Schönebeck l Die drohende Schließung des Freibades in der Barbarastraße beschäftigt die Gemüter in Schönebeck. Nach der Berichterstattung in der Volksstimme über die technischen Probleme des Bades und die damit verbundenen Kosten äußerten sich mehrere Bürger. Die Einwohnerfragestunde während der jüngsten Stadtratssitzung nutzte Georg Brandes. Er wollte wissen, was die Verantwortlichen gedenken zu unternehmen, damit das Bad im Sommer doch öffnen kann. "Ist es möglich, einen Kredit aufzunehmen? Verfügt die Stadt über einen Fonds für solche Fälle", fragte er.

Die Antworten von Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) fielen recht knapp aus: "Wir befinden uns in der Konsolidierungsphase. Ein Kredit würde nicht genehmigt werden. Und Rücklagen dafür haben wir nicht." Laut Stadt-oberhaupt werde das Thema als Beschlussvorlage im nächsten Stadtrat behandelt. Doch mit welchem Inhalt? Worum wird es gehen? Auf Anfrage der Volksstimme teilt der zuständige Dezernent Joachim Schulke mit: "Es geht um Sein oder Nichtsein."

Sorgenkind des Freibades ist vorrangig die Chlorgasanlage. Deren Funktion kann nicht mehr gewährleistet werden. Die Ersatzkosten belaufen sich auf mindestens 160000 Euro. Da die Stadt kein Geld außerplanmäßig für Investitionen zur Verfügung stellen kann, will die Verwaltung (wahrscheinlich) vorschlagen, das Freibad zu schließen (Volksstimme berichtete).

Das Zauberwort heißt "Quersubventionierung"

Mehrere Stadträte meldeten bereits Bedenken an. Gemeldet hat sich jetzt auch der parteilose Stadtrat Mark Kowolik. In einer elektronischen Nachricht schreibt er: "Ich möchte einen möglichen Weg aufzeigen, der die Stadt indirekt weniger als die Hälfte der Summe von rund 160000 Euro kosten würde." Das Zauberwort heißt für Kowolik "Quersubventionierung". Er schreibt: "Bisher verschenkt Schönebeck jedes Jahr mehr als eine Million Euro durch Steuerabflüsse aus den gewinnbringenden städtischen Unternehmungen." Die Gewinne von Städtischer Wohnungsbau (SWB) und vor allem Stadtwerken Schönebeck (SWS) würden versteuert und erst der Rest verbleibe in der Stadt. Der Appell des Stadtrates: "Dies muss nicht sein, vorausgesetzt, alle sind sich einig und ziehen gemeinsam an einem Strang."

Seiner Einschätzung nach bedürfe es lediglich eines Stadtratsbeschlusses zur Erweiterung des Geschäftsfeldes der SWS und schon könnten die Aufwendungen für das Freibad - aber auch für die in die Jahre gekommene Schwimmhalle in der Johannes-R.-Becher-Straße, die spätestens 2022 durch einen Neubau ersetzt werden müsste - direkt gegen die Gewinne verbucht werden, sofern die Stadtwerke GmbH die Verantwortung für diese Einrichtungen übernimmt.

Kowolik führt aus: "Diesen Weg sind vor bereits 20 Jahren viele Kommunen in unserer nächsten Umgebung gegangen, stellvertretend seien Zerbst und Quedlinburg genannt. Dort betreiben die Stadtwerke die Bäder und entlasten damit massiv die städtischen Finanzen." Die Verantwortlichen in Schönebeck müssten bereit sein, über den Tellerrand zu schauen. Das, so Kowolik kritisch, sei in der Elbestadt mehr als zehn Jahre lang nicht gewollt gewesen. Andere Städte seien den steuerlich effektivsten Weg gegangen und hätten eine Holding oder Betriebsgesellschaft gegründet, um den Steuerabfluss fast vollständig zu unterbinden und die Stadtfinanzen zu entlasten.

Kowolik weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass er zu den sieben Stadträten gehört, die der kürzlich mehrheitlich beschlossenen Erhöhung der Sitzungsgelder nicht zugestimmt haben. "Ich bin mir sicher, dass die 7, jeder für sich, einen Weg finden werden, dieses Geld der Heimatstadt auf irgendeinem Wege zurück zu geben. Ich persönlich habe eine Tierpatenschaft auf dem Bierer Berg über 500 Euro pro Jahr übernommen, da für mich ein Ehrenamt nicht unbedingt einer Entschädigung bedarf."

Doch zurück zum Freibad. Stadtwerke-Chef Friedrich Husemann, mit der Idee der Übernahme von Freibad und Schwimmhalle konfrontiert, will zuerst einmal den "politischen Willen" geklärt sehen, sprich: Was wollen Stadtrat und Stadtverwaltung? Verweigern würde er sich einem solchen Plan nicht. Sinn machen würde eine langfristige Lösung, betont Husemann. Die liegt prinzipiell schon auf dem Tisch - oder besser gesagt in der Schublade. Der Bebauungsplan 53 nämlich (unter www.schoenebeck.de einsehbar) beschreibt eine denkbare Bebauung der Fläche Am Stadtfeld/ Friedrichstraße/Am Malzmühlenfeld/ Becher-Straße. Diesen Plan hat die Volksstimme bereits vorgestellt. Ein Vorschlag daraus lautet: Ein Freibad neben der Volksschwimmhalle zu realisieren. "Das hat Charme", meint Friedrich Husemann. Er votiert dafür, Geld gleich richtig und zwar hier zu investieren, anstatt einen doch hohen Betrag für eine zeitlich begrenzte Zwischenlösung auszugeben.

Dann freilich gebe es eine Freiluft-Badepause von etwa sieben Jahren. Und lässt sich für die Stadtfeld-Variante irgendein Fördertopf finden? Joachim Schulke: "Wir werden es versuchen. Wir sehen die Schwimmhalle als Daseinsfürsorge. Und solange Schwimmunterricht zu den Pflichtfächern gehört, kann ich mir nicht vorstellen, dass uns das Land im Regen stehen lässt."

Weiter gefragt: Ist der Kowolik-Vorschlag sinnvoll? "Ein solches steuerliches Konstrukt ist bereits Mitte der 1990er Jahre, damals noch mit der Stadtentwicklungsgesellschaft, ausgearbeitet worden. Ja, das würde Sinn machen", versichert der Dezernent.