Schönebeck l "Das Sterben soll wieder in die Wahrnehmung der Gesellschaft zurückkehren, viel zu oft wird das Thema verdrängt", mahnt Gudrun Schedler, Leiterin der ehrenamtlichen Grünen Damen in Schönebeck. Die Grünen Damen begleiten zukünftig nicht nur kranke Menschen in Krankenhaus und Pflegeheimen, sie werden sich auch in der sogenannten Human-WG engagieren.

Die Human-WG ist nach Angaben der Träger eine so in Deutschland noch nicht dagewesene Wohnform für Schwerstkranke, die von der Schönebecker Wohnungsbaugesellschaft (SWB) auf Initiative von SWB-Geschäftsführerin Sigrid Meyer gegründet wird. Intensive Vorbereitungen in den vergangenen drei Jahren seien vorausgegangen. Daran, so Sigrid Meyer, seien unter anderem Mediziner, Pflegefachleute, Vertreter der Bürgerstiftung Salzland (Region Schönebeck), der Seniorenvertretung Schönebeck sowie der Volkssolidarität beteiligt gewesen.

Für die Betreuung der Schwerstkranken und deren Angehörigen, so Gudrun Schedler, benötigten die Grünen Damen dringend ehrenamtliche Unterstützung. Sigrid Meyer: "Wir planen kein Hospiz und auch keine Pflegeeinrichtung. Wir wollen hier Raum für Sterbende geben, die nicht in ihrer heimischen Umgebung bleiben können, aber auch nicht in eine Pflegeeinrichtung gehen wollen. Sie mieten hier eine Wohnung zu besonderen Konditionen, können beliebig Besuch empfangen und so weit wie möglich selbstbestimmt leben. Eine 24-Stunden-Betreuung ist durch einen Pflegedienst abgesichert."

Gudrun Schedler betont, dass die Helfer nicht für die Versorgung benötigt würden. Es gehe ausschließlich darum, dass sie die Sterbenden und Angehörigen unterstützen und als Ansprechpartner bereit stünden. Schedler: "Die beste Lösung wäre es, wenn wir jeder Familie sozusagen einen Paten zur Seite stellen könnten, der diesen schmerzhaften und traurigen letzten Lebensabschnitt begleitet." Hierfür, so die Grüne Dame, würden mindestens zehn ehrenamtliche Helfer benötigt, die die zwölf Grünen Damen unterstützen.

Die "Human-WG" soll insgesamt zehn Wohnplätze haben. Vorgesehen sei für die zukünftigen Helfer ein Schulungskurs, der sich mit allen Themen rund um das Sterben beschäftigt. Interessenten können sich an Gudrun Schedler, Telefon (03928) 69807, wenden. Ebenso ansprechbar sind Jessika Lemke von der Volkssolidarität, Telefon (03928) 727937, und Gabriela Schultz von der Bürgerstiftung Salzland, Telefon (03928) 786212. In einem ersten Gespräch kann auch die Eignung interessierter Helfer ausgelotet werden. Schedler: "Besonders geeignet sind Menschen, die gerade in den Ruhestand gegangen sind. Auch andere engagierte Menschen sind aufgerufen, sich zu melden. Sie sollten nach meiner Schätzung etwa fünf Stunden pro Woche für die Human-WG einplanen." Aus eigener Erfahrung meint sie: "Es ist ein tolles Gefühl, jemandem geholfen zu haben."

Sigrid Meyer: "Die Eröffnung der Human-WG in der Garbsener Straße ist für den 1. April geplant."

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