Viele Jahre hat er die Schönebecker Region im Bundestag vertreten. Er war ein freundlicher und umgänglicher Politiker - und ist es immer noch: Vor zehn Jahren berichtete die Volksstimme, dass Hartmut Büttner (CDU) nicht mehr für den Bundestag kandidiert. Was macht der 63-Jährige heute? Mit ihm sprach Volksstimme-Redakteur Ulrich Meinhard.

Volksstimme: Denken Sie noch oft an die Schönebecker Zeit?

Hartmut Büttner: Ich denke sehr oft an die Zeit zwischen 1990 und 2005. In diesen Jahren wohnte ich in Schönebeck. Vier Mal wurde ich als Abgeordneter des Wahlkreises "Magdeburger Börde" in den Deutschen Bundestag gewählt, bis ich freiwillig aus familiären Gründen ausgeschieden bin.

Worüber freuen Sie sich besonders oder sind stolz beim Blick auf die Jahre als Bundestagsabgeordneter?

Ich bin dankbar, dass ich gerade in dieser äußerst spannenden Phase der deutschen Politik meinen Beitrag für die Verwirklichung der inneren Einheit in Deutschland leisten konnte. Die Herausforderungen, Brüche und Umstellungen für die Menschen im Osten Deutschlands waren gewaltig. Viele Westdeutsche können sich bis heute hiervon gar keine Vorstellung machen. Bei allen heute noch vorhandenen Problemen und Defiziten bin ich schon ein wenig stolz darauf, dass viel Positives erreicht worden ist. Wenn ich mich an das graue, teilweise verfallene und von Umweltproblemen bedrohte Schönebeck aus dem Jahr 1990 erinnere, dann denke ich, ist durch eine große Gemeinschaftsanstrengung sehr viel geschafft worden. Negativ ist, dass viele Menschen aus den neuen Ländern und damit auch aus Schönebeck abgewandert sind. Damit leben in der Stadt heute etwa 12000 weniger Menschen als zu DDR-Zeiten.

Vermissen Sie die parlamentarische Arbeit in Berlin?

Meine Arbeit zunächst in Bonn und später in Berlin war nie ein Selbstzweck. Ich konnte aber durch meinen Einsatz dazu beitragen, dass wichtige Infrastrukturprojekte, wie der Bau der Autobahn 14, die Ortsumgehung Schönebeck, im gesamten Bundestagswahlkreis verwirklicht werden konnten.

Ich vermisse schon ein wenig die Möglichkeiten eines Abgeordneten bei der Hilfe für andere Menschen. Meine Bürgersprechstunden waren immer ein Seismograph der jeweiligen Probleme - welche die Menschen im Wahlkreis bedrückten. Manch ein Brief mit dem Bundesadler hat hier Türen öffnen können.

Vor allem die Opfer der beiden Diktaturen in Deutschland liegen und lagen mir am Herzen. Hier konnte ich auch ganz persönlich einiges durchsetzen. So haben die Heimatvertriebenen, die auf das Gebiet der DDR kamen, eine Einmalleistung erhalten, Spätheimkehrer wurden entschädigt und auch für SED- und Stasiopfer konnte etwas erreicht werden. Für mich ist hier allerdings vieles zu dürftig ausgefallen.

Wie verläuft heute ein normaler Tag in Ihrem Leben?

Durch drei Kinder und mittlerweile vier Enkelkinder entsteht keine Langeweile. Hinzu kommt, dass ich ein "homo politicus" bin und nach wie vor etwas unternehme, damit das Leben in Deutschland freundlicher wird. Mein Wirkungskreis beschränkt sich mittlerweile auf die 60000-Einwohner-Stadt Garbsen bei Hannover. Hier arbeite ich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik und bin derzeit Ratsvorsitzender und Stellvertretender Bürgermeister.

Auch in der Parteipolitik bin ich noch ein wenig aktiv und arbeite im CDU-Kreis- und Regionsvorstand mit. Es lag wohl auch ein wenig an dieser Arbeit, dass es gelungen ist, die Mehrheitsverhältnisse im ehemalig tief sozialdemokratisch geprägten Garbsen stark zu verändern. Die CDU wurde nicht nur zur stärksten Ratsfraktion, sondern sie stellt mit Christian Grahl jetzt auch den Bürgermeister. Der CDU-Kandidat erhielt 67,5 Prozent der Wählerstimmen in der Stichwahl gegenüber dem SPD-Amtsinhaber. Die konstruktive Ratsarbeit mit allen Fraktionen füllt mich voll aus und macht mir auch viel Freude.

Daneben kümmere ich mich vor allem um die SED- und Stasiopfer, die zumeist nach langen Haftzeiten von den früheren Bundesregierungen freigekauft worden sind. Viele von ihnen wohnen jetzt in Niedersachsen. Psychologisch und auch wirtschaftlich leiden viele bis heute unter den Folgen der erbarmungslosen Haft.

Sie hatten 1995 einen obskuren Verkehrsunfall, der nie richtig aufgeklärt worden ist.

Ich lag vier Wochen lang zwischen Tod und Leben im Koma. Die Spätfolgen brechen leider wieder auf. Dies ist ein Andenken an meine Bundestagszeit, auf das ich gern verzichten könnte. Eine wirkliche Aufklärung über die merkwürdigen Begleitumstände hat es leider nie gegeben.

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