Schönebeck l Spezialfahrzeuge stemmen riesige Spundwandelemente in den Umflutdeich an der Alten Fähre. Raupen und Bagger sind an der Hochwasseranlage im Bereich der Haberlandbrücke zu Gange. "Wir klotzen hier im Moment richtig ran!", sagt Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) beim Baustellenrundgang mit der Volksstimme.

Die Juni-Flut 2013 hat Fahrt in das Deichertüchtigungsprojekt an der Umflut gebracht. Bisher ungeahnte Wassermengen flossen an Ranies, Pretzien und Plötzky vorbei. Der Zustand des linken Deiches in Richtung Magdeburg hätte fast zur Katastrophe geführt. In mehreren Bereichen gab es Sickerstellen, ein großer Teil rutschte unweit der Haberlandbrücke ab.


Hunderte Einsatzkräfte haben in einem nächtlichen Kampf den Deichbruch verhindern können, und damit auch die Überflutung des ostelbischen Gebietes Richtung Magdeburg. "Eigentlich haben wir die Deiche seit 2003 im Blick", sagt Burkhard Henning. Der rechte Abschnitt in Fließrichtung ist gemacht, jetzt sind auch die Mittel für die gegenüberliegende Seite da. Rund 20 Millionen Euro nehmen Land und LHW in die Hand, um die elf Kilometer lange Strecke zwischen Alter Fähre und Berliner Chaussee in Magdeburg zu ertüchtigen und damit modernen Anforderungen gerecht zu machen.

Neue Normen machen Umplanung erforderlich

Diese Arbeiten sollten bereits im August 2014 abgeschlossen sein. Doch nach der Juniflut von 2013 wurden auch die Hochwasserrichtwerte neu berechnet und damit veränderten sich die Anforderungen an die Deiche. "Das hat Auswirkungen auf die Höhe und Breite der Deichanlage. So wird sie landseitig auch viel breiter. Kaum ein Bereich hat bisher den aktuellen technischen Regelwerken entsprochen", sagt Burkhard Henning.

Die Planer mussten alles neu berechnen. Hinzu kommen die vorgeschalteten, zum Teil langwierigen Verfahren, in denen mit Grundstücksbesitzern verhandelt, Anlieger, Natur- und Denkmalschutz gehört sowie verschiedene Machbarkeitsvarianten erörtert werden müssen. "Denn wir verbauen öffentliche Gelder. Da müssen Kosten und Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen", macht der LHW-Chef deutlich.

Er ist froh, dass man seiner Meinung nach alles doch relativ zügig unter Dach und Fach gebracht habe, der Winter mild genug ist um weiterarbeiten zu können, kein Hochwasser den Fortschritt stört. "Unsere aktuellen Planungen gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass wir im Mai fertig sind", sagt Burkhard Henning.

Moderne Anlagen entsprechen Vorgaben

Die aufwändige Baustelle ist in drei große Abschnitte eingeteilt. Der Landesbetrieb arbeitet mit Planungsbüros und Baufirmen aus der Region zusammen. Birgit Harth, Projektingenieurin im LHW, leitet von Schönebeck aus die Bauarbeiten. Die Veränderungen in den Deichhöhen ließen sich für Laien schwer erklären, sagt die Expertin, weil man immer vom Umgebungsgelände ausgehen müsse. "Man kann aber sagen, dass wir überall viel Material auffüllen müssen."

Die Stoffe, die verbaut werden, Kies und Sand, kommen aus Barby. Es gibt viel zu beachten: Wichtig sei die Körnung. Die Firmen müssten zudem spezielle Einbauarten beachten. Der sogenannte Sandkerndeich sollte fest genug sein, um den Druck des Hochwassers auszuhalten, aber auch so durchlässig, dass er nicht weggeschoben wird. "Wenn alles fertig ist, haben wir moderne Din-gerechte und den technischen Regelwerken entsprechende Anlagen", erklärt Birgit Harth.

Auf der Deichkrone gibt es dann einen sogenannten Deichkontrollweg. Er ist drei Meter breit und zum Teil mit Bitumen ausgelegt. Außerdem begleitet ein Deichverteidigungsweg die Hochwasserschutzanlage. Das ist eine kleine Straße auf der landseitigen Berme, im Profilblick eine Art Vorsprung, auf der besonders Fahrzeuge schnell zu bestimmten Bereichen des Deiches gelangen können. Passanten können derart gestaltete Deiche schon jetzt rund um Ranies sehen.

Den Bauleuten und Auftraggebern spielt in die Karten, dass die Umflut nicht gebraucht wird, das Winterhochwasser der Elbe überschaubar ist. Kein Anlass also, das Pretziener Wehr zu ziehen. Aber was wäre wenn? "Die Baufirmen haben einen Baustellenevakuierungsplan und genug Material da, um den Deich im Ernstfall zu sichern", erklärt Burkhard Henning. Ein Hochwasser kündige sich mit einigen Tagen Vorlauf an. Problematisch wäre es nur, wenn es lange an die Baustelle drücken würde.

   

Bilder