Die Juni-Flut von 2013 ist bei so manchen Menschen einfach ins Leben geplatzt. Damit hatte keiner gerechnet - nicht einmal die Experten. Eileen und Sören Peters hatten damals ihre Hochzeit geplant. Dann kam die Flut mit Macht. Doch ins Wasser gefallen - das schon einmal vorweggenommen - ist die Heirat zum Glück nicht.

Schönebeck l Sören und Eileen Peters hatten den Sommer 2013 ganz anders geplant. Für sie ging es um den glücklichsten Tag in ihrem Leben. Die Hochzeit des Paares im Juni stand bevor. Dann kam alles anders. Der Elbpegel stieg und mit ihm die Sorgen. Die Juniflut sollte zu einer Katastrophe bisher ungeahnten Ausmaßes werden. In Schönebeck waren die Sorgen groß, ob alle Vorsichtsmaßnahmen genügen würden. So auch bei Sören, Eileen und Tochter Jula. Gerade weil sie in Elbnähe wohnen.

"Als Schönebecker schaut man nicht weg, sondern packt mit an."

Sören Peters

Zu den Flutängsten kam das große Fragezeichen, was aus dem geplanten Fest werden wird: Sollte die Hochzeit etwa ins Wasser fallen? Alles ist seit Monaten vorbereitet. Die Gästelisten stehen, das Essen ist bestellt, der Termin beim Standesamt bestätigt.

Ganz ausfallen sollte die Hochzeit nicht. Dennoch war für Familie Peters schnell klar, dass auch das Schicksal ihrer Heimatstadt sie nicht unberührt ließ. Auf der einen Seite die glanzvolle Heirat im Schloss Leitzkau, auf der anderen Seite das drückende Hochwasser an den Schutzwällen der Stadt.

Aber das Paar wollte dem "Störenfried" nicht allein das Feld überlassen. "Als Schönebecker schaut man nicht weg, sondern packt mit an", sagt der 35-jährige Sören Peters.

Sandsäcke füllen, Brote schmieren für Helfer, die Elbe beobachten. Das wurde zum Tagesgeschäft für das Paar. In weite Ferne rückten Brautkleid und Co. "Wir waren zwar nicht direkt betroffen, aber mussten selbst für zwei Tage als Vorsichtsmaßnahme unsere Wohnung verlassen", sagt Sören Peters.

So ging es bis zum Hochzeitstermin. Die Braut hatte sogar am Vortag noch gut zu tun. "Ich habe zwischen allen Vorbereitungen noch telefonieren müssen, ob überhaupt alle Wege befahrbar sind", erzählt Eileen Peters. Am 21. Juni 2013 war es dann doch soweit: Die Beiden gaben sich das "Ja-Wort" in Leitzkau und die Feierlichkeiten fanden wie geplant in der Wasserburg zu Gommern statt. Und auch wenn die anreisenden Gäste nur über mancherlei Umwege das Fest erreichen konnten, wurde die Hochzeit für Eileen und Sören zum glücklichsten Tag ihres Lebens.

"Die Stadt Schönebeck bedankt sich."

Joachim Schulke

Jetzt dürfen sich die beiden nicht nur die Ringe als Zeichen ihrer Liebe anstecken, sondern auch die Fluthelfernadeln als Anerkennung für ihre Hilfe. Der für Ordnung und Sicherheit in der Elbestadt zuständige Dezernent Joachim Schulke überreichte dem Paar die Ehrenzeichen des Landes Sachsen-Anhalt. Übrigens die letzten, die in Schönebeck vergeben wurden, nachdem sich bereits ehrenamtliche Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz oder auch Privatpersonen die Flutnadel ans Revers heften können - insgesamt über 1000 an der Zahl.

"Die Stadt Schönebeck bedankt sich damit bei dem Ehepaar", sagt Ressortleiter Joachim Schulke. Familie Peters zeigt sich glücklich über die Auszeichnung, macht aber klar: "Für uns ist das etwas Selbstverständliches", sagt Eileen Peters.