Barby l Es ist Freitagabend, 20.15 Uhr. Detlef Müller (Name geändert) spaziert mit seinem Hund durch Barbys Innenstadt. Die Nacht ist kalt und klar. Ein Grund, einmal mehr den wunderschönen Sternenhimmel zu betrachten.

Im Magdeburger Tor bleibt der Mittfünfziger stehen, um versunken das Firmament nach Sternbildern abzusuchen: Zwischen Löwe und Schwan sind der Große- und Kleine Wagen, der Drache und Cepheus deutlich auszumachen. Ein Verkehrsflugzeug tangiert in großer Höhe dieses Ensemble.

Doch plötzlich sieht Detlef Müller etwas, das seinen Atem stocken lässt: Unter dem Jet fliegt kontinuierlich ein orangefarbenes Licht, das immer größer wird. Dann bleibt es stehen, um kurz darauf in einem regelrechten Sprung die Position zu verändern. Es verharrt erneut am Nachthimmel. Sein Größenverhältnis zu den Lichtern des Verkehrsflugzeuges beträgt jetzt Stecknadelkopf zu Orange. Nach einem erneuten "Sprung" setzt das geheimnisvolle Licht, das eine Aura umhüllt, seinen Weg in östliche Richtung fort. Wie es gekommen ist, verschwindet es immer kleiner werdend im Dunkel der Nacht. Der ganze Vorgang dauert etwa eineinhalb Minuten.

"Ich hätte mich knotig ärgern können, dass ich mein Smartphone nicht dabei hatte", berichtet Detlef Müller später, der seinen richtigen Namen auf keinen Fall in der Zeitung lesen möchte. Selbst als er zehn Minuten später seiner Familie aufgeregt von diesem Himmelsphänomen berichtete und dabei nebenbei das Wort "Ufo" fallen ließ, seien die Wellen des Spotts über ihm zusammen geschlagen.

"Es wäre möglich, dass da etwas von einem Flugzeug abgefallen ist. Aber das würde sich erstens nicht horizontal und zweitens nicht mit solcher Geschwindigkeit bewegen", fasst Müller zusammen, der als Techniker seine Brötchen verdient, mit Esoterik nichts am Hut hat.

"Was mich stutzig machte, waren die Sprünge."

Was sah Herr Müller also? Die Wertung seiner Beobachtung lässt ein gesteuertes Objekt vermuten, das in der Lage war, in der Erdatmosphäre mit extremer Beschleunigung zu manövrieren. "Was mich stutzig machte, waren die Sprünge", grübelt der Barbyer.

Nun hofft er darauf, dass auch andere Menschen dieses faszinierende Schauspiel vom vergangenen Freitag bestätigen können.

Aber wie verhält man sich in solchem Fall, um nicht als Ufo-Gläubiger für alle Zeiten stigmatisiert zu werden? Die Volksstimme-Anfragen bei den Polizei-Pressestellen des Salzlandkreises und der Polizeidirektion Nord liefen ins Leere. Dort gab man den Rat - und man spürte dabei den amtlichen Spott regelrecht durchs Telefon - mal bei der Deutschen Flugsicherung nachzufragen.

"Von einem besonderen Vorfall würden wir wissen", sagt Kristina Kelek von der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen (Hessen). Sie räumt allerdings ein, dass "bestimmte Dinge nicht auf dem Radar dargestellt werden können". So wie jener Fall vor einem Jahr in Bremen, wo die Lotsen im Tower ein Fluggerät nicht identifizieren konnten und der Betriebsablauf des Flughafens unterbrochen werden musste.

2013 sorgte die "Mitteldeutsche Zeitung" mit der Überschrift "Verschollene Akten - Stasi auf Ufo-Jagd" für Aufregung. Aus den Akten sei hervor gegangen, dass fünf Volkspolizisten am 3. Februar 1985 von unterschiedlichen Standpunkten aus über Halle ein unidentifiziertes Flugobjekt beobachtet hatten. Dieses "Ufo" sei hinter einer Kaserne der "sowjetischen Bruderstreitkräfte" zerplatzt. Die Stasi vermutete am Ende, dass hinter diesem mysteriösen Fall der "Klassenfeind" steckte.

Aber auch erfahrene Piloten machen zuweilen unerklärliche Beobachtungen: Werner Utter, 2006 verstorbener Chefpilot der Deutschen Lufthansa, flog in 43 Jahren und 29000 Flugstunden auf fast allen Flugrouten der Welt. Erst im Ruhestand gestand er mehrere Sichtungen unbekannter Flugobjekte, die dem erfahrenen Flieger bis zu seinem Tod unerklärlich blieben.

"Beim Eintauchen in die Atmosphäre können Meteore zersplittern."

Der versierte Schönebecker Astrofotograf Uwe Wohlrab hielt sich am vergangenen Freitag zeitgleich im "kaum lichtverschmutzten" Harz auf, als das Phänomen in Barby beobachtet wurde. "Die kalte und trockene Luft schuf gute Bedingungen. Wir haben den Komet Lovejoy fotografiert", berichtet der 55-Jährige. Er vermutet, dass es ein hell leuchtender Meteor war, der Detlef Müller in jener Nacht um den Schlaf brachte.

Aber die Sprünge ...?


"Beim Eintauchen in die Atmosphäre heizen sich Meteore auf und können zersplittern. Das Herabfallen von Bruchstücken lässt sich kurz danach als sprunghafte Bewegung wahrnehmen", lässt Wohlrab die allerschönsten Ufo-Träume zerplatzen.

Und dennoch wird in Barby am kommenden Freitag wirklich ein Ufo landen: Dann spielt im Rautenkranz eine britische Hardrockband dieses Namens ...