Erika van Kempen (72) ist neue Vorsitzende der Diabetiker-Selbsthilfegruppe Barby. Ihr Vorgänger Heinz Schmidt (83) hatte das Ehrenamt aus Altersgründen zur Verfügung gestellt.

Barby l Vor einem Jahr beging die Gruppe ihr 15-jähriges Bestehen an jenem Ort, wo sie 1999 mit 22 Personen gegründet wurde: In der "Elbe-Saale" Reha-Klinik. Gründer war damals Wolfgang Schlachta. Er hatte eher zufällig Kontakt mit Reha-Oberarzt Dr. Jörg Hasemann aufgenommen, was letztendlich zur Gründung der Gruppe führte.

Ziel war es damals, eine Plattform für alle Betroffenen zu schaffen, die sich nicht selten mit der Krankheit in ihr Schneckenhaus zurück gezogen haben. Seitdem trifft man sich in einem Schulungsraum der Klinik, um gegenseitig Probleme oder Erkenntnisse auszutauschen oder Fachvorträge von Ärzten sowie Pharma-Fachleuten anzuhören.

"Wir müssen mit der Krankheit umgehen lernen. Und das ist in der Gruppe einfacher. Wer das beherrscht, mindert auch den Risikofaktor", war Wolfgang Schlachtas Leitsatz, der 2006 verstarb. Zu jenem Zeitpunkt war das Fortbestehen der Gruppe ernsthaft gefährdet. Erst als Heinz Schmidt vor neun Jahren die Nachfolge antrat, stabilisierte sich die Situation wieder. Gründungsmitglied Rosel Demuth: "Wer weiß, ob es uns noch geben würde, wenn Heinz Schmidt damals nicht die Leitung übernommen hätte."

Erika van Kempen ist seit einem Jahr Mitglied der Selbsthilfegruppe. Bei der ehemaligen Ingenieur-Ökonomin sei die Krankheit erst kurz zuvor diagnostiziert worden.

In Deutschland leben laut Schätzungen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung etwa sechs Millionen Menschen mit dieser Krankheit. Nach Angaben der International Diabetes Federation (IDF) sind Männer und Frauen annähernd gleich häufig betroffen, in der Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen ist der Prozentsatz am höchsten. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der von Diabetes Betroffenen auf acht Millionen Menschen steigen, lautet die Schätzung der IDF.

Der scheidende Vorsitzende Heinz Schmidt zeigt sich besorgt über die zunehmende Zahl junger Menschen mit diesem Krankheitsbild. So würden jährlich bis 2300 Jugendliche am Typ-2-Diabetes erkranken. Einer Form, die man früher als "Altersdiabetes" bezeichnete. Dabei handele es sich ausnahmslos um stark übergewichtige junge Leute, die zudem erblich vorbelastet sind.

Die Mitglieder der Barbyer Gruppe sind sich einig: Langwierige stationäre Behandlungen in den Krankenhäusern können durch eine aktive Arbeit in der Selbsthilfegruppe reduziert werden. Die Betroffenen erlernen Kenntnisse über Ernährung, die Blutzucker-Selbstmessung, Kontrolluntersuchungen, einzelne Insulingruppen und die Insulinspritztechnik.

"Es sind viele Dinge, die der Diabetiker wissen muss, um erfolgreich mit seiner Krankheit umgehen zu können. Dazu gehört vor allem das Wissen um die Insuline, oder wie Folgeschäden der Zuckerkrankheit zu vermeiden sind", unterstreicht Heinz Schmidt. Deshalb lege man großen Wert auf Vorträge kompetenter Fachleute. Zu denen zählt auch Oberarzt Dr. Jörg Hasemann, der vor 16 Jahren die Gründung in Barby anregte.

Gegenüber gesunden Menschen ist das Risiko bei Diabetikern 25 mal höher zu Erblinden oder sechs mal höher einen Herzinfarkt zu bekommen. "Diabetes ist gut therapierbar - man muss es nur tun", sagt Hasemann. Die Arbeit der Selbsthilfegruppe beschränkt sich aber nicht nur auf den medizinischen Teil. Man fährt ins Bad Salzelmener "Solequell", unternimmt Busfahrten, besucht das Theater Dessau oder ist sportlich aktiv in der Spiel- und Sporthalle.

Besonders hilfreich sind die monatlichen medizinischen Fachvorträge. Am vergangenen Mittwoch gab der Internist und Nephrologe Dr. Günter Hofmann Tipps. Zwei davon lauteten: "Auch wenn Sie keine Beschwerden haben, gehen Sie zur Vorsorgeuntersuchung!" und "Normalgewichtige haben ein geringeres Erkrankungsrisiko."

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