutsche, Enkelin von Friseur "Schneckchen" Weide) Geburtstag hat, gibt es für sie kaum Geschenke. Auch in diesem Jahr wünschte sich die Jubilarin zu ihrem 90. Geburtstag, dass Verwandte und Bekannte lieber für den guten Zweck spenden sollten. So wurde im Barbyer "Eichelwald", zwischen Schloss und Elbe, eine Eiche gepflanzt. Den "Familienbaum" setzte eine Fachfirma in den Boden, die ihm mit einem Biberschutz versah. Unweit davon pflanzte im vergangenen Sommer ein junges Paar anlässlich seiner Hochzeit ebenfalls eine Eiche.

Liste der Spenden ist stattlich

Wie Hildegard Birks Tochter Christina Roeder sagt, wurde anlässlich vergangener Geburtstage ebenfalls gespendet.

Die Liste der Empfänger ist stattlich: Spende an den Kirchbauverein zur "Erhaltung unserer Denkmäler", "Licht für die Klosterkirche St. Johannis", Adventskalender des Tourismusprojekts "Grafschaft Barby", Kriegsgräberfürsorge und nun die Eiche.

Hildegard Birk hat eine innige Beziehung zu ihrer Heimatstadt, wo sie 1925 geboren wurde und aufwuchs. Unweit vom "Eichelwald" lag die Fluss-Badeanstalt, wo Hilde als Kind bei Schwimmlehrer Marby schwimmen lernte. Sonntags spazierte die Familie zu den Ausflugslokalen Fähre oder zu Hoplake.

Als junges Mädel lernte die Jubilarin Stenotypistin in den Schönebecker Junkers-Werken, wo sie bis Kriegsende arbeitete. Nach verschiedenen Teilzeitstellen war sie bis zur Rente im Magazin des VEB Maisan tätig.

Zu den jährlichen Familientreffen kommen auch alle fünf Kinder, die in Barby, Lübben, Cottbus, Boxberg leben.

Hildegard Birk hofft, dass ihre Baumpflanzung Schule macht. Nach einem Beispiel aus den 1970er Jahren, als Brautpaare Rosenstöcke im Schlosspark pflanzten, könnte der idyllische "Eichelwald" wieder ein bisschen dichter werden. Denn er wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten immer lichter. Vermutlich gehen die ältesten der stattlichen Eichen auf Herzog Heinrich zurück, der vor 300 Jahren lebte.

In früheren Jahrhunderten war es sowieso oft üblich, dass besonders zu freudigen Anlässen, wie zum Beispiel Trauung, Geburt eines Kindes oder anderen persönlichen Ereignissen, ein Baum gepflanzt wurde. Hinzu kamen Eichen und Linden, die nach siegreichen Kriegen gesetzt wurden.

Aber auch traurige Erlebnisse waren eine Baumpflanzung wert. So ließ der Barbyer Strombaumeister Bischoff am Ufer der (1974 zugeschütteten) Kleinen Elbe eine Trauerweide pflanzen. Das geschah zum Gedenken an seinen Sohn Horst, der am 10. Juni 1933 beim Durchschwimmen der Stromelbe ertrunken war. Die Trauerweide entwickelte sich zu einem stattlichen, landschaftsprägenden Baum, der auf kaum einem Foto fehlte, wenn man das "Prinzeßchen" von der Elbseite her ablichtete. Erst 2007 wurde die Trauerweide aus Sicherheitsgründen gefällt.

Zwei Ersatzpflanzungen, eine aus ähnlichem Grund, gab es bereits.