Schönebeck l Am Ende des Einsatzes zeigte sich Stadtwehrleiter Ronald Mühlsiegel zufrieden. Bei dem schweren Verkehrsunfall am Mittwochmorgen auf der Umgehungsstraße zwischen Kreuzung Felgeleben und Kreisverkehr Barby stießen zwei Fahrzeuge frontal zusammen, dabei verletzten sich drei Personen, eine Frau schwer. Im Einsatz waren die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Tischlerstraße und Bad Salzelmen mit insgesamt 24 Kräften. "Die beiden Feuerwehren haben gezeigt, dass sie ein eingespieltes Team sind. Jeder Kamerad hat genau gewusst, was zu machen ist. Alles geht sehr konzentriert zu", resümierte später Stadtwehrleiter Mühlsiegel.

Dass der Einsatz vor Ort so vorbildlich über die Bühne ging, lobt auch Felgelebens Stadtwehrleiter Daniel Schürmann. Dennoch wundert sich der Wehrleiter einen Tag danach: "Der Unfallort liegt auf der Umgehungsstraße 246a. Dieser Bereich gehört eindeutig zum Aufgabenfeld der Felgeleber Feuerwehr. Darum frage ich mich, warum wir nicht alarmiert wurden?"

Die Stadt Schönebeck ist mit einem unsichtbaren Einsatzraster überlegt. Auf der Stadtkommandositzung der Feuerwehr im vergangenen Jahr wurden die Bereiche für die einzelnen Feuerwehren nochmals definiert. Der Grund: Nach den Hilfsfristen müssen die Feuerwehren nach zwölf Minuten am Einsatzort sein - und zwar gerechnet ab dem Zeitpunkt der Meldung des Anrufes in der Leitstelle. Aus diesem Grund wurden die Einsatzbereiche der einzelnen Standorte der Stadtteilfeuerwehren abgesteckt und in der Ausrückeordnung festgeschrieben "Darin ist nun festgelegt, dass wir bei Unfällen auf der Umgehungsstraße zwischen den beiden Kreisverkehren mit Salzelmen zusammen ausrücken", erklärt Daniel Schürmann. Gemeinsame Ausbildungen und Übungen mit den Salzelmener zeugen von dieser Festlegung. "In der Regel wird auch so gehandelt", machte gestern Stadtwehrleiter Ronald Mühlsiegel auf Anfrage der Volksstimme aufmerksam.

Unkonkreter Notruf

Nach dem Unfall am Mittwochmorgen kam ein Fakt hinzu, der dem Disponenten in der Rettungsleitstelle keine andere Wahl ließ als genauso zu handeln wie geschehen: Es gab - sicherlich aufgrund der Aufregung der Anrufer - sehr unkonkrete Beschreibungen der Lage der Unfallstelle in den Notrufen. Wie Gert Lehmann, Sachgebietsleiter der Kreiseinsatzleitstelle Staßfurt, auf Anfrage informiert, kamen über die Polizeidirektion Nord Magdeburg drei Anrufe herein:

- Die erste Meldung beinhaltete, dass der Unfall auf der Bundesstraße 246a Höhe Abzweig zur Anschlussstelle Schönebeck Autobahn 14 ist.

- Die zweite Meldung kam mit der Angabe B246a Kreisverkehr Richtung Barby.

- In der dritten Meldung, fast gleichzeitig mit der zweiten, wurde nochmals Kreisverkehr Barby B 246a, aber mit Kreisverkehr L 65 (Calbe) genannt. "Nach Abwägung aller vorhandenen Informationen über den Einsatzort wurden entsprechend Alarm- und Ausrückeordnung Kräfte und Mittel alarmiert", so Gert Lehmann gestern.

Die Notrufe mit den ungenauen Ortsangaben des Unfalls sind für Wehrleiter Daniel Schürmann im konkreten Fall eine ausreichende Begründung. Er macht deutlich, sich an die Ausrückeordnung zu halten. Seinen Informationen nach wurde die Felgeleber Wehr im vergangenen Jahr mindestens viermal nicht zu Einsätzen gerufen, obwohl sie den kürzesten Weg hatten. "Diese Zeit kann lebenswichtig sein", sagt Wehrleiter Daniel Schürmann.

Datenrettungskarte

Stadtwehrleiter Ronald Mühlsiegel berichtet weiter, dass Wehren der Stadt inzwischen mit modernen Schneid- und Spreizwerkzeugen ausgestattet sind. "Die Fahrzeughersteller verstärken ihre Karosserie immer mehr. Wichtig ist, dass wir diese Informationen dann auch bekommen", fordert er.

Jeder Autofahrer kann selbst mit einem kleinen Schritt dafür Sorge tragen: Auf der Homepage des ADAC (siehe Adresse unten) sind sogenannte Datenrettungskarten für Fahrzeugtypen hinterlegt. Diese sind wichtige Informationen für die Feuerwehrkameraden, an welcher Stelle sich Airbags befinden und Holme von Autos am besten durchtrennt werden können.

 

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