Schönebeck-Bad Salzelmen l Im Jahr 1913 wurde Carl Wimmel anlässlich des 25. Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II mit dem goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Das geht aus dem Nachruf der königlichen Badeverwaltung hervor. Für Mathias Hille steht deshalb fest: "Die goldene Auszeichnung bekam er nicht nur wegen seiner Dienste in den Feldzügen 1866 und 1870-71. Er hat sich als königlicher Parkgärtner so hingebungsvoll und ganz im Stil der wilhelminischen Zeit um den Park gekümmert, sicher steht die Auszeichnung auch dafür. Und wer kann schon von sich behaupten einen `ausgezeichneten´ Gärtner zu haben. Das Solbad konnte das."

Wer den Kurpark kennt, weiß, dass er heute ein Aushängeschild für Schönebeck ist. Aber das war nicht immer so. In Aufzeichnungen aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Solebades (1902) wird von "wüsten Angern" gesprochen, "unfruchtbarem, mit Salzquellen durchzogenen Boden", auf denen "kaum ein Grashalm keimte". Zur Zeit der Gründung des Bades Elmen (1802) gab es noch keine Grünflächen, die man als Park bezeichnen konnte. Erst nach und nach wurden Ländereien gekauft und diese in "prächtig gedeihende" Parkanlagen umgewandelt, heißt es weiter in der Festschrift.

Seit 1865 wurde der Badepark immer weiter vergrößert und "verschönert". Im Jahr 1866 wurde die Anlage fertiggestellt und im Mittelpunkt ein Lokal errichtet. Nach Genehmigung des Fürsten Bismarck durfte es den Namen "Café Bismarck" tragen. Nach der Wende wurde das Gebäude abgerissen. Später entstand an dieser Stelle ein neuer Bau, der heute das Café Venezia beherbergt.

"Wie der Park jetzt aussieht, das ist sein Verdienst."

Zur maßgeblichen Gestaltung der heutigen Parkanlage hat Carl Wimmel beigetragen. Er war seit dem Jahr 1874 als königlicher Parkgärtner und Leiter der Parkgärtnerei für die Anlage zuständig und mehr als 42 Jahre im Dienst. "So wie der Park jetzt aussieht, das ist eigentlich sein Verdienst", so Mathias Hille. "Die Führung der Hauptwege, die Auswahl der Baumsorten, all das haben wir Carl Wimmel zu verdanken. Zumindest das, was nach dem Krieg davon übrig geblieben ist", fügt er hinzu.

Unter seiner Planung und Anleitung entstanden die Außenanlagen um das Lindenbad, die Lindenallee in heutiger Form - die damals noch aus Kastanien bestand - sowie die Gartenanlage rund um den Bierer Berg. Erste Aufgabe war es, den schlechten Boden urbar zu machen. Dafür wurde in großen Mengen Muttererde verwendet. Die groß angelegten Rasenflächen und Pflanzgruppen wären sonst nicht möglich gewesen. In einem Nachruf der königlichen Badeverwaltung heißt es, er habe "dem königlichen Solebade Elmen seine ganze Arbeitskraft gewidmet und in treuer Hingebung den seiner Fürsorge anvertrauten Park mit liebevollem Interesse und Schönheitssinn gepflegt".

Vielleicht wurde ihm diese Hingebung in die Wiege gelegt, denn die Familie Wimmel ist keine Unbekannte in der Geschichte deutscher Baukunst.

So hat sein Urgroßvater Johann Heinrich Wimmel seinen Steinmetz Betrieb am 11. März 1776 in Berlin gegründet und schon früh mit bedeutenden Baumeistern dieser Zeit zusammengearbeitet. Er hat unter anderem am Brandenburger Tor, der Neuen Wache und am Schauspielhaus am Gendarmenmarkt mitgebaut. Der erste Großauftrag des Unternehmens war der Bau der Königskolonnaden Berlin.

Mit dem Bau der Siegessäule in Berlin im Jahre 1873 festigte sich die Zusammenarbeit der Firma Wimmel, unter der Führung von Paul Wimmel - dem Ur-Enkel von Johann - mit den Gebrüdern Otto und Carl Zeidler. Auch der Reichstag wurde unter ihrer Planung gebaut. Noch heute gibt es die Firma Zeidler und Wimmel, gegründet 1872 durch Carls Cousin Paul Wimmel und den Gebrüdern Zeidler. Allerdings führte nach Paul Wimmel keiner der Wimmel-Nachkommen den Betrieb weiter. Paul blieb kinderlos.

Ein Stück des Fundamentes der Siegessäule diente als Familiengrabplatte auf dem Gertraudenfriedhof. Hier sind Carl Wimmel und seine Frau Johanna beerdigt worden. Die Urenkelin nimmt an, dass Paul Wimmel, der am Bau der Siegessäule beteiligt war, einigen seiner Verwandten "Stücke aus dem Fundament der Siegessäule" schenkte. Ihre Vermutung klingt plausibel. So kam wohl dieses "Stück Stein" nach Schönebeck. Mittlerweile befindet sich diese besondere Platte nicht mehr auf dem Gertraudenfriedhof. Die Urenkelin ließ diesen vor einigen Jahren, dem Willen der Mutter folgend, auf den Westfriedhof umlagern, auf das neue Familiengrab.

Der Tod von Carl Wimmel lässt sich mit einer Verkettung unglücklicher Zufälle zusammenbringen. Im Ersten Weltkrieg verstarb sein Schwiegersohn, Willi König, an Diphtherie. Beim Begräbnis - es war Winter - zog sich Carl Wimmel eine schwere Lungenentzündung zu. An den Folgen dieser verstarb er dann auch einen Monat später im Alter von 73 Jahren, am 16. Februar 1916.

Alles rund um den Stammbaum sowie die Familiengeschichte hat die Urenkelin zusammengetragen. Sie führt selber Buch darüber. Im Stadtarchiv zu Schönebeck gibt es einige Aufzeichnungen, in denen über den Kurpark, die Firma Zeidler und Wimmel, aber auch Carl Wimmel und sein Wirken sowie seine Verdienste gesprochen wird. Wer Informationen sucht, kann diese dort finden.

 

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