Schönebeck l "Sie müssen etwas lauter sprechen. Das Hören klappt nicht mehr ganz so gut. Aber geistig ist Frau Reiche noch total fit", sagt Nadine Pohl, Betreuungsassistentin im "Haus Elisabeth" des Burghofes Schönebeck. Und sie hat nicht zu viel versprochen.

Elise Reiche hat am Sonntag ihren 101. Geburtstag gefeiert. Sie liegt zwar im Bett, weil ihre Beine nicht mehr so wollen, aber vor ihr liegt die Volksstimme. Die Lektüre gehört für sie immer noch zum Tagesablauf dazu. "Ich lese jeden Tag die Zeitung. Ich muss doch wissen, was in der Welt los ist - auch, wenn ich nichts mehr ändern kann", sagt sie.

Ursprünglich kommt Elise Reiche aus dem Vorharz. Im Krankenhaus Quedlinburg hat sie Krankenschwester gelernt, war während des Krieges in Frankreich und Russland eingesetzt. Sie hat sich danach zur Oberschwester weitergebildet, war dann sogar Oberin für den gesamten Schönebecker Kreis.

Dem Krankenhaus ist sie auch im Ruhestand eng verbunden geblieben. Sie hat die dortige Bibliothek übernommen, ist mit Lesestoff von Zimmer zu Zimmer. Und sie hat die Treffen der ehemaligen Mitarbeiter des Klinikums, die bereits im Ruhestand sind, organisiert.

Ein schmuck eingedeckter Tisch steht in ihrem Wohnheim-Zimmer. Für die Gratulanten. Dazu gehören unter anderem Annett Lazay als Vorsteherin des Diakonievereines Burghof, Alexandra Koch als Vertreterin des Landkreises und Gisela Schröder als stellvertretende Oberbürgermeisterin der Stadt Schönebeck.

Dazu kommen Freunde von Elise Reiche. Und natürlich ihre Nichte Ingeburg Großkopf, die jedes Wochenende zu Besuch aus Quedlinburg anreist. Seit wenigen Jahren hat sie nun zwei Geburtstagskinder an diesem Tag in ihrer Familie: Ihr Enkelkind ist am Sonntag 4 geworden. "Da war ich heute schon", sagt sie.

Danach gefragt, ob es ein Geheimrezept gebe, wonach man leben und dann so geistig fit im hohen Alter bleiben würde, klärt Elise Reiche schmunzelnd auf: "Immer fleißig arbeiten!"