"Du bist spitze!" Die Redaktion der Schönebecker Volksstimme sucht den Lokalmatador. Wer hat Akzente gesetzt, sich mehr als andere für die Allgemeinheit engagiert oder etwas ganz Besonderes geleistet? Jeder Volksstimme-Leser kann seinen persönlichen Favoriten auswählen und dabei tolle Preise gewinnen. Einer der Kandidaten ist der Barbyer Kanu-Trainer Norbert Krüger.

Barby l Schon in frühesten Kindheitstagen machte ihm der Fluss ein Schicksalsangebot: "Wir haben in der Elbe immer heimlich gebadet", gesteht Norbert Krüger. Das war auf der Ronneyer Seite der Fährstelle, wo eine Sandbank ein bisschen Ostsee-Strandflair verbreitete. Eine gefährliche Stelle, waren doch ein paar Jahre zuvor dort zwei Jungen ertrunken.

Norbert war damals zehn Jahre alt, seine Kumpel auch. Man habe sich trotz aller Gefahren und Heimlichkeiten an der Fähre sehr wohlgefühlt: "Bei Oma Elsbeth Bernau stand immer ein Schmalztopf, wo wir uns Fettbemmen schmieren durften. Schließlich hatte man in dem Alter immer Hunger."

Auch Schwimmen brachten sich die Jungen damals selbst bei. "Ich habe es bei Hochwasser am Fahrtweg gelernt, wo die Pfosten eines Koppelzauns aus dem Wasser ragten", erinnert sich Norbert Krüger. Man sei von Pfahl zu Pfahl geplanscht, bis auf einmal keiner mehr da war und man Schwimmen konnte.

Neben der Fähre stand das Bootshaus der Kanuten, wo immer etwas los war. Irgendwann kam, was kommen musste: Norbert saß in einem Paddelboot. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Bei der Spartakiade 1966 in Berlin errang er eine Bronzemedaille.

Freilich war der Weg dahin mit Fleiß und Motivation gepflastert. Dabei wurden die jungen Kanuten von Meinhard Ermisch begleitet, der einer der Trainer war. Schließlich war es nicht jedermanns Sache, in einem kippligen Kajak Elbe und Saale herauf zu fahren. "Umkippen gehört dazu", sagt Norbert Krüger knapp. Was besonders in Zeiten von vergifteten Flüssen keine Freude war. "Damals haben wir über solche Dinge nicht nachgedacht, die waren einfach so", merkt der 60-Jährige an.

Es war die große Zeit der Kanuten. Die Dimensionen werden klar, wenn Norbert, dessen Spitzname Nope ist, erzählt: "In Bad Dürrenberg starteten in einem Rennen 22 Boote. Da hat die Saale gekocht."

Bis heute blieb Norbert Krüger den Kanuten treu, gilt als "guter Geist" der Abteilung Kanu des Barbyer Sport- und Spielvereins. In den Jahrzehnten formte er als Trainer Generationen von Kindern. Freilich sind es nicht mehr so viele wie in Zeiten, als die "Saale kochte". Schließlich hat Barby nur noch 3850 Einwohner. Auch die sportlichen Leidenschaften des Nachwuchses wurden geringer. Derzeit paddeln 18 Kinder und Jugendliche bei ihm.

Und wie hält er die bei der Stange? "Hart, aber herzlich", sagt der gebürtige Barbyer, der kein Megafon braucht, wenn er Kommandos vom Trainerboot aus gibt. Man müsse ein Kind auch mal in den Arm nehmen, wenn die Leistungen nicht so stimmen, aber auch klar und deutlich dessen Grenzen aufzeigen. Denn schließlich sei Wassersport auf Flüssen auch nicht ganz ungefährlich.

Nope Krüger und seine Trainerkollegen haben in der Vergangenheit zahlreiche junge Menschen für den Sportclub Magdeburg fit gemacht, DDR-, Deutsche Meister oder Junioren-Olympiasieger waren das Ergebnis. Und noch etwas hat Krüger erreicht: "Keines unserer Kinder wird die Naturerlebnisse vergessen, die man an einem sonnigen Frühlingstag auf der alten Elbe oder Saale machen kann ..."