Keine große Hürde ist das Heimaträtsel vom Dienstag gewesen, das Telefon klingelte ununterbrochen. Alle Anrufer erkannten das markante Gebäude in der Schloßstraße, in der heute die neuapostolische Kirchgemeinde beheimatet ist. Die Geschichte seiner Nutzung aber ist weitaus länger.

Calbe l Der mächtige Giebel ist einmalig im Calbenser Stadtbild. "In der Schloßstraße, an der Ecke zur Grabenstraße, steht die neuapostolische Kirche", weiß Volker Dammaß am Telefon zu berichten. Der gebürtige Calbenser wohnt seit vielen Jahren in Bayern, doch bleibt durch die Volksstimme, die ihm seine Mutter von der Saale an die Donau schickt, über das Geschehen in seiner Heimatstadt auf dem Laufenden.

Ursula Wurm, die als Hexe verbrannte, wohnte hier

"Links neben dem Gebäude verlief zu DDR-Zeiten ein kleiner Gang zu einem Schrotthändler", erinnert sich der Leser an seine Kindheit und Jugend zurück und ergänzt einen Punkt aus der Calbenser Heimatgeschichte: "Dort soll einst die berühmte und letzte Hexe von Calbe, Ursula Wurm, mit ihrem Mann gewohnt haben." Tatsächlich wurde Ursula Wurm am 10. Juli 1634 in Calbe als letzte Hexe verbrannt. Sie, als die Frau des Hospitalmeisters, hat wahrscheinlich in der Wohnung dieser Hospitalkirche gewohnt.

In einer Urkunde aus dem Kloster Gottesgnaden, datiert auf Sonnabend vor Palmsonntag, am 10. April des Jahres 1305, wird die Kirche zum "Heiligen Geist" das erste Mal erwähnt.

Ursprünglich geht die Kirche auf Papst Innocenz III (1168 bis 1216) zurück, der das Spitalwesen reformierte.

Seit 1948 im Eigentum der neuapolischen Kirche

Aufgrund einer rasch wachsenden Bevölkerung, der auftretenden Pest und der zunehmenden Armut entstanden an europäischen Handelsplätzen Spitäler, die Vorläufer heutiger Krankenhäuser, und Heilige-Geist-Kirchen. Demnach wird davon ausgegangen, dass die Kirche etwa 100 Jahre älter ist als in besagter Urkunde erwähnt.

Mit dem Bau des neuen Krankenhauses in der Hospitalstraße im 19. Jahrhundert wurden die letzten Hospital-Hütten hinter der Heilig-Geist-Kirche abgerissen. Die Kirche selbst wurde für vielerlei Zwecke genutzt, um sie vor dem Abriss zu bewahren.

"Sie diente zeitweise als Feuerwehr-Geräteschuppen", weiß Volker Dammaß weiter zu berichten. Tatsächlich war sie auch ein Lager der Schlossdomäne und der Stadt und bot Platz für eine Wohnung und Garage.

Auch Dorothea Rudel aus Barby hatte die richtige Antwort gleich parat, schließlich lebte sie bis 1994 in Calbe. "Links neben der Kirche gab es früher die Bäckerei Schönefeld", erinnert sich die ehemalige Lehrerin der Schiller- und Heineschule an vergangene Zeiten zurück. Sie wohnte in der Ritterstraße 2. "Dort hatte bis kurz nach dem Krieg die neuapostolische Gemeinde ihren Kirchenraum", sagt Rudel. Dieser musste als Produktionsraum der Tischlerei wieder freigegeben werden. Der sowjetische Stadtkommandant stimmte dem Ausweich der Gemeinde zur Heilig-Geist-Kirche zu. Am 1. Dezember 1946 konnte sie mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht werden. 1948 ging sie in deren Eigentum über. Zahlreiche Renovierungsarbeiten folgten. Die Vorderfront der Kirche ist so aufgebaut, dass sie nur verputzt erhalten werden konnte. Bei einer Neuverputzung dauerte es nur wenige Jahre und die Front sah wieder unansehnlich aus. Einzige Möglichkeit, eine würdige Front zu bekommen, sah man darin, eine Sandsteinverblendung vor die Front zu setzen, welche auch 1979 genehmigt wurde. 1981 wurde eine Verblendung gesetzt. 2004 bekam das Gebäude ein neues Dach.

Die richtige Lösung wussten auch: Gudrun Kästner, Rosemarie Faltin, Petra Thalheim, Christoph Winkel, Christa Kirchhoff und Günther Hoffmann aus Calbe. Über einen kleinen Annerkennungspreis kann sich Volksstimme-Leser Karl Ittner aus Calbe freuen.

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