KleinRosenburg/Breitenhagen l "Da waren die Holzfäller sprichwörtlich wie die Axt im Walde unterwegs: Ich verstehe nicht, wieso man mit dem Kettenbagger quer über den Deich fahren muss und dabei die Grasnarbe stark verletzt", sagt Christoph Jäger aus Groß Rosenburg. Der Ortswehrleiter und passionierte Waidmann moniert diese unsensible Arbeitsweise der beauftragten Firma. Denn besonders im Frühjahr könne man immer mit Hochwasser rechnen. Und da sei es alles andere als gut, wenn der Deich beschädigt ist.

Zur Erklärung: Ein Kettenbagger hatte gefälltes Holz quer über den Deich geschleppt und dabei die Grasnarbe aufgepflügt. Die Stelle liegt in Sichtweite der Deichbruchstelle von 2013 - klar, dass die Menschen der Region auf solche Dinge sensibel reagieren.

Ein zuständiger Vertreter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) räumt einen Fehler der Baufirma ein, verspricht die alsbaldige Reparatur der Narbe. Es würden darauf sogenannte Erosionsschutzmatten aus Kokosfasern verlegt, später, in der Vegetationszeit, auf der Wunde wieder Gras ausgesät.

"Im Abschnitt zwischen Bettelhorn und Groß Rosenburg beträgt die Deichschräge auf der Landseite 1 zu 2 und ist damit ziemlich steil. Der heutige Standard beträgt 1 zu 3."

Die Abholzung von Bäumen und Büschen diene nicht in erster Linie der Baufreiheit, sondern der Vorschrift, dass Baumwurzeln und Stämme von Deichfüßen einen bestimmten Abstand haben müssen. Und das aus gutem Grund: So streiten sich bis heute die Experten, ob abgestorbene Wurzeln alter Weiden Einfluss auf den Deichbruch am Breitenhagener Schöpfwerk haben oder nicht.

Christian Jung, Flussbereichsleiter im LHW, hält nichts von dieser Theorie. "Das ist unlogisch", so Jung, "wo der Deich am meisten durchwurzelt war, blieb er ja stehen." Fazit: Der Deich brach, wo keine Bäume stehen.

Und warum dann die Abholzungen am Deichfuß, die bis zum 28. Februar wegen der einsetzenden Brutzeit abgeschlossen sein müssen?

"Bei Sanierungen und Neubauten macht man das beim Deichschutzstreifen so", erklärt Christian Jung. Außerdem werde der grundsanierte Deich an einer Stelle "etwas verschwenkt".

Zwischen dem Schöpfwerk Breitenhagen und der Überfahrt zum Bettelhorn wurde der Damm auf 650 Meter Länge schon 2013 im Bereich der Bruchstelle neu aufgebaut, sechs und acht Meter lange Spundwände gerammt. Hier kann man sehen, wie die noch nicht DIN-gerecht gebauten Deiche bis 2020 einmal aussehen sollen, wozu auch der Abschnitt bis zur Klein Rosenburger Dammüberfahrt zählt, die ebenfalls neu gestaltet werden soll.

"Im Abschnitt zwischen Bettelhorn und Groß Rosenburg beträgt die Deichschräge auf der Landseite 1 zu 2 und ist damit ziemlich steil. Der heutige Standard beträgt 1 zu 3", weiß Christian Jung. In diesem Verhältnis wird auch der drei Kilometer lange Abschnitt vom Bettelhorn bis Klein Rosenburg ausgeführt. Auf der Landseite befindet sich eine sogenannte Berme, auf der der Deichkontrollweg verlaufen wird.

"Die Fertigstellung Ende 2015 ist ziemlich optimistisch. Die Arbeiten könnten sich bis 2016 hinziehen."

Die Berme verhindert zum einen das Austreten der Sickerlinie aus der Böschung des Deiches und stabilisiert damit den Fuß des Deiches. Zum anderen dient sie der Aufnahme des Deichverteidigungsweges. Ein Hochwasserschutzdamm mit nicht so steiler Böschung und Berme ist damit standsicherer als eine durchgehende Böschung ohne Bermen.

Ziel der Fertigstellung ist Ende 2015. Jung sieht diesen Termin allerdings "ziemlich optimistisch". Soll heißen: Die Arbeiten könnten sich bis 2016 hinziehen.

Als nächstes werden die Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes Halle nach Besiedlungsspuren suchen.

Über den Ablauf der Baumaßnahmen des Deichabschnitts zwischen den Kilometern 1,06 und 4,0 sollen die Anwohner von Groß Rosenburg und Breitenhagen demnächst in einer Bürgerversammlung informiert werden.

 

Bilder